Grizzlys Wolfsburg – Armin Wurm im großen Jubiläumsinterview

Wolfsburg.   Vor zehn Jahren trat der Verteidiger des Eishockey-Erstligisten seinen Dienst an. An seinem 30. Geburtstag erinnert er sich und blickt voraus.

Zwei runde Jubiläen: Armin Wurm blickt an seinem 30. Geburtstag auf seine zehn Jahre bei den Grizzlys zurück.

Zwei runde Jubiläen: Armin Wurm blickt an seinem 30. Geburtstag auf seine zehn Jahre bei den Grizzlys zurück.

Foto: Darius Simka / regios 24

Nur zwei Grizzlys-Profis sind länger in Wolfsburg als er: Armin Wurm. Nach Christoph Höhenleitner (seit 2007) und Sebastian Furchner (seit 2008) ist der Verteidiger der Spieler mit der drittlängsten Dienstzeit beim Eishockey-Erstligisten. 2009 kam er aus Trauchgau bei Füssen nach Wolfsburg und entwickelte sich zu einem unverzichtbaren Teil des Teams. Zehn Jahre, zehn Fragen – Zeit für ein großes Rück- und Ausblick-Interview mit Wurm, der am Dienstag noch ein zweites Jubiläum feiert: Er wird 30!

1 Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Wurm! Feiern Sie denn Ihren 30. groß?

Vielen Dank. Ja, es gibt eine Feier mit der Familie, Freunden und auch einigen Mannschaftskollegen.

2 Erinnern Sie sich noch an Ihre Ankunft in Wolfsburg vor zehn Jahren, als Sie Ihr Vater herbrachte?

Oh ja. Lang, lang ist’s her… Für mich war es damals ein großer Schritt. Ich hatte zuvor noch nie allein gewohnt. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Das kostete mich schon etwas Überwindung. Bei meiner Ankunft in Wolfsburg prasselten viele Eindrücke auf mich ein. Ich schaute mir alles genau an. Kabine, Arena, Geschäftsstelle. Unser Manager Charly Fliegauf übergab mir dann meine erste eigene Wohnung. Als mein Vater zurück nach Trauchgau fuhr, hatte ich ein mulmiges Gefühl.

3 Wie lief denn die erste Zeit in der eigenen Wohnung?

(Lacht) ,Learning by doing’ würde ich sagen. Zum Glück hatte ich im Vorfeld des Wechsels schon einen Haushaltsgrundkurs von meiner Mutter und meiner Oma bekommen. Eine meiner ersten selbstgekochten Speisen waren bayrische Kasspatzen, ein Nudelgericht mit Käse und Zwiebeln. Das war ein Rezept meiner Oma. Und beim Wäschewaschen kam anfangs so manches weiße T-Shirt rosa wieder aus der Trommel. Auf jeden Fall bin ich durch die frühe Selbstständigkeit gereift. Ich würde meine Entscheidung, nach Wolfsburg zu gehen, immer wieder so treffen.

4 Sie haben mit den Grizzlys viel erlebt in zehn Jahren. Was waren die Meilensteine?

Da ist viel passiert. Wir standen 2011, 2016 und 2017 insgesamt dreimal im DEL-Finale. Es war mir eine große Ehre, mit den Grizzlys zweimal in der Champions Hockey League zu spielen. Wir nahmen in einem Jahr am Spengler-Cup in Davos teil. Das waren schon positive Höhepunkte. Ein negativer war hingegen, dass wir in der vergangenen Saison erstmals, seit ich hier bin, die Play-offs verpassten. Aber daran wächst man. Ich hoffe, dass es nun wieder besser wird und unser Trend nach oben geht.

5 Es gab noch einen Tiefpunkt in Ihrer Grizzlys-Zeit: Ihren Sprunggelenkbruch im Januar 2012 – eine Verletzung, die auch das Karriereende hätte bedeuten können, oder?

Oh ja, das war eine sehr schwierige Phase. Da war ich auf Hilfe angewiesen, fühlte mich ein bisschen hilflos und allein. Ich bin meiner Familie noch immer sehr dankbar, dass Sie sich damals für mich ins Zeug gelegt hat. Ich wusste ja nicht, ob ich je wieder auf dem Eis stehen können würde. Nach neun Monaten Leidenszeit mit viel Reha hatte ich es zum Glück geschafft. Etwas richtig Gutes hatte meine schwere Verletzung aber auch. In der Zeit lernte ich meine heutige Ehefrau Sabrina kennen. Ich weiß nicht, ob wir ohne die Verletzung überhaupt zusammengekommen wären.

6 Im vergangenen Jahrzehnt hat sich auch das Eishockey an sich verändert. Was sind die größten Unterschiede im Vergleich zu Ihrem DEL-Debüt 2009?

Das Tempo ist heute höher als damals. Außerdem wird mittlerweile viel physischer gespielt. Hinzu kommt, dass die Systeme der Trainer sich auch weiterentwickelt haben. Die Videoanalyse hat an Bedeutung gewonnen, das Marketing ist professioneller geworden. All das macht Vorfreude auf das, was noch kommt.

7 Eine Veränderung, die Ihnen persönlich weniger gut bekam, war der Weggang Ihres langjährigen Grizzlys-Trainers Pavel Gross nach Mannheim im vergangenen Sommer. Oder täuscht der Eindruck?

Nein, das war wirklich so. Neun Jahre, im ersten noch als Co., war Pavel mein Trainer in Wolfsburg. Das darf man nicht vergessen. Er führte mich heran an die DEL, unter ihm entwickelte ich mich ständig weiter. Ich wusste blind, was ich zu tun hatte. Die Umstellung ist mir schwer gefallen. Mit der – wenn auch schmerzhaften – Erfahrung aus der vergangenen Saison bin ich nun gespannt auf die neuen Trainer. Pat Cortina ist zudem kein Unbekannter für mich. Unter ihm als Bundestrainer habe ich ein paar Mal in der Nationalmannschaft gespielt.

8 Wie lauten Ihre Ziele für die neue Saison?

Das oberste Ziel ist das Erreichen der Play-offs. Egal, mit welchem Tabellenplatz. Klar, ich wünsche mir, dass wir in die Top 6 kommen. Aber wir müssen erst einmal wieder klein anfangen nach dem enttäuschend Platz 12 in der vergangenen Spielzeit. Außerdem möchte ich über die ganze Saison gesund bleiben.

9 Dann kann ich Ihnen zu Ihrem Geburtstag eigentlich nur noch wünschen: Auf die nächsten zehn Jahre bei den Grizzlys, oder?

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Ich möchte so lange Eishockey spielen, wie es mein Körper mitmacht. Ob das dann noch fünf oder zehn Jahre der Fall ist, weiß ich nicht. Am liebsten aber auf jeden Fall weiter in Wolfsburg. Hier habe ich schließlich nun Familie und ein Haus und bin sesshaft geworden.

10 Abschließend die Frage: Kann es sein, dass sich in den vergangenen Jahren in Niedersachsen Ihr bayrischer Akzent etwas abgeschliffen hat?

(Lacht) Das stimmt. Wenn ich zu Besuch in Bayern bin, sagen sie: ,Es wird Zeit, dass du wieder bayrisch redest.’ Komme ich zurück nach Wolfsburg, heißt es: ,Nun musst du aber wieder hochdeutsch sprechen. Ich würde sagen, zu 50 Prozent bin ich heute Bayer und zu 50 Prozent Wolfsburger.

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