Das fordern die Fans der Grizzlys Wolfsburg in der Krise

Wolfsburg.  Hier machen drei Vorstände der Grizzlys-Fanklubs ihrem Unmut Luft und sprechen die Probleme des Eishockey-Erstligisten an.

Das Meinungsbild von der Tribüne fehlt in dieser Saison bisher. Die Grizzlys-Fans müssen wegen Corona die Spiele ihrer Lieblinge im Fernsehen anschauen.

Das Meinungsbild von der Tribüne fehlt in dieser Saison bisher. Die Grizzlys-Fans müssen wegen Corona die Spiele ihrer Lieblinge im Fernsehen anschauen.

Foto: Darius Simka / Regios24

Die sportliche Krise ihres Klubs beschäftigt auch und ganz besonders die Fans des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg. Aufgrund der Corona-Pandemie können sie nicht wie gewohnt ihre Mannschaft von der Tribüne aus anfeuern, aber auch nicht von dort ihren Unmut kundtun. Das kann derzeit nur in den sozialen Medien erfolgen.

Drei Vorstandsmitglieder von Wolfsburger Fanklubs standen nun unserer Zeitung Rede und Antwort. Dirk Gawlak (56 Jahre/1. Vorsitzender Grizzlys-Family), Stephan Schmidt (32 Jahre/1. Vorsitzender Grizzlys Adams) und Timo Tykarski (30 Jahre/3. Vorsitzender Reihe 3) antworteten auf die brisantesten Fragen des stürmischen Januars. Der geht am Freitag von 18.30 Uhr an mit dem Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters weiter.

Wie ist die Stimmung im eigenen Fanklub?

Gawlak: „Sie ist schlecht. Zum einen, weil wir Fans wegen Corona die Spiele nicht besuchen dürfen und auch sonst kaum Kontakt zum Klub oder zur Mannschaft herstellen können. Zum anderen aber vor allem auch, weil die Leistung nicht stimmt. Wir sind alle sehr enttäuscht. Ich bin zudem enttäuscht von der negativen Entwicklung, die schon beim Magenta-Sport-Cup begann, wo wir früh ausschieden. Und das, obwohl das Team als eines der ersten aus der DEL in der Vorbereitung auf dem Eis trainiert hatte.“

Schmidt: „Die Stimmung ist gemischt bei uns. Negativserien machen uns in dieser verkürzten Saison allerdings noch größere Sorgen als in normalen Jahren. Sauer macht uns, dass wir nach dem 2:5 in Bremerhaven keine Reaktion der Mannschaft gegen Düsseldorf gesehen haben. Die hatten wir erwartet. Wenn Zuschauer erlaubt gewesen wären, hätte es sicher bereits Pfeifkonzerte gegeben. Angebracht gewesen wären sie.“

Tykarski: „Die Stimmung ist bei uns aufgrund der Leistung noch geteilt. Noch haben wir ja auch Zeit, etwas zu ändern. Es sind ja erst ein paar Spiele gespielt.“

Wie bewerten Sie die Leistung der Mannschaft – was war gut, was war schlecht?

Gawlak: „Die Auswahl der Neuzugänge bewerte ich positiv. Einige Spieler haben in den Interviews zur aktuellen Lage auch betont, dass die Stimmung in der Mannschaft sehr gut sei. Auf dem Eis spiegelt sich das aber nicht wider. Ich sehe oft viele Einzelkämpfer. Spiele werden in der Abwehr gewonnen. Aber die wegen Ausfällen wenigen verbliebenen Verteidiger sind derzeit am Limit. Besonders Dominik Bittner fehlt, wir bräuchten hier eine Verstärkung. Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Angriff funktioniert meiner Meinung nach auch nicht. Immerhin: Die Neuzugänge Max Görtz und Phillip Bruggisser haben einen starken Schuss von der blauen Linie. Aber was nützt das, wenn der Rest nicht funktioniert?“

Schmidt: „Besonders schlecht waren bisher die Special Teams, obwohl das Unterzahlspiel gegen Düsseldorf okay war. Aber im Powerplay kommt zu wenig. Uns fehlt es an Führungsspielern, die voranmarschieren. Wir müssen auch mal körperlich spielen, erst recht, wenn es nicht läuft. Was besser funktioniert als in der vergangenen Saison, ist die Defensive, in der weniger Aussetzer vorkommen als zuvor. Wir gewinnen auch mehr Zweikämpfe hinter unserem Tor. Dafür klappt nun das Aufbauspiel nicht mehr. Wir bringen den Puck zwar tief, aber kommen nicht hinterher. Von der Papierform her haben wir einen der stärksten Kader der vergangenen Jahre. Die Kommunikation untereinander scheint zwar auch zu stimmen, aber das Zusammenspiel funktioniert nicht. Da fragt man sich doch: Stimmt es in den Köpfen?“

Tykarski: „Meiner Meinung nach ist der Kader besser als in der vergangenen Saison. Das Powerplay hatte mir am Saisonanfang gut gefallen. Wow, dachte ich, die haben ja das Schießen gelernt. Fabio Pfohls Rückkehr vergangene Saison, nun die Verpflichtung von Leuten wie Max Görtz und Dustin Strahlmeier, dazu Jan Nijenhuis‘ Entwicklung – da passt schon vieles. Deshalb frage ich mich, woran es liegt, dass wir nicht besser sind. Klar, Dominik Bittner zum Beispiel fehlt in der Abwehr schon sehr. Aber das allein kann es nicht sein.“

Was sagen Sie zu Trainer Pat Cortina?

Gawlak: „Ich breche nicht den Stab über Cortina. Er ist mir zwar zu ruhig hinter der Bande, und viele von uns Grizzlys-Fans wünschen sich einen Coach, der auch die eigenen Leute mal richtig zusammenstaucht. Aber was ist mit den Spielern? Trotz seines Treffers gegen Düsseldorf ist zum Beispiel Anthony Rech bisher unterirdisch gewesen. Auch Mathis Olimb spielt zu selbstverliebt und hält den Puck zu lange. Um die Leistung des Trainers zu beurteilen, haben wir Charly Fliegauf und die Geschäftsführung. Die müssen entscheiden, ob der Trainer gut genug ist.“

Schmidt: „In meinem Umfeld bei uns im Fanklub sind wir nicht so strikt, dass wir sagen: Pat Cortina muss raus. Es liegt sicher auch am Trainer, aber nicht allein an ihm. Er hatte von Anfang an einen schweren Stand in Wolfsburg. Ob er mit seiner Art und Spielweise zu den Grizzlys passt, kann und muss man diskutieren.“

Tykarski: „Das Coaching ist suboptimal. Cortinas Spielweise passt nicht zu uns. Wir wollen schnelles Eishockey spielen. Ich hoffe, dass er zurücktreten muss und Assistenztrainer Tyler Haskins eine Chance bekommt.“

Wie lautet Ihre Forderung an die Grizzlys in dieser Phase?

Gawlak: „Vom Leistungsstand her sind wir im Moment nicht da, wo wir uns alle sehen. Die Erwartungen der Fans sind hoch. Gegen Iserlohn am Freitag müssen drei Punkte her. Platz 4 und somit die Play-offs zu verpassen, wäre fatal. Es ist noch nicht fünf vor zwölf, aber viertel vor zwölf.“

Schmidt: „Wir fordern gegen Iserlohn eine sichtbare Reaktion der Mannschaft auf dem Eis. Dass die Spieler zeigen, dass sie es können und wollen. Dass sie es können, das glauben wir alle. Und von den Verantwortlichen: Es ist eine kurze Saison. Wenn es Handlungsbedarf gibt, erwarten wir, dass schnell gehandelt wird.“

Tykarski: „Ich erwarte von allen klare Verbesserungen im Spiel nach vorne. Dass wir bessere Pässe spielen, weniger Strafen nehmen, vor dem gegnerischen Tor Sichtblocks setzen und mehr schießen. Wenn wir die alten Grizzlys-Stärken einbringen, geht es auch aufwärts.“

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