Lions holen Titel mit perfektem Zeitmanagement

Frankfurt.  Die Lions-Footballer freuen sich hemmungslos über den 10:7-Sieg über die Schwäbisch Hall Unicorns.

im Unger (von links), Patrick Papke und Robin Pappke bejubeln ihren German-Bowl-Gewinn.

im Unger (von links), Patrick Papke und Robin Pappke bejubeln ihren German-Bowl-Gewinn.

Foto: Schust /Eibner-Pressefoto

Im Moment der heftigsten Glücksgefühle, als die Saison vorbei war, glorreich abgeschlossen mit dem maximal möglichen Erfolg, als feststand, das Ziel erreicht zu haben, dem seit Monaten alle alles untergeordnet hatten, da durfte jedes Teammitglied der Lions auch mal ungestraft der Größte sein. Solo, in kleinen und in großen Gruppen triumphierten die Braunschweiger Footballer im weiten Stadionrund der Frankfurter Arena, nachdem sie am Samstagabend den German Bowl gewonnen hatten.

Zum zwölften Mal holte der deutsche Rekordmeister den Titel in seiner Vereinsgeschichte. Aber nur selten wurde der Sieg so inbrünstig bejubelt und gefeiert. Vielleicht auch, weil die Braunschweiger dieses Mal nicht immer ihren besten Football gezeigt hatten. Natürlich geschuldet der Klasse des Gegners, der zuvor 50 (!) Spiele in Folge gewonnen hatte. 10:7 stand am Ende auf der Anzeigetafel nach einem Duell zweier Kontrahenten, die im Verlauf der Saison serienweise Touchdowns erzielten und zu den angriffsstärksten Bundesligisten zählten.

Starke Verteidigungsreihen

Doch bestens vorbereitete Abwehrreihen hüben wie drüben machten den Offensivkräften das Leben schwer. Alles in allem einen Tick härter, spritziger und gedankenschneller agierten die Braunschweiger im Defensivverbund. Das brachte ihnen eine Überlegenheit ein, die völlig zurecht mit dem Titel belohnt wurde.

Nur ein einziges Mal schaffte es die Schwäbisch Haller Passmaschine, der ehemalige Lions-Spielmacher Jadrian Clark, seine Mannen in die Nähe der Braunschweiger Endzone zu dirigieren.. Und verkürzte zu diesem Zeitpunkt überraschend auf 7:10, nachdem es die Lions immer wieder trotz guter Gelegenheiten versäumt hatten, ihre 10:0-Führung entscheidend auszubauen.

Und so gewannen die Braunschweiger am Ende deshalb denkbar knapp, weil sie etwas in die Waagschale warfen, was kein Konkurrent das ganze Jahr über so gut beherrschte wie sie – das Zeitmanagement. Die letzte Aktion der Partie war ein Musterbeispiel dafür, wie perfektes Timing den Gegner aus dem Spiel nimmt.

Connette verpasst Touchdown absichtlich

Knapp zwei Minuten vor Schluss versuchte sich Quarterback Brandan Connette in seiner unnachahmlichen Weise durchzutanken gegen die bärenstarke Defenseline von Schwäbisch Hall, blieb hängen, machte noch einen halben Meter gut, drehte sich links, drehte sich rechts und kämpfte sich doch irgendwie frei aus einer scheinbar nicht zu lösenden Umklammerung. Plötzlich war der Weg ganz frei zum Touchdown. Doch Connette gab erst Vollgas und ließ sich dann fallen. Er verzichtete absichtlich auf den Ausbau der Führung. Dann sprang der Spielmacher auf, hüpfte und jubelte – und machte viele Zuschauer ein bisschen ratlos, ob sie nun auch jubeln (Lions-Fans) oder schonmal mit den Tränen loslegen sollten (Schwäbisch Hall-Fans).

Connette wusste sofort: Das Spiel war gewonnen. In 1:35 Minuten Restspielzeit kann im Football alles passieren – oder auch gar nichts. Denn für jeden Spielzug hat man 25 Sekunden Zeit, in vier Versuchen müssen 10 Meter zurückgelegt werden, um einen neuen ersten Versuch zu bekommen. Das verteidigende Team kann die Zeit nur mit Auszeiten stoppen. Schwäbisch Hall hatte alle Auszeiten aufgebraucht. Und durch den weiten Lauf von Connette gab es bei 1:35 Minuten Restspielzeit vier neue Versuche für die Lions. Nach 1:40 Minuten Nichtstun würde der Gegner den Ball bekommen.

Vollgepumpt mit Glücksgefühlen

Die Lions siegten also mit auslaufender Zeit. Als eigentlich noch eine knappe halbe Minute zu spielen war, kugelte sich Hüne Evans Yeboah vollgepumpt mit Glücksgefühlen bereits auf dem Feld, und nun entbrannte ein ohrenbetäubendes Jubelfest von den Rängen zu Ehren der Lions.

Später bei der Siegerehrung zündeten links und rechts des Siegerpodests rote und goldene Feuerwerkskörper, und aus den Lautsprechern tönte die alte Queen-Hymne „We are the Champions“. Da war schnell vergessen, dass beim neuen Meister an diesem Tag nicht alles Gold war, was glänzte. Etwa die drei verschossenen Fieldgoal-Versuche, wobei zwei davon aus sehr sportlichen Entfernungen erfolgten. Oder absolut unnötige Regelverstöße zu den ungünstigsten Zeitpunkten.

„Lions sind verdient deutscher Meister“

Egal. „Die Lions sind verdient deutscher Meister“, lobte selbst Schwäbisch Halls Cheftrainer Jordan Neuman. Und Braunschweigs Cheftrainer Troy Tomlin sagte mit Genugtuung in der Stimme: „Es gab Leute, die haben vor Saisonbeginn behauptet, wir würden nicht einmal die Play-offs schaffen. Jetzt ungeschlagen deutscher Meister zu sein, ist eine klasse Antwort.“

Und dann wurde groß gefeiert In den Katakomben der Arena, im Hotel, auf der Rückfahrt – und nächsten Sonntag gleich nochmal mit den Fans auf der heimischen Roten Wiese in Braunschweig.

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