Kein Football mit den Lions vor dem 1. September

Braunschweig.  Die Lions-Trainer wurden in Kurzarbeit geschickt, und das Training ist wegen Corona-Abstandsregeln sinnvoll auch nicht möglich.

An spektakulären Kontaktsport ist in Corona-Zeiten nicht zu denken. Also erstmal zumindest bis September auch nicht an Footballspiele der Lions.

An spektakulären Kontaktsport ist in Corona-Zeiten nicht zu denken. Also erstmal zumindest bis September auch nicht an Footballspiele der Lions.

Foto: Karsten Reißner

Seit wenigen Jahren haben die Lions-Footballer optimale Trainingsbedingungen, egal wie das Wetter ist. Denn dem deutschen Rekordmeister steht an der Roten Wiese in Braunschweig neben den grundsanierten Naturrasenplätzen zum Trainieren auch ein Kunstrasen zur Verfügung. Seit wenigen Tagen dürfen Sportler in Niedersachsen wieder Freiluft-Sportstätten nutzen, und Teamsportlern ist es erlaubt, unter Wahrung eines Abstands von zwei Metern in Kleingruppen bis zu fünf Akteuren zu üben. Coronaregeln eben. „Doch das hilft uns nicht. Wie sollen wir ohne Körperkontakt eine Football-Mannschaft wettkampffähig bekommen?“, fragt Cheftrainer Troy Tomlin.

Der aktuelle deutsche Meister ist auch aus einem anderen Grund in seiner sprichwörtlichen Bewegung stark eingeengt. Denn das Erfolgstrainer-Duo aus Tomlin und Defense-Koordinator Dave Likins ist in Kurzarbeit, darf seinem Job auf dem Platz also nur äußerst eingeschränkt nachgehen. „Training läuft bei uns auf freiwilliger Basis. Aber ohne Dave und mich, und nochmal: Was sollen wir denn ernsthaft üben. Fit sind die Jungs ja“, gibt Tomlin zu bedenken.

Den deutschen Verband AFVD hat die bundesweite Gemengelage in der Coronakrise und das wochenlange Nichtstunkönnen dazu verleitet, eine Erklärung herauszugeben, die kaum schlauer macht, aber zumindest Bewegung bei den Offiziellen dokumentiert. So betont der Verband nach wie vor, dass es auch in diesem Jahr unbedingt noch eine Football-Saison geben soll, und zwar von der German-Football-League, also der Bundesliga, abwärts bis ins letzte Dorf. Der Plan sieht vor, ab 1. September zu beginnen, sofern die Politik das erlaubt.

Doch Tomlin, der sich naturgemäß nichts sehnlicher wünscht als einen normalen, geregelten Football-Betrieb, sieht skeptisch in die nahe Zukunft. „Wie soll das gehen? Ich denke, bevor es weitergeht bei uns, ist es dringend notwendig, einen Impfstoff vorliegen zu haben. Ohne wird das schwer zu machen sein.“ Zumal in der Eliteliga ja auch in allen Teams zahlreiche ausländische Spieler mitwirken, die so ohne Weiteres nicht einfach eingeflogen werden können. „Ich halte es für keine gute Idee, nur mit deutschen Spielern loszulegen. Das ist dann ein ganz anderer Sport. Aber vielleicht würde es zur Not möglich sein, mit allen verfügbaren Akteuren zu spielen.“ Der Cheftrainer spielt damit auf die Tatsache an, dass durchaus der ein oder andere Lions-Akteur, der als Importspieler gilt, die Coronazeiten in Braunschweig verbringt.

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Derweil gibt es noch andere große Probleme, die einem Saisonstart noch in diesem Jahr entgegenstehen. Zum einen werden die meisten Footballteams in Deutschland von vielen kleinen Sponsoren getragen, die selber im Augenblick von allergrößten finanziellen Sorgen geplagt werden. Die Braunschweiger haben zwar mit dem Modehaus New Yorker einen ganz großen Unterstützer, der aber auch umso größere Verluste wegstecken muss. Wenigstens weiß Tomlin: „Klar, es gibt Kurzarbeit. Aber grundsätzlich kann Football bei uns normal weiterlaufen.“ Wenn es dann irgendwann wieder läuft. Das zweite Problem: Eine große, wenn nicht sogar die wichtigste Einnahmequelle sind die Zuschauer im deutschen Football. Und wann die Fans wieder ihren Lieblingen am Rande der Plätze oder auf den Tribünen zujubeln können, steht ebenfalls noch in den (Corona-) Sternen.

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