„Das war eine Lehrstunde“

Braunschweig  Beim 48:96 der Löwen gegen Meister Bamberg verdient sich das Publikum das größte Lob.

Ein Löwe, drei Bamberger: Spielmacher Carlos Medlock wurde von den Profis des Meisters besonders konzentriert verteidigt und hatte einen extrem schweren Stand.

Foto: Peter Sierigk

Ein Löwe, drei Bamberger: Spielmacher Carlos Medlock wurde von den Profis des Meisters besonders konzentriert verteidigt und hatte einen extrem schweren Stand. Foto: Peter Sierigk

Das große Wunder blieb auf dem Feld erwartungsgemäß aus. Ein halbwegs enges Spiel auf Augenhöhe gegen Meister Bamberg konnten Braunschweigs mit nur vier Ausländern angetretene Erstligabasketballer gestern Abend nicht liefern. Sie kassierten eine heftige 48:96 (25:47)-Packung. Ein kleines Wunder aber vollzog sich auf den Zuschauerrängen: Da stand das Publikum nahezu durchgängig voll hinter der jungen Mannschaft, trieb sie nach vorne und applaudierte den betrübten Verlierern am Ende sogar wieder ein halbes Lächeln ins Gesicht.

„Das war eine Superstimmung, obwohl wir so hoch hinten lagen, das hätte ich wirklich nicht erwartet“, schwärmte Youngster Luis Figge. „Wenn die Leute uns so weiter unterstützen, dann können wir hier bestimmt die nötigen Siege holen.“

Der 19-Jährige war der Held der letzten Minuten und peppte die einseitige Partie mit mutigen Korbaktionen auf. Als er in den Schlusssekunden trotz eines rüden Fouls von Nationalspieler Patrick Heckmann den Ball per Dunking in den Korb wuchtete und noch seinen Freiwurf versenkte, war die Trostlosigkeit der Vorminuten vergessen.

Neun Zähler, ein Rebound, ein Ballgewinn und eine Vorlage in 14 Minuten sind eine stolze Ausbeute für einen „Lehrling“ in seinem zweiten BBL-Spiel – und das gegen den kraftstrotzenden Meister. „Die Bamberger waren unfassbar stark, man muss ihnen Respekt zollen, die haben gespielt wie ein Meister“, lobte er. „Aber für mich hat es sich toll angefühlt, schließlich habe ich heute meine ersten BBL-Punkte gemacht.“

Nach wackligem Start mit zittrigen Wurfarmen und nur vier Punkten in acht Minuten gewöhnten sich die Löwen an den gegnerischen Druck. Es folgte eine Phase, in der sie gegen die körperlich klar überlegenen Gegner auch selbst erfolgreiche Korbaktionen schafften, weil sie ihre Offensivsysteme durchspielen konnten.

Zwischen der 8. und der 24. Minute lieferten sie dem europäischen Spitzenteam einen echten Fight und verloren diese Phase nur mit 26:35 Punkten. Sid-Marlon Theis gefiel mit zwei Dreiern, Geoffrey Groselle mit drei geblockten Würfen. Das Teamspiel funktionierte halbwegs, auch wenn die Löwen für jeden Punkt ackern und ächtzen mussten, während die Bamberger nach schnellen Passstafetten traumwandlerisch sicher aus allen Lagen einnetzten.

Doch nach 24 Minuten war der Stecker gezogen. Mit schwindender Kraft ging es steil bergab. Die Löwen schafften es nicht mehr, strukturiert anzugreifen. Sie mussten improvisieren, Notwürfe nehmen und gruben sich damit ein tiefes Loch. Der Gegner nutzte die Unsicherheiten eiskalt, fing ein Harakiri-Zuspiel nach dem anderen ab und startete serienweise Schnellangriffe Richtung Braunschweiger Korb. Aus dem 30:50-Zwischenstand (24.) wurde durch einen Bamberger 29:0-Lauf ein 30:79, ehe Groselle nach acht Minuten ohne Treffer die Punktflaute der Löwen beendete (32.).

„Das war eine Lehrstunde“, resümierte Trainer Frank Menz geknickt. „Wir hatten gehofft, besser aussehen zu können, aber Bamberg hat 40 Minuten ernst gemacht, und wir haben viel zu schnell das Selbstvertrauen verloren.“ Auch der Coach war dankbar über die Unterstützung des Publikums. „Die Mannschaft braucht das“, betonte er und schickte seine Profis mit dem Auftrag nach Hause, die Bamberg-Pleite sofort abzuhaken. „Unsere Punkte müssen wir gegen andere Gegner holen.“

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