Debakel ohne große Gegenwehr

Bayreuth  Die Löwen lassen sich in Bayreuth planlos, chaotisch und hilflos mit 48:96 abfertigen.

Nur Löwen-Center Geoffrey Groselle konnte sich in Bayreuth gut behaupten, blockte drei Würfe und wehrte sich auch emotional stark gegen die zweite desaströse Pleite der noch jungen Saison.

Foto: Peter Kolb

Nur Löwen-Center Geoffrey Groselle konnte sich in Bayreuth gut behaupten, blockte drei Würfe und wehrte sich auch emotional stark gegen die zweite desaströse Pleite der noch jungen Saison. Foto: Peter Kolb

Die Löwen seien deutlich besser als sie sich nach außen darstellten, hatte Ex-Trainer Raoul Korner vor dem Duell seiner alten bei seiner neuen Mannschaft Bayreuth gesagt. Süßes Gift des Österreichers offenbar – oder eine falsche Einschätzung? Jedenfalls blieben die Braunschweiger gestern Abend in Bayreuth eine Bestätigung schuldig. Schlimmer noch: Sie ließen beim 48:96 (27:47) ein derartiges Debakel über sich ergehen – schon das zweite der Saison – dass man Mitleid haben konnte.

Bereits zum Ende des ersten Viertels geriet das Team von Frank Menz auf die Verliererstraße, nachdem Korner beim Stand von 10:10 einen Ex-Löwen eingewechselt hatte. Robin Amaize brachte die Energie aufs Feld, die der Partie bis dahin auf beiden Seiten gefehlt hatte. Fortan schalteten die athletisch klar überlegenen Bayreuther in den Volldampf-Modus, während die vollkommen enttäuschenden Löwen sich überrollen ließen und noch vor der Halbzeit mit bis zu 25 Punkten in Rückstand gerieten.

Das Spiel war schon Mitte des zweiten Viertels entschieden, weil das nach drei Siegen in Folge ohnehin schon große Selbstbewusstsein der Gastgeber noch anschwoll. Sie wurden immer stärker, während das Vertrauen der Braunschweiger in die eigenen Fähigkeiten so rapide sank, dass sie nicht mal mehr die einfachsten Korbleger im Ziel unterbrachten.

Und sie fanden auch nichts, an das sie sich im Abwärtsstrudel klammern konnten. Keinen Spieler, der mit mutigen und gelungenen Aktionen voranging, auch wenn sich Carlos Medlock und Nicolai Simon darum bemühten, und auch keine Strukturen im Spiel, die Sicherheit verliehen. Die Löwen wirkten planlos, chaotisch und dann schnell verunsichert und hilflos. „Wir haben uns immer tiefer ins Loch reingegraben, die Schere ging immer weiter auseinander“, analysierte Trainer Frank Menz treffend, der mit seinen Auszeiten auch nichts daran ändern konnte.

Nahezu ohne Gegenwehr ging es immer weiter bergab, während die Oberfrankenhalle das begeisternde Heimteam ausgelassen feierte. Kurz vor Schluss waren es beim 41:96 sogar 55 Zähler Differenz – mehr als ein Klassenunterschied.

Lediglich Geoffrey Groselle, der mit Abstand beste Braunschweiger, zeigte noch Emotionen und wehrte sich verbissen. Topscorer Dyshawn Pierre war überhaupt nicht zu sehen, Hoffnungsträger Thomas Klepeisz auch nicht.

Auch wenn Menz die „sehr beeindruckende Leistung“ und das „sehr hohe Niveau“ der Bayreuther lobte, seine Mannschaft hatte den Gegner selbst starkgemacht. Mit allzu naiven Angriffen, bei denen die Pässe nicht druckvoll genug waren oder der Passweg schon zum Gegenspieler „durchtelefoniert“ wurde, fingen sie sich nach Ballverlusten Schnellangriffe der Bayreuther ein, die sich damit in einen Rausch rannten. Auch wurde viel zu schlafmützig in den Rückwärtsgang geschaltet, was die Gastgeber zu einer starken Dreierquote von 44 Prozent nutzten.

Die konsternierten Löwen hingegen, die sich auch unter dem Korb den Schneid abkaufen ließen, blickten auf eine klägliche und nicht ligataugliche Offensivleistung: 32 Prozent Trefferquote aus dem Zweipunktebereich – da waren sie sogar von der Dreierlinie besser – und wieder 21 Ballverluste. Dazu kamen 16 Rebounds mehr für Bayreuth – „das Ergebnis war so deutlich wie das Spiel“, bilanzierte Korner treffend.

Auf Menz wartet viel Arbeit bis zum Heimspiel gegen Tübingen am nächsten Samstag. „Wenn wir ein gutes Team sind, stehen wir wieder auf“, sagte er. Die Mannschaft sei auf das Ziel Klassenerhalt fokussiert und wisse, dass sie dafür bis zum 34. Spieltag hart kämpfen müsse. „Um diese Niederlage abzuschütteln, brauchen wir aber sicher die ganze Woche.“

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