Jamal Boykin: „Einmal gegen Barack Obama spielen“

Braunschweig  Der Löwen-Profi ist begeisterter Hobby-Künstler. Er hat den Ex-US-Präsidenten porträtiert und träumt davon, mit ihm auf dem Basketballfeld zu stehen.

Jamal Boykin zeigt eine Zeichnung von Michael Jordan und Kobe Bryant.aus seiner jüngsten Serie , die er in Japan elektronisch gemalt hat.

Foto: Berndt

Jamal Boykin zeigt eine Zeichnung von Michael Jordan und Kobe Bryant.aus seiner jüngsten Serie , die er in Japan elektronisch gemalt hat. Foto: Berndt

Was er später mal werden will, hat Jamal Boykin schon als Kind gewusst. Nein, nicht Basketballer. „Ich wollte immer Künstler werden. Wenn ich als Kind gemalt habe, hat man mich kaum aus dem Haus bekommen“, erzählt der Löwen-Profi aus Los Angeles. Heute freut er sich, seinem Hobby treu geblieben zu sein und sogar seine Frau Isri Lara angesteckt zu haben. „Ich habe manchmal sechs, acht Stunden am Tag gemalt, und sie hat mir immer zugeschaut, bis sie es selbst auch versucht hat.“

Inzwischen hat die Holländerin, die er bei seinem Engagement in der Saison 2012/13 in Groningen kennengelernt hatte, sogar eine Firma gegründet. Das Ex-Model zeichnet Grußkarten auf Bestellung sowie Bilder und vertreibt sie übers Internet. „Ich bin stolz auf sie“, sagt Boykin. „Es ist oft schwer für Partnerinnen, die mit den Basketball-Profis um die Welt reisen, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln – und sie hat nun sogar ihr eigenes Business.“

Seine Werke gibt es noch nicht über die Homepage seiner Frau zu kaufen. Dafür zeigt er uns beim Treffen in seiner Wohnung einen Fernsehbeitrag über sich und seine „Obama-Kollektion“, der in mehreren US-Sportsendern gelaufen ist. Als der heute 29 Jahre alte Profi noch am College in Berkeley spielte, hat er 44 Porträts des damaligen US-Präsidenten entworfen. Als Grundlagen dienten Fotos aus Illustrierten, von denen Boykin eine Hälfte übernahm und die andere per Bleistift ergänzte.

Beim Aufwärmen vor einem Spiel habe ihn dann Michelle Obamas Bruder Craig Robinson angesprochen, der Trainer beim Team von Oregon State war. „Er hatte meine Zeichnungen im Fernsehen gesehen“, erzählt der Neu-Braunschweiger, dessen großer Traum damit genährt wurde: Einmal mit Barack Obama auf Korbjagd gehen. „Er hat jeden Dienstag im Weißen Haus Basketball gespielt“, erzählt Boykin. „Ich hatte die Vision, meine Zeichnungen auch in Washington auszustellen, ihn einzuladen und dann gegen ihn Basketball zu spielen.“

Doch es kam anderes. Zwar hatten Kunstagenten bei ihm angefragt, doch die Collegeliga NCAA verbot ihm, seine Werke irgendwie zu vermarkten. Ihre Athleten dürfen keine Verträge unterzeichnen oder kommerziell tätig werden. So durfte Boykin nur in Berkeley ausstellen und kam auch nicht mit Obama in Kontakt. „Im Nachhinein betrachtet, waren meine Ambitionen wohl zu groß“, räumt er ein. „Ich hätte Obama einfach ein Bild schicken sollen, um auf mich aufmerksam zu machen – aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät, jetzt hat er ja viel Zeit.“

Er sei definitiv ein großer Obama-Fan, sagt der Basketballer, der Geschichte studiert hat. Er beurteile Männer auch danach, wie sie ihre Frauen respektierten. „Und da ist er beispielhaft und repräsentiert unsere Gesellschaft hervorragend.“ Klar, dass Boykin mit dem neuen US-Präsidenten weniger zufrieden ist. „Aber ich wünsche Trump nichts Böses“, betont er. Er sei ein optimistischer Mensch, hoffe, dass auch von dessen Amtszeit Positives bleibe. „Aber er verkörpert unser Land sicher nicht so gut wie Obama.“

Auch während seiner Profizeit, die ihn in die Türkei, die Ukraine, nach Zypern, Holland, Neuseeland, in die BBL und nach Japan führte, hat die Malerei Boykin fasziniert. „Ich konnte stundenlang bis morgens um drei zeichnen, ohne etwas zu essen oder zu trinken – weil für mich die Zeit wie im Flug verging“, erzählt er.

Malen sei ein guter Gegenpol zum Profisport, findet er. „Auf dem Parkett bin ich aggressiv, voller Energie, enthusiastisch, hyperaktiv – beim Malen bin ich stundenlang völlig ruhig und stecke in einer ganz anderen Art von Konzentration“, erläutert er. „So kann ich beide Gehirnhälften trainieren.“

Zuletzt ist er aufs Computermalen umgestiegen, skizziert über ein Zeichenprogramm direkt auf dem Tablet seine Bilder. „Eigentlich habe ich das gehasst, aber inzwischen sehe ich die Vorzüge“, sagt er. Man spare sich den Verbrauch unzähliger Stifte, Tuschen, Leinwände. „Jetzt kann ich im Bus auf den Auswärtsfahrten malen, das ist doch ein toller Zeitvertreib“, schwärmt er und zeigt auf dem Tablet Porträts einiger NBA-Stars, die im Herbst in Japan entstanden sind. „Dort haben wir ja bis zu zehn Stunden im Bus gesessen.“

Seit er in Braunschweig ist, seit Weihnachten, habe er allerdings kaum gemalt. Boykin siegt es als Riesenglück an, dass er bei den Löwen nochmal eine Chance bekommen hat, BBL zu spielen, obwohl er im ersten Anlauf 2013 durch den Medizincheck gefallen war. Da wolle er sich momentan ganz auf Basketball und die Mission Klassenerhalt konzentrieren, betont er – und auf seine Vaterrolle vorbereiten. Denn im Juni erwarten Jamal und Isri Lara Boykin ein Baby.

Ein kleines Kunst-Projekt kann er sich allerdings auch in der Löwenstadt noch vorstellen. In seiner BBL-Saison in Göttingen 2014/15 hatte er die Gesichter seiner Teamkollegen gezeichnet, auf ein T-Shirt drucken lassen und für einen guten Zweck verkauft. „Da ist eine Menge Geld zusammengekommen, das war cool, vielleicht mache ich das hier auch.“

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