Carlos Medlock vermisst seine Familie

Braunschweig  Sportlich läuft es aber, der Regisseur der Braunschweiger Basketballer hat sein Spiel auf ein neues Niveau gehoben.

Carlos Medlock allein vor der Braunschweiger Schlossfassade: Zum Leidwesen des 29-Jährigen ist seine Familie wieder abgereist.

Foto: Peter Sierigk

Carlos Medlock allein vor der Braunschweiger Schlossfassade: Zum Leidwesen des 29-Jährigen ist seine Familie wieder abgereist. Foto: Peter Sierigk

Eigentlich könnte Carlos Medlock derzeit sehr zufrieden sein. Der Spielmacher der Löwen ist richtig in der Bundesliga angekommen. Allerdings trübt seine private Situation das Glück des Basketball-Profis. Er lebt seit einigen Wochen allein in Braunschweig, da seine Frau Mika mit dem neunjährigen Sohn CJ und der dreijährigen Tochter Morgan wieder heim nach Detroit gereist ist. „Ich vermisse sie sehr“, gibt Medlock zu. Vor zwei Jahren in Würzburg lebte die Familie komplett bei ihm, vergangene Saison in Vechta zumindest sein Sohn. „Da waren die Wege zwischen Schule, Wohnung und Halle so kurz, dass ich das gut unter einen Hut bekommen habe“, erzählt der Amerikaner.

In Braunschweig wollte seine Frau bei ihm sein, aber endlich auch auf eigenen Beinen stehen und arbeiten. Im Sommer hatte sie ihre Ausbildung zur Friseurin in den USA abgeschlossen und hoffte, hier eine Anstellung zu finden. „Das hat wegen der Sprachbarriere leider nicht geklappt, Mika spricht kein Deutsch“, bedauert Medlock. Daraufhin sei sie wieder in die Heimat geflogen, um dort zu arbeiten. „Für sie ist das so das Beste, und ich will natürlich das Beste für sie“, sagt der Ehemann. „Schließlich kann ich ja auch meinem Beruf nachgehen, der mir Spaß macht.“

Zuletzt sicher noch mehr als zu Saisonbeginn. Denn in den ersten Wochen ließ Medlocks Leistung durchaus Zweifel aufkommen, ob er nach drei Jahren in der ProA den Leistungssprung in die BBL schafft. Er traf schlecht, leistete sich zu viele Ballverluste und konnte in der Verteidigung kaum einen Gegenspieler stoppen.

Inzwischen sieht das anders aus. Fünf Vorlagen bei nur einem Ballverlust – seine jüngste Bilanz in Jena zeigt den Trend auf. Vor allem aber hält er die Löwen seit Wochen mit seiner Treffsicherheit auch in schlechten Phasen im Spiel.

In Zahlen: Bis November kam Medlock auf eine Trefferquote von 38 Prozent, seit Dezember trifft er starke 53 Prozent seiner Würfe. Bei den Dreiern ist die Steigerung noch deutlicher: 33 Prozent verwandelte der Spielmacher bis November und seither sensationelle 56 Prozent – womit er mit an der Liga-Spitze liegt.

„Mein Selbstvertrauen ist jetzt größer, weil wir auch als Team konkurrenzfähiger geworden sind“, erklärt er den Aufschwung. Außerdem verstehe er die Liga besser. „Ich weiß jetzt, wann ich aggressiv sein muss und wann nicht. Anfangs wollte ich zu viel erzwingen, jetzt kann ich das Spiel auch mal auf mich zukommen lassen und nehmen, was es mir gibt.“

Genauso wichtig sind seine Fortschritte in der Defensive. „Die Verteidigung habe ich früher nie so ernst genommen“, räumt Medlock ein, „das ist traurig zu sagen, aber es ist wahr.“ Zudem habe er erst lernen müssen, dass er auf BBL-Niveau nur Leistung bringen kann, wenn er es auch jeden Tag im Training tut.

Inzwischen übt er mächtig Druck auf die gegnerischen Aufbauspieler aus und bleibt kaum noch in den Blöcken hängen. „Er hält seine Leute und ist damit der effektivste unserer Aufbauspieler“, lobt Trainer Frank Menz. „Und das Wichtigste ist, dass er viel weniger Fehler macht.“

Auch das ist seinem Regisseur in der höheren Liga angesichts der anfänglichen üblen Pleiten schmerzhaft aufgegangen: „In der BBL geht es deutlich kontrollierter zu als in der ProA, und wenn du einen Fehler machst, musst du dafür bezahlen.“

Der Trainer hatte auf Medlocks Leistungssteigerung gesetzt, war über ihr Tempo aber dann doch positiv überrascht: „Dass die jüngeren Spieler schnell Fortschritte machen würden, war klar. Aber Carlos` Entwicklung als knapp 30-Jähriger finde ich toll und beeindruckend.“

Und es soll noch besser gehen. Er wolle noch mehr als verbaler Anführer auf dem Feld agieren, seine Ballverluste minimieren und das Spielgeschehen besser lesen lernen, sagt Medlock. Sein Regisseur müsse in kritischen Phasen nicht nur Dreier treffen, sondern als Chef auch die Mitspieler starkmachen und das Tempo kontrollieren, wünscht sich Menz.

Medlock arbeitet daran. Und wie er sich die einsamen Stunden zwischendurch vertreibt, weiß er inzwischen auch. „Jamal Boykin hat mich angesteckt und mir gezeigt, wie man zeichnet und malt“, erzählt er stolz. Schade nur, dass er beim Familienbild, das derzeit in Arbeit ist, nun ein Foto als Vorlage nehmen muss.

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