Löwen: Als Achter den Ersten rauswerfen? Klar geht das!

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer haben so einen Play-off-Coup 2010 schon mal geschafft. Eine kleine Chronik ihrer Play-off-Teilnahmen..

Trainer Ken Scalabroni gibt seinen Basketballern 2002 in ausverkaufter VW-Halle Anweisungen für das Gipfeltreffen mit Favorit Alba Berlin, den man im Halbfinale wiedertraf.

Trainer Ken Scalabroni gibt seinen Basketballern 2002 in ausverkaufter VW-Halle Anweisungen für das Gipfeltreffen mit Favorit Alba Berlin, den man im Halbfinale wiedertraf.

Foto: Flentje, Rudolf

Als Tabellenachter der Hauptrunde gegen den Ersten und amtierenden Meister zu spielen, ist eine sportlich attraktive, aber ergebnistechnisch normalerweise unbefriedigende Aufgabe. In ihrer Viertelfinal-Serie gegen den FC Bayern München scheinen die Löwen-Basketballer auf verlorenem Posten zu stehen. Dass der krasse Außenseiter in solch einem Duell aber nicht chancenlos sein muss, haben unter anderem die Braunschweiger selbst schon bewiesen.

In der Saison 2009/10 gelang ihnen das Kunststück, als Achter den Meister und Spitzenreiter Oldenburg im Viertelfinale sensationell rauszuwerfen. In den 28 Jahren Erstliga-Geschichte des Standorts haben Braunschweiger Teams bislang achtmal um den Titel mitgespielt, zuletzt vor sieben Jahren. Der größte Erfolg war 2003 die fünf Spiele dauernde Halbfinalserie gegen den späteren Meister Berlin.

Eine kleine Play-off-Chronik:

1992/93: Die SG Braunschweig wird an der Kult-Spielstätte Alte Waage mit den Stars Igor Miglineks, Stephen Arigbabu und Harald Stein Vierter der Bundesliga-Nordstaffel (14:18 Siege). Bei der Viertelfinal-Premiere unterliegt das Team von Trainer Lothar Stein gegen den Südmeister Bamberg um die späteren Braunschweiger Mike Jackel und Trainer Terry Schofield mit 0:2.

1996/97: Erstmals erreicht die SG Braunschweig unter der Regie von Bill Magarity die Play-offs der eingleisigen Bundesliga. Die Aushängeschilder des Hauptrundenachten (13:13 Siege) sind Mike Jackel, Scooter Barry, Doug Spradley und Oliver Braun. Die Viertelfinalserie gegen den späteren Meister Alba Berlin mit Wendell Alexis, Henning Harnisch, dem heutigen Bundestrainer Henrik Rödl und dem Ex-Braunschweiger Stephen Arigbabu geht glatt 0:4 verloren.

1997/98: Als Sechster (13:11 Siege) reicht es auch ein Jahr später wieder für die Meisterrunde. Braun, Jackel, Spradley und Barry sind geblieben, in Tom Sheehey kommt ein weiterer Leistungsträger hinzu. Dennoch heißt es im Viertelfinale gegen den Dritten Bamberg 1:4.

2000/01: Nach der Aufregung um die Metabox-Pleite, durch die in der nagelneuen VW-Halle beinahe gleich wieder die Lichter ausgehen, feiern die Braunschweiger in der zweiten Saisonhälfte mit neuem Personal eine fulminante Wiederauferstehung. Trainer Ken Scalabroni führt das vom Stadtsportbund übernommene Team mit dem ehemaligen NBA-Champion John Celestand und Robert Conley als Stars noch als Sechster (13:13 Siege) in die Play-offs. Es herrscht Aufbruchstimmung, regelmäßig kommen mehr als 6000 Fans. Im Viertelfinale verlieren die Braunschweiger 0:3 gegen Bonn.

2002/03: Es ist die erfolgreichste, mitreißendste, aufregendste Saison in Braunschweig. Von einer vergleichbar breiten Sympathie in der Region wird danach keine Mannschaft mehr getragen, mehrfach kommen 7000 Zuschauer. Die Stars sind Demond Mallet und Gordan Firic, deren Verletzungen für reichlich „Drama“ sorgen, sowie Pete Lisicky und Dan Earl. Scalabroni führt den Abstiegskandidaten des Vorjahres auf Rang drei nach der Hauptrunde (17:9).

Im Viertelfinale wird Oldenburg mit 3:1 bezwungen. Es folgt die spektakuläre Halbfinalserie gegen Berlin mit einem 90:82-Heimsieg in Spiel zwei und einem 81:78-Auswärtscoup in der Max-Schmeling-Halle zum 2:1. Doch im zweiten Heimspiel scheidet Firic verletzt aus, nach einer 15-Punkte-Führung geht das Spiel noch 69:80 verloren. Es folgt das Aus mit 71:77 in Berlin. Der heutige Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic trifft 50 Sekunden vor Schluss den „tödlichen“ Dreier.

2009/10: Nach sieben eher unspektakulären Jahren führt Trainer Sebastian Machowski die Phantoms auf Platz acht, mit einem Teambudget, das klar über dem heutigen der Löwen liegt. Es ist die bislang attraktivste Mannschaft der VW-Hallen-Zeit, der die aufstrebenden Nationalspieler Heiko Schaffartzik und Yassin Idbihi ein deutsches Gesicht geben. Der nachverpflichtete Euroleague-Champion Marcus Goree hebt das Team auf ein neues Niveau, das im Viertelfinale Geschichte schreibt und den Hauptrundenersten, Meister Oldenburg, aus dem Rennen wirft. Im zweiten Auswärtsspiel führt Schaffartzik das Team zum 2:1, dann gelingt vor 6100 Fans in der VW-Halle ein 78:76 zum 3:1. Im Halbfinale ist der spätere Meister Bamberg beim 0:3 eine Nummer zu groß.

2010/11: Das deutsche Top-Duo ist nicht zu halten. Goree bleibt jedoch, und in LaMarr Greer kommt ein weiterer starker Anführer. Das Machowski-Team wird Fünfter nach der Punktrunde (20:14 Siege). Im Viertelfinale gegen Quakenbrück gelingt ein 79:64 im Artland zum 2:1, aber zu Hause unterliegen die Braunschweiger 75:77 und sind in Spiel fünf ohne den verletzten Greer beim 69:99 chancenlos.

2011/12: Die Sensation: Ligastar Immanuel McElroy kommt vom Spitzenteam Alba Berlin. Reibung und Impulse steuern in einer Saison voller Verletzungsprobleme die Eigengewächse und heutigen NBA-Profis Dennis Schröder und Daniel Theis bei, die vehement auf Spielzeit drängen. Das Team wird im dritten und letzten Machowski-Jahr Siebter (18:16 Siege). Doch im Viertelfinale ist gegen den Zweiten Ulm beim 0:3 die Luft raus.

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