Basketball Löwen schnuppern erneut an Sensation gegen München

München.  Die Löwen liegen im 3. Viertelfinale in München bis drei Minuten vor Schluss gleichauf.

Hätte er nur zuletzt auch so gespielt: Nach zwei schwachen Auftritten drehte gestern Brayon Blake, hier beim Foul gegen Vladimir Lucic, mal wieder auf und kam auf 16 Punkte/8 Rebounds.

Hätte er nur zuletzt auch so gespielt: Nach zwei schwachen Auftritten drehte gestern Brayon Blake, hier beim Foul gegen Vladimir Lucic, mal wieder auf und kam auf 16 Punkte/8 Rebounds.

Foto: Jan Huebner/Eduard Martinvia www.imago-images.de / imago images / Jan Huebner

Als gestern Abend die Schlusssirene ertönt war in der Münchner Arena und somit ihre Saison beendet, umarmten sich die Löwen-Profis auf dem Parkett innig. Und so lange, als müssten sie sich abstützen nach diesem neuerlichen wundersamen Kraftakt nach dem Muster der ersten beiden Begegnungen der Viertelfinal-Serie: Wieder hinten gelegen in der ersten Hälfte, diesmal mit 17 Punkten, wieder herausragend aufgeholt, sogar in Führung gegangen im dritten Viertel – und dann doch der K.o., den man erwarten musste gegen ein Bayern-Starensemble, das individuell auf jeder Position besser und doppelt gut besetzt ist.

Das Beeindruckende: Je schwerer die Ausgangslage in dieser Viertelfinalserie wurde, desto trotziger und großartiger spielten Braunschweigs Basketballer auf. Beim gestrigen respektablen 77:87 (40:42) fehlten nicht nur die Stars Scott Eatherton und DeAndre Lansdowne von Beginn an, sondern das Team hatte neben der zweiten Partie auch noch die achtstündige Busfahrt vom Samstag in den Knochen, während die Bayern noch am Freitagabend flugs von Waggum aus heimgeflogen waren.

Sengfelder wird Löwen-Topscorer

„Aber wir wollten uns nicht geschlagen geben, und nur weil das die Bayern sind und wir 0:2 hinten lagen, den Sieg auf dem Silbertablett übergeben“, sagte Chris Sengfelder, der erneut Topscorer der Löwen war. „Die mussten sich das Spiel schon holen.“

Auch Trainer Frank Menz hob die Willensstärke seiner Mannschaft hervor. „Wir wollten so abschließen, wie wir die gesamte Saison gespielt haben und wollten hier heute auf keinen Fall eingehen.“

Nachdem die Bayern abermals dank einer herausragenden Dreierquote von sieben Treffern bei neun Versuchen 28:11 (9.) in Führung gegangen waren, arbeiteten sich die Löwen im zweiten Viertel mit verbesserter Verteidigung heran. Angetrieben von Spielmacher Joe Rahon, der sein Team klasse dirigierte und erfolgreich zum Korb zog, Sengfelder, der unter den Körben ackerte, allerdings nach mehreren Offensivrebounds im Abschluss Pech hatte, Brayon Blake, der endlich mal mit ordentlicher Quote den Korb traf und Dennis Nawrocki, der auch drei Dreier versenkte, waren die Löwen nach einer Viertelstunde schon fast gleichauf, zur Halbzeit dran und gingen durch drei Freiwurftreffer des ebenfalls starken Shaquille Hines nach 26 Minuten mit 59:61 in Führung.

Es blieb eng gegen Meister München

Nun blieb es eng. Der Meister setzte sich mehrfach etwas ab, die Löwen holten stets wieder auf. Beim 75:74 (35.) flehte der Hallensprecher die Zuschauer um mehr Unterstützung für das Starensemble an: „Wir brauchen euch alle“. Blake versenkte einen Dreier zum 77:77. Doch damit war das Pulver verschossen. Der Favorit zog nach einer Auszeit die Schrauben in der Defensive für die letzten 4:31 Minuten nochmal an, und den Löwen ging im Endspurt die Kraft aus.

Wie viel Respekt man bei den Bayern für die Leistung der Löwen über alle drei Duelle hatte, zeigte die Geste von FCBB-Geschäftsführer Volker Stix. Er ließ zwei Kisten Bier in die Kabine der Braunschweiger bringen und empfing deren Coaches und Geschäftsführer Sebastian Schmidt mit einem Tablett frisch gezapfter Pils im Kabinengang und stieß mit ihnen an.

„Das 0:3 sieht klar aus, aber wir haben es geschafft, drei Spiele fast auf einem Niveau mit den Bayern zu spielen und waren immer dran“, resümierte Menz zufrieden. „Wenn man sieht, dass wir hier trotz unserer Personalprobleme auf Augenhöhe waren, hätten wir es verdient gehabt, einen Sieg zu schaffen.“

Menz ist zum Abschied zufrieden

Wie die Energieleistung im Spiel drei möglich war? „Wir haben nicht mehr trainiert seit Freitag“, erläuterte der nach Jena wechselnde Coach voller Stolz auf seine Mannschaft. „Wir waren spazieren, haben Stretching gemacht, ruhige Musik gehört und gut gegessen. Aber jedes Wurftraining wäre schon zu viel gewesen.“ Der Auftritt seiner Löwen zeige, „wie eng das Team zusammen ist, und was man dann erreichen kann auch gegen individuell viel bessere Gegner: Das kann man in jedes Psychologiebuch schreiben.“

Bayern — Löwen 87:77 (42:40)

Viertel:28:16, 14:24, 28:26, 17:11.

Löwen: Sengfelder 18 (43%, 2/4 Dreier, 4/4 Freiwürfe, 6 Rebounds), Hines 17 (27%, 4/9 Dreier, 11 Rebounds, 5/7 Freiwürfe, 3 Ballverluste), Blake 16 (46%, 3/7 Dreier, 8 Rebounds), Nawrocki 9 (75%, 3/4 Dreier, 1 Rebound), Rahon 9 (44%, 8 Vorlagen, 3 Ballverluste), Klepeisz 6 (25%, 6 Vorlagen), Lagerpusch 2 (2/2 Freiwürfe, 1 Rebound), Figge (1 Rebound).

Bayern: Barthel 16 (87%, 6 Rebounds, 3 Vorlagen), Koponen 15 (83%, 5/5 Dreier, 3 Rebounds, 3 Vorlagen), Lo 11 (44%, 4 Vorlagen), Booker 11 (56%, 7 Rebounds), Djedovic 8, Williams 8, Dangubic 7, Lucic 7 (7 Rebounds), Hobbs 4, King, Radosevic.

Zuschauer: 5419

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