Löwen binden Trainer Pete Stroble für zwei Jahre

Braunschweig.  Am Donnerstag stellten die Braunschweiger Basketballer Amerikaner mit österreichischem Pass als neuen Headcoach vor. Zuvor war er Assistent in Ulm.

Der Menz-Nachfolger als Löwen-Chefcoach: Hier gibt Pete Strobl noch als Assistent Ulms Basketballern Anweisungen.

Der Menz-Nachfolger als Löwen-Chefcoach: Hier gibt Pete Strobl noch als Assistent Ulms Basketballern Anweisungen.

Foto: imago images / Nordphoto

Auf diese Personalie haben Fans wie Spieler der Braunschweiger Basketballer schon ungeduldig gewartet: Eineinhalb Wochen nach ihrem Saisonende präsentieren die Löwen am Donnerstag ihren neuen Cheftrainer. Der neue Mann an der Seitenlinie heißt Pete Strobl – ein Amerikaner mit österreichischem Pass, der zuletzt drei Jahre lang als Assistenztrainer beim Liga-Rivalen Ulm gearbeitet hat. Der 41-Jährige unterschreibt einen Vertrag für zwei Jahre, der eine Option für eine dritte Spielzeit enthält.

Harte Verteidigung und schnelles, aggressives Spiel will der neue Löwen-Trainer von seinem Team sehen, kündigte er bei seiner offiziellen Vorstellung an. Solch einen Spielstil etablierte auch Frank Menz in den vergangenen drei Jahren bei den Löwen. Strobl schickt sich also an, auf dieser Basis aufzubauen.

Eine Doppelfunktion ist für Strobl nicht vorgesehen; er soll nur als Trainer fungieren. Den Posten des Sportdirektors übernimmt Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt – vorerst. Schmidt betonte, dass auch dieses Amt mittelfristig neu besetzt wird. Strobl-Vorgänger Menz hatte beide Positionen in Personalunion bekleidet.

Bevor er die Basketballschuhe gegen das Taktikbrett eintauschte, war der 2,06 Meter große Flügelspieler aus Kalifornien neun Jahre lang als Profi vor allem in Österreich, aber kurzzeitig auch in zweiten deutschen Liga beim TV Lich sowie in Frankreich, Island, Irland und der Schweiz aktiv. 2009 gründete er in Pittsburgh eine Basketballschule.

Aus dem von Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt formulierten Anforderungsprofil für den Nachfolger von Erfolgscoach Frank Menz erfüllt Strobl einige Aspekte: Er kennt die BBL sehr gut, er spricht fließend Deutsch, und vor allem liegt ihm die Entwicklung von Spielern am Herzen. In Ulm war er an der Seite von Cheftrainer Torsten Leibenath für die individuelle Arbeit mit den Profis, aber auch mit den Perspektivspielern zuständig. Er könne ihnen helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen und ihre Ziele zu erreichen, formuliert Strobl eine seiner Qualitäten ganz ähnlich wie es Menz bei seinem Amtsantritt getan hatte.

Als Cheftrainer hat Strobl allerdings noch nie gearbeitet, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die alle bereits Erfahrung im Führen von Profiteams hatten, als sie in Braunschweig unterschrieben. Die Löwen gehen also wohl ein gewisses Risiko ein. „Ich habe das Level erreicht, auf dem ich weiß, dass ich Cheftrainer sein kann“, lässt sich Strobl derweil selbstbewusst auf dem Internetportal „Eurobasket.com“ zitieren. Er verlasse Ulm, wo er sich mit seiner Frau und den vier Kindern sehr wohl gefühlt habe, um eine neue Herausforderung anzunehmen. „Ich traue mir zu, ein Team zu führen und die wichtigen Entscheidungen zu treffen, die einer Mannschaft Erfolg bringen.“

Und er bringt auch gleich die Namen anderer Assistenz-Coaches ins Spiel, die ihm als Vorbild dienen können. So war der BBL-Coach des Jahres, Vechtas Pedro Calles, im Vorjahr noch als Co-Trainer beim Aufsteiger tätig. Auch Bonns Chris O’Shea und Bambergs Federico Perego übernahmen ihre Teams im Laufe der Saison und rechtfertigten ihre Beförderung mit guter Arbeit.

Der neue Löwen-Trainer traut sich Ähnliches zu und hat große Pläne: Er wolle mit seinem Wunsch nicht hinter dem Berg halten, einer der besten Entwicklungstrainer der Welt zu sein, sagte er „Eurobasket“.

Da der Trainer nun gefunden ist, könnte es auch bei den Spieler-Verhandlungen voran gehen. Spielmacher Thomas Klepeisz und Center-Allstar Scott Eatherton, die bereits ihre Verträge bei den Löwen verlängert hatten, hoffen, dabei mithelfen zu können. „Wir versuchen, das Team zusammenzuhalten“, verriet Kapitän Klepeisz bei der Abschiedsparty. „Alle Jungs wissen, dass sie möglichst wiederkommen sollen.“

Das gilt ganz besonders für Chris Sengfelder. „Wir versuchen alles, um ihn zu halten“, sagt Geschäftsführer Schmidt und bestätigt, dass die Löwen ihren Etat wie erhofft erhöhen und eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen würden. Mit dem Angebot für den 24 Jahre alten Nationalspieler gehe man „finanziell absolut an die Grenze“. „Chris weiß, was er an uns hat und dass er auf der Position vier als Starter gesetzt wäre und wir ihm keinen Ami vor die Nase setzen würden“, sagte Schmidt. „Aber wir müssen auch respektieren, wenn er ein besseres Angebot bekommt und annimmt.“

Ein neues Problem, mit dem die Löwen und ihr neuer Cheftrainer nächste Saison umgehen müssen, ist der Wegfall ihres Farmteams. Nach dem Abstieg aus der ProB haben die Herzöge Wolfenbüttel ihr Regionalliga-Startrecht nach Hannover verkauft. Und auch Plan B, dass der Großverein MTV Wolfenbüttel in die Regionalliga aufsteigt und den Doppellizenzlern der Löwen Spielpraxis gibt, ist gescheitert. „Um in der Regionalliga oben mitzuspielen braucht man fast ein Pro-B-Budget“, begründet Schmidt, dies sei auf die Schnelle auch mit vereinten Kräften nicht finanzierbar.

Für die Löwen bedeutet dies vorübergehend wohl das Ende des bisherigen Fördersystems mit Doppellizenz-Spielern. Man müsse also Talente mit A-Kader-Perspektive nach Braunschweig holen, die so gut sind, dass sie direkt in der BBL mitmischen können, plant der Geschäftsführer.

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