Löwen-Coach Strobl: „Spielen wie Alba Berlin – aber besser“

Braunschweig.  Braunschweigs Basketballer setzen sich mit ihrem neuen amerikanisch-österreichischen Cheftrainer gleich hohe Ziele und geben die Play-offs vor.

Sie wollen den nächsten Angriff auf die Play-offs starten: (von links) Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt, Trainer Pete Strobl und die Aufsichtsrats-Chefs Paul Anfang und Michael Reinhart.

Sie wollen den nächsten Angriff auf die Play-offs starten: (von links) Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt, Trainer Pete Strobl und die Aufsichtsrats-Chefs Paul Anfang und Michael Reinhart.

Foto: Peter Sierigk

Wer nach dem österreichischen Kaiser benannt wird, hat das Selbstvertrauen schon in die Wiege gelegt bekommen. Und so tritt Pete Strobl auch auf. „Die Familie meines Vaters stammt aus Salzburg, und er hat mir meinen Namen nach dem letzten Kaiser gegeben“, erläutert der neue Trainer der Braunschweiger Basketballer, der mit vollem Namen Peter Franz Joseph Strobl heißt.

Als er am Donnerstag bei den Löwen vorgestellt wird, lässt der gebürtige Amerikaner jedenfalls keinen Zweifel daran, dass er sich die neue Aufgabe allemal zutraut, auch wenn er noch keine Erfahrung als Cheftrainer mitbringt. Drei Jahre lang arbeitete der 41-Jährige zuletzt als Assistent von Thorsten Leibenath beim Liga-Konkurrenten Ulm und hatte zuvor eine Basketball-Schule in den USA aufgebaut. Nun hat er für zwei Jahre plus Option auf ein drittes in Braunschweig unterschrieben.

„Basketball ist Basketball. Ich liebe es, mit Leuten zu arbeiten und Spieler zu leiten“, argumentiert Strobl in eigener Sache. „Ich glaube, ich kann sie gut motivieren und ihnen erklären was ich will.“ Zudem wolle er junge Talente dafür begeistern, nach Braunschweig zu kommen und den nächsten Dennis Schröder finden.

„Wir haben in erster Linie einen Trainer gesucht, der Spieler weiterentwickeln kann“, sagt Geschäftsführer Sebastian Schmidt. „Und ich denke, wir haben den idealen Kandidaten gefunden.“ Denn Strobl erfülle auch die anderen Kriterien des Anforderungsprofils, er sei offen und kommunikativ und werde da nahtlos an die Arbeit seines Vorgängers Frank Menz anknüpfen.

Das gelte auch für die Spielphilosophie, sagt Schmidt, der Menz’ Part als Sportdirektor selbst übernimmt, bis irgendwann ein neuer Mann für diese Position eingestellt werden könne. Es sei wichtig gewesen, einen Trainer zu holen, mit dem die eingeschlagene Linie mit physischem, schnellem, attraktivem Basketball weitergeführt werden könne, „und nicht einen Trainer, der uns einen anderen Stempel aufdrückt.“

Passend dazu sagte Strobl, sein bevorzugter Stil sei von harter Verteidigung, Aggressivität und Kampfbereitschaft geprägt. Und in der Offensive wolle er Akteure, die ein Spiel lesen und als Mannschaft intuitiv handeln könnten und nicht nur feste Systeme abspulen. Ob er den Stil von Alba Berlin spielen lasse wolle? Ja, sagt Strobl und lacht: „Aber besser.“

Mit der Verpflichtung des Amerikaners ist es offensichtlich vorbei mit der Bescheidenheit bei den Löwen. „Wir wollten einen Trainer, der sagt, wir greifen an“, betont Schmidt.

Aufsichtsratschef Paul Anfang lobt, Strobl sei „ein cooler Typ, der zu uns passt“. Man wolle auf die phänomenale Saison aufbauen, erneut auf Teamgeist in allen Bereichen setzen, diesmal gleich die Play-offs als Ziel vorgeben und in der Jugendarbeit wieder zu einem Vorzeigestandort in Deutschland werden.

Die Verpflichtung des unerfahrenen Coaches sei kein Risiko, davon sei er fest überzeugt, betont Schmidt. „Wir haben mit Spielern gesprochen, die ihn kennen und einschätzen können, ob er die Eigenschaften für einen Headcoach mitbringt. Wir haben gesehen, wie seine Ansprache ist, wie er die Dinge angeht.“

Dass Strobl über das nötige Know-how verfüge, habe er gezeigt, auch die Löwen-Leistungsträger Thomas Klepeisz und Scott Eatherton seien eingeweiht und freuten sich. „Das Gefühl, dass Pete es kann, ist da“, sagt Schmidt. Von seinen Führungsqualitäten sind wir absolut überzeugt – und dann muss so ein Mann auch mal eine Chance bekommen.“

Kommentar

Neuer Mut, großes Risiko

Bei seinem ersten Auftritt als Löwen-Trainer hat Pete Strobl den Eindruck eines kompetenten, sehr kommunikativen Fachmanns hinterlassen. Dennoch erstaunt die Personalie. Dass Braunschweigs Basketballer die Schlüsselposition mit einem Mann besetzen, der noch nie als Cheftrainer gearbeitet hat, ist ein Risiko. Ein Headcoach muss völlig andere Anforderungen erfüllen als ein Assistent. Dass Strobl diese Führungsrolle begehrt, hat er deutlich gemacht. Dass er es gleich besser machen will als Trainerlegende Aito in Berlin, zeigt sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Aber er muss erstmal liefern.

Tut er es, dürfen sich die Löwen feiern lassen. Nach drei Jahren des fundierten Understatements von Frank Menz überraschen sie nun mit mutigen Parolen wie den Play-offs als feste Zielvorgabe. Wahrscheinlich muss man das so machen, wenn man einen Namenssponsor sucht, der ein bis zwei Millionen Euro zahlen soll. Nur wenn er gefunden wird, ist der angekündigte nächste Schritt realistisch.

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