Sind Braunschweigs Basketballer wirklich so stark?

Braunschweig.  Kapitän Tommy Klepeisz und Co. geben sich bei der Bewertung ihrer Auftaktsiege noch abwartend. Viel Potenzial haben die Löwen jedenfalls schon gezeigt.

Hebt nur fürs Werfen ab: Kapitän Thomas Klepeisz mahnt, das Team dürfe sich auf den Top-Start nichts einbilden.

Hebt nur fürs Werfen ab: Kapitän Thomas Klepeisz mahnt, das Team dürfe sich auf den Top-Start nichts einbilden.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Drei Spiele, drei Siege gegen Bundesliga-Rivalen, die ihrerseits auch schon gewonnen haben, also kein „Fallobst“ sind – das ist die starke Auftaktbilanz der Braunschweiger Basketballer. Am Freitag reisen sie zum Gastspiel zu Meister Bayern München, auf dem Papier das Spitzenspiel Erster gegen Dritter. Ist die tolle Frühform der Löwen etwa schon ein Fingerzeig für die Saison?

„Nee, darauf dürfen wir uns noch nichts einbilden“, betont Kapitän Thomas Klepeisz. „Es war ein guter Start, mehr aber noch nicht“, sagt er und verweist auf das Vorjahr. Damals hatten beispielsweise die später gegen den Abstieg ankämpfenden Göttinger mit 5:1-Siegen stark begonnen, während die Löwen mit fünf Niederlagen gestartet waren und noch die Play-offs erreichten. Auch der spätere Halbfinalist Vechta hatte wie in dieser Saison zunächst drei Niederlagen kassiert.

„Wichtig ist, dass wir am Boden bleiben und hart weiterarbeiten“, mahnt auch Trainer Pete Strobl. Und selbst Youngster Kostja Mushidi hat offensichtlich keine Flausen im Kopf: „Wir sollten noch nicht so hochfliegen“, sagte er.

In den ersten Wochen des BBL-Geschehens lassen sich eben schwerlich seriöse Prognosen anstellen. Dafür sind die Teams zu unterschiedlich weit in ihrer Vorbereitung gekommen. Zudem hat sich der eine oder andere Standort bei den Neuverpflichtungen vergriffen und korrigiert das schnell. So haben sich die Gießener bereits einen neuen Spielmacher geholt und die Göttinger einen Center – Schlüsselakteure, die möglicherweise ihr Team auf ein höheres Niveau heben können, wie es Regisseur Trevor Releford bei den Löwen getan hat.

„Wir müssen jedenfalls vieles noch besser machen“, fordert Tommy Klepeisz, sagt aber auch: „Wir haben das Potenzial dazu.“ Und das ist neben den Ergebnissen das erfreulichste Zwischenfazit aus den drei Auftritten des Strobl-Teams: dass sich eine Menge Steigerungsreserve bereits andeutet.

Der Trainer verteilt an zehn Profis relevante Spielzeit, die Löwen sind also durchaus etwas tiefer besetzt als im Vorjahr. Dabei hat Strobl sogar noch Center Lars Lagerpusch in der Hinterhand, der zuletzt nur auf der Bank schmorte. Zudem schenkt er Lukas Wank mit 17 Minuten sehr viel Vertrauensvorschuss für dessen Ausbildung zum startenden Spielmacher. Und drittens leisten sich die Braunschweiger in US-Flügel Henry Pwono einen Import-Profi, der zumindest bislang nicht viel bewegt hat, weil er das Tempo der BBL noch nicht mitgehen konnte. Von mehreren Positionen sollte also im Saisonverlauf noch deutlich mehr Leistung kommen können.

Auch spielerisch hat sich bereits angedeutet, wie der Weg der Mannschaft zum Saisonziel Play-offs aussehen könnte. Die neue Ausgeglichenheit hat sich ausgezahlt. „Wir konnten unser Energielevel konstant hochhalten“, hat Klepeisz in den ersten drei Begegnungen zufrieden festgestellt, dass der Ansatz mit der Aggressivität funktioniert.

Und Karim Jallow – für dessen starken Auftritt beim Triumph gegen Ulm Bundestrainer Henrik Rödl als Tribünengast sicherlich ein Ausrufezeichen in seine Nominierungsliste für das Nationalmannschaftsfenster im Februar gemacht haben dürfte – hat schon analysiert, wie das Spiel der Löwen aussehen muss, damit es erfolgreich bleibt: „In den Phasen, in denen wir sowohl solide verteidigt haben als auch kontrolliert angegriffen, waren wir unseren Gegnern überlegen und haben gut gescort“, sagte der 22-Jährige. „Auf dem guten Start wollen wir jetzt aufbauen.“

Der Gegner

Meister München hat zwei Tage vor dem BBL-Gastspiel der Braunschweiger die erste Saisonniederlage kassiert. In der Euroleague bissen sich die Bayern am Donnerstagabend bei Titelverteidiger ZSKA Moskau um den deutschen Nationalspieler Johannes Voigtmann beim 68:79 (40:47) an der starken Verteidigung des Gegners die Zähne aus. Ihr Auftakt-Heimspiel gegen Mailand hatten sie 78:64 gewonnen.

Bayern München – Braunschweig, Sonnabend, 20.30 Uhr, Dome

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