Schröder-Übernahme: Löwen-Geschäftsführer Schmidt muss wohl gehen

Braunschweig.  Als Alleingesellschafter dürfte der Braunschweiger die Löwen nach dem Streit hinter den Kulissen neu aufstellen. Der Geschäftsführer muss wohl gehen.

NBA-Spieler Dennis Schröder und Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt im Vorfeld der BBL-Partie zwischen den Basketball Löwen Braunschweig und Mitteldeutscher BC am 18. Februar 2018. Nach dem Streit hinter den Kulissen wird der neue Alleingesellschafter den Geschäftsführer wohl vom Hof jagen.

NBA-Spieler Dennis Schröder und Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt im Vorfeld der BBL-Partie zwischen den Basketball Löwen Braunschweig und Mitteldeutscher BC am 18. Februar 2018. Nach dem Streit hinter den Kulissen wird der neue Alleingesellschafter den Geschäftsführer wohl vom Hof jagen.

Foto: Florian Kleinschmidt / Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Es war ein bundesweit beachtetes Signal, als NBA-Star Dennis Schröder vor zwei Jahren als Hauptgesellschafter bei den Löwen einstieg, um, wie er sagte, seinem „Heimatklub etwas zurückzugeben.“ Diese in Deutschland einzigartige Bündelung der Kräfte klang vielversprechend. Aber als im vergangenen Jahr Animositäten zwischen handelnden Personen und ein Bruch im Nachwuchsbereich öffentlich wurden, war von Aufbruchstimmung nichts mehr zu spüren. Doch nun haben die Grabenkämpfe ein überraschendes Ende gefunden: Schröder wird alleiniger Herr im Haus.

Der NBA-Profi, der bislang 70 Prozent der Gesellschafteranteile an der Löwen-GmbH gehalten hatte, übernimmt ab 1. Juli 100 Prozent und befreit den Standort aus einem wirtschaftlichen Dilemma. Seine Co-Gesellschafter, BS Energy, die Öffentliche Versicherung und der Stadtsportbund ziehen sich aus der GmbH zurück.

Erste Personal-Entscheidungen bahnen sich wenige Tage nach der Übernahme bereits an. So muss Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt wohl seine Koffer packen. Auch bei Aufsichtsratschef Paul Anfang stehen die Zeichen auf Abschied.

Durch Schröders Einstieg scheint Lizenzierung für Löwen gesichert

Der Hintergrund: Nach dem Saisonabbruch aufgrund der Corona-Krise fehlen den Löwen Einnahmen aus sieben Heimspielen, was einen Verlust in Höhe einer mittleren sechsstelligen Euro-Summe bedeutet. Es drohte wohl beinahe eine Insolvenz. Ähnlich schlimm mit sieben beziehungsweise acht weggefallenen Heimspielen hat es nur noch die Standorte Berlin, Ludwigsburg, Frankfurt und Hamburg erwischt.

Bei den Braunschweigern hat dieses Etatloch aber offensichtlich die Erstliga-Zugehörigkeit für die nächste Saison gefährdet. Durch Schröders Einstieg sei nun die Teilnahme am Lizenzierungsverfahren sichergestellt, teilten die Löwen am Mittwoch mit.

Schröder stopft Etatloch der Löwen allein

Um die Existenz des Standorts zu retten, verkauften die anderen drei Löwen-Gesellschafter, BS Energy, Öffentliche Versicherung und Stadtsportbund, Schröder nach mehreren Verhandlungsrunden ihre Anteile nach Informationen unserer Zeitung zu einem symbolischen Preis. Dafür stopft Schröder, der mit einem Vierjahresvertrag über 70 Millionen Dollar einer der Top-Verdiener des Sports ist, das Etatloch und sorgt für Liquidität.

Als Großsponsoren erfüllen die bisherigen Co-Gesellschafter BS Energy und die Öffentliche sowie Hauptsponsor Volkswagen Financial Services ihre Verträge für die kommende Saison. Damit ist gewährleistet, dass die Löwen am Lizenzierungsverfahren teilnehmen können.

Schröder: „Sehr glücklich“

„Ich bin sehr glücklich, jetzt alleiniger Gesellschafter der Löwen zu werden“, sagte der Spielmacher der Nationalmannschaft, der immer schon betont hatte, dass er in Braunschweig nicht nur Geld geben, sondern auch mitbestimmen will. „Braunschweig ist meine Heimatstadt, ich möchte der Region etwas zurückgeben“, begründete er nun die Ausweitung seines Engagements. Bereits vor einigen Tagen hatte er auf Instagram ein Foto einer Art „Joker“-Figur gepostet, über dem stand „100% Braunschweiger Ownership“ – ein Bild, das allerdings schnell wieder entfernt wurde. Schröder bekräftigte jetzt nochmals seine Ambitionen, den Standort weiterzuentwickeln und zu einem Top-Klub in der Liga zu machen.

Als Alleingesellschafter trägt der Spielmacher der Nationalmannschaft nun die Verantwortung für die Löwen und kann deren Zukunft gestalten. Ob er einen Aufsichtsrat berufen will, was nicht nötig wäre, hat er noch nicht entschieden.

Löwen-Geschäftsführer Schmidt muss wohl die Koffer packen

Mit dessen Vorsitzenden Paul Anfang und Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt war der NBA-Star nach der Entlassung seines Mentors Liviu Calin durch die Löwen im vergangenen Sommer sogar öffentlich heftig aneinandergeraten. Ein Konflikt, der sich hinter den Kulissen verschärfte und auf den Nachwuchsbereich übergriff. Dort sind Schröder und Calin auch in der „Dennis Schröder Basketball Academy“ engagiert. Die möchte zusammen mit der SG Braunschweig und einem Förderverein Basisarbeit und Talententwicklung betreiben, konnte sich mit Geschäftsführer Schmidt aber nicht auf eine Kooperation einigen.

Hier dürfte es unter der Regie Schröders nun eine Neuausrichtung nach dem Motto „zurück zu den Wurzeln“ mit seinem Jugendklub SG geben. Schmidt, der stattdessen eine Zusammenarbeit mit Hannover anstrebte, wird nach Informationen unserer Zeitung seine Koffer packen müssen. Auf Nachfrage wollte der Geschäftsführer auch nicht drum herum reden: „Man kann ja nicht so naiv sein und glauben, dass alles so weitergeht“, sagte Schmidt. „Es werden Gespräche geführt, und dann wird man sehen.“ Sein Vertrag läuft noch bis 2022.

Auch die Worte von Aufsichtsratschef Anfang klangen nach Abschied: „Nach vielen Jahren Engagement liegt mir der Erhalt des Basketballstandorts Braunschweig besonders am Herzen“, sagte er. Die Existenzsicherung sei gelungen, hierfür danke er allen Beteiligten. Dem neuen Löwen-Besitzer, den er einst mit ins Boot geholt hatte, wünschte er „eine glückliche Hand, den Standort nachhaltig zu entwickeln.“

Meinung: Die Basketball-Löwen am Scheideweg

Mehr dazu: Dennis Schröders Einstieg bei den Basketball-Löwen – eine Chronik

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