So lebt Braunschweigs Top-Schwimmerin im Sport-Internat

Braunschweig.  Ein Leben im Takt von Schule und Sport. SSG-Schwimmerin Katharina Wrede erzählt über Training, TV-Abende und Bio-Produkte im Sportinternat.

Hier ist Sitzen ohne Maske erlaubt: Katharina Wrede an ihrem Schreibtisch im Sportinternat.

Hier ist Sitzen ohne Maske erlaubt: Katharina Wrede an ihrem Schreibtisch im Sportinternat.

Foto: privat

Es ist nicht leicht, mit Katharina Wrede ins Gespräch zu kommen. Nicht etwa, weil die Top-Schwimmerin der SSG Braunschweig so verschlossen wäre, im Gegenteil. Es ist vielmehr der eng getaktete Tagesplan der Leistungssportlerin, der nicht viel Raum für Termine lässt. Doch in den Herbstferien war zuletzt ein bisschen mehr Luft, und so kann die Braunschweigerin Einblicke gewähren in ihr Leben, das stetig zwischen zwei Polen pendelt: Schule und Sport. Seit gut zwei Jahren wohnt sie im Sportinternat am Olympiastützpunkt in Hannover und will in eineinhalb Jahren ihr Abitur machen.

Angefangen mit dem Lockdown hat sich das Leben verändert, auch und vor allem für die Internatsschüler. Das Gemeinschaftsleben liegt ziemlich brach. Die Fernsehabende in großer Runde im Gemeinschafts-Wohnzimmer? Ausgeknipst. Treffen in der Küche, um morgens und abends beim Essen zu klönen? Vorbei. Mittlerweile ist alles noch strikter getaktet, um größere Ansammlungen zu vermeiden.

Ohne Maske nur in den eigenen vier Wänden

„Außer im eigenen Zimmer müssen wir immer Maske tragen“, erzählt Katharina Wrede, die auch schon zwei Wochen in Quarantäne verbracht hat. Das Training läuft weiter, für die Braunschweigerin stellt sich nur eine Frage: Auf was trainiert sie hin?

Die deutschen Meisterschaften, von Frühjahr auf Ende Oktober verlegt, wurden jetzt erneut abgesagt. „Trainieren ohne Aussicht auf Wettkämpfe fällt schwer“, sagt Katharina Wrede, die jetzt vorrangig an ihrer Technik arbeiten will.

Das Internat nimmt Stress aus dem Alltag

Im Frühjahr 2018 hatte sich die Braunschweigerin nach einer Probewoche für das Internatsleben entschieden. Ihr vorheriger Alltag war zu sehr von Zeitdruck geprägt gewesen. Katharina Wrede wohnte bei ihren Eltern und zwei Brüdern in Salzgitter, ging in Wolfenbüttel aufs Gymnasium und trainierte täglich bei der SSG im Sportbad Heidberg. Irgendwann merkte sie, dass Schule und Leistungssport nicht mehr unter einen Hut zu kriegen sind. „Ich hatte immer größere Probleme mich zu konzentrieren“, erzählt die 18-Jährige. Nach der Schule sei sie oft direkt zum Training gebracht worden. Hausarbeiten und Lernen seien erst wieder abends ab 20 Uhr zu Hause möglich gewesen.

Das Internatsleben ist hingegen auf die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport abgestellt. Viel abverlangt wird der Schwimmerin hier indes auch. Acht bis zehn Wassereinheiten stehen für sie zwischen Montag und Samstag auf dem Programm. Hinzu kommen dreimal Krafttraining sowie Athletikübungen. Zwei- bis dreimal pro Woche geht es bereits von 7 bis 9 Uhr morgens ins Wasser. Danach steht von 9.45 Uhr bis 15.20 Uhr Schule auf dem Programm. Die Zeit zwischen 16 und 19 Uhr ist wieder für den Sport reserviert.

Abitur nach 14 Jahren

Zumindest abends heißt es dann oft: entspannen. Wobei auch dieser Zeitraum mit näher rückendem Abi zunehmend Hausaufgaben und Lernen gewidmet ist. Das Gute am Internat: Die Athleten haben hier ein „Streckungsjahr“, können ihr Abitur also erst nach 14 Schuljahren absolvieren.

Um Tätigkeiten wie Einkaufen brauchen sich die Schüler nicht zu kümmern, das erledigen die Angestellten der nahe dem Maschsee gelegenen Einrichtung. Aus verschiedenen Kühlschränken in der Küche werden ihnen auf Wunsch entsprechende Speisen herausgegeben. „Vieles sind Bioprodukte, auf Gesundheit wird hier Wert gelegt“, erzählt Katharina Wrede, die sich seit Mai vegetarisch ernährt. Ihre Blutwerte seien seitdem etwas besser geworden. Regelmäßig nimmt sie sich einige Lebensmittel mit aufs Zimmer – als Snack für zwischendurch.

Oberstufler haben Einzelzimmer

In ihrem eigenen rund 16 Quadratmeter großen Reich kann sie abschalten. Oberstufler bewohnen die Zwei-Personen-Zimmer allein, um mehr Privatsphäre und Ruhe zu haben. Katharina Wrede hat vorher mit einer Tischtennisspielerin zusammen gewohnt, was vor allem in der ersten Zeit das Einleben erleichterte. „Aber man musste natürlich auch Rücksicht nehmen. Wenn ich morgens Frühtraining hatte, habe ich mich oft im Dunkeln angezogen“, erzählt die Schwimmerin. Verstanden habe sie sich mit ihrer Zimmerkollegin ganz gut. Jetzt ist sie aber froh, ihren ganz privaten Rückzugsort zu haben. Auf einen eigenen Fernseher, der ab 18 Jahren erlaubt ist, verzichtet sie freiwillig.

Zumindest vor Corona waren die Abende oft für gemeinsame Fernsehabende reserviert. Weil sie in den Wettkämpfen Spannung genug hat, mag es Katharina Wrede im TV lieber ruhig. „Romantische Dramen und Serien sind mein Ding“, erzählt sie. Auch auf der schön gestalteten Dachterrasse mit Basketballfeld lässt es sich in der warmen Jahreszeit aushalten.

Keine Lust auf Partyleben

An den Wochenenden waren häufig Kino- oder Restaurantbesuche angesagt. Unter den Judoka, Boxern, Leichtathleten und Vertretern weiterer Sportarten seien es vor allem die Mannschaftssportler wie Hand- oder Wasserballer, die das Partyleben auskosteten, meint die Sportlerin. „Unter den Schwimmern ist das nicht so angesagt“, sagt Katharina Wrede, die von sich aus auf Alkohol verzichtet.

In den Herbstferien stehen meist Trainingslager in der Region auf dem Plan, um Ostern herum fliegen die Schwimmer dafür oft auf die Kanaren. Nur über die Weihnachtstage ruht der Trainingsbetrieb. „Da fahre ich dann wie in den trainingsfreien Wochen im Sommer gerne mal nach Hause“, sagt Katharina Wrede. Ob ihr das Internatsleben irgendwann einmal fehlen wird? „Ich denke schon“, sagt die 18-Jährige, muss dann aber noch hinzufügen: „Zumindest hätte ich das gesagt, wenn mich jemand vor der Corona-Zeit gefragt hätte.“

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