HVN zieht nach: Spieljahr 2020 im Handball beendet

Helmstedt.  Handball: Der HVN setzt den Spielbetrieb bis Ende des Jahres aus – was das für Folgen für die Saisons in den einzelnen Ligen hat, ist noch offen.

Erzwungene Auszeit für die Handballer: Nun ist die Saison auch auf Verbandsebene für Daniel Reckel und die HG Elm unterbrochen.

Erzwungene Auszeit für die Handballer: Nun ist die Saison auch auf Verbandsebene für Daniel Reckel und die HG Elm unterbrochen.

Foto: Andre Schneider / regios24

Die Covid-19-Infektionszahlen steigen in allen Landkreisen der Region weiter an. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen für den Handball auf Kreis- und Verbandsebene. Bereits am Wochenende wurden in den Ligen des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) bestenfalls 20 Prozent der Begegnungen angepfiffen.

Die Handball-Region Süd-Ost Niedersachsen (HRSON) schaffte bereits am Montagabend Klarheit und setzte den Spielbetrieb in allen Ligen und Altersklasse mit sofortiger Wirkung aus (wir berichteten). Auf Verbandsebene blieb dieser Entschluss zunächst aus – und bescherte den Vereinen unruhige Tage. Nun hat aber auch der HVN den Spielbetrieb in allen Klassen ausgesetzt.

HVN: „Zeigen Verantwortung“

Damit zog auch das Präsidium des HVN die Reißleine: Im Umlaufverfahren beschlossen die Mitglieder des Gremiums am Mittwochmorgen, den Spielbetrieb der Jugend und der Senioren in den Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen, die in Obhut des Verbandes stehen, mit sofortiger Wirkung auszusetzen. „Zunächst bis einschließlich 31. Dezember“, sagt Präsident Stefan Hüdepohl mit Blick auf die nach wie vor ständig steigenden Fallzahlen.

Zunächst hatte der Verband den Vereinen den Ball zugespielt und Spielabsagen bei entsprechenden Inzidenz-Zahlen vereinfacht. „Wir wollten den Mannschaften ein Höchstmaß an Freiraum einräumen. Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt“, so Hüdepohl. „Viele Vereine und auch Sportlerinnen und Sportler haben uns aufgefordert, Verantwortung zu zeigen und den Spielbetrieb auszusetzen. Diesem Wunsch tragen wir Rechnung.“

Wie soll die Saison beendet werden?

Nun herrscht Gewissheit. Aber hinter den Helmstedter Teams liegen unruhige Tage, denn die Frage, wie es im Kleinen und im Großen weitergeht, war allgegenwärtig. Im Kleinen war es seit letztem Wochenende die Frage, ob denn am Spieltag auch gespielt werden könne.

Die Handballfreunde Helmstedt-Büddenstedt waren beispielsweise schon im regen Austausch mit ihrem nächsten Gegner SG Börde Handball, die Oberliga-Partie hätte auch ohne Generalabsage nicht stattgefunden. Auch die Verbandsligisten HG Elm und HSV Warberg/Lelm sowie Landesligist VfL Lehre hatten alle einen heißen Draht zu ihren Kontrahenten gepflegt, ja pflegen müssen, um über die Situation zu beratschlagen.

Diese Hängepartien bleiben HF-Trainer Markus Kopp erspart – er sieht nun aber ein grundsätzliches Problem auf Staffelleitung und Spielplaner zukommen: „Wir haben erst drei von 28 Spielen absolviert, bis Weihnachten hätten für uns noch sieben Spiele angestanden. Man fragt sich schon, wie in der Oberliga die Saison zu Ende gespielt werden soll. Es gibt kaum noch freie Wochenenden als Ausweichtermine“, zeigt der Coach der HF auf.

Auf dieses Problem ist der HVN auch schon eingegangen – allerdings ohne es zu klären. „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt“, gibt Hüdepohl zu bedenken. Die Spieltechniker hätten bereits angefangen, verschiedene Modelle zu diskutieren: Angefangen bei der Austragung der Meisterschaft in einer Einfachrunde bis hin zur Verkleinerung der Staffeln mit Ermittlung der Meister und Absteiger in Play-off-Spielen. „Das ist aber alles Zukunftsmusik“, verweist der Präsident darauf, dass diese Fragen später geklärt werden.

Hoffnung auf einen Trainingsbetrieb

Kai-Olaf Reinemann, Trainer des Landesligisten VfL Lehre, sieht nun „haarige Wochen“ auf den Freizeit- und Amateursport zukommen. Er begrüßt die Entscheidung des Verbandes trotzdem: „Ich verzichte gerne mal eine Weile auf Handball, man muss sich einfach mal gesellschaftskonform verhalten.“

Ähnlich dürfte es auch Niklas Wosnitza, dem Übungsleiter des HSV Warberg/Lelm, gehen. Er hatte sich noch – bevor der HVN den Entschluss veröffentlichte – beschwert: „Ich finde es nicht gut, dass die Entscheidung, ob gespielt wird oder nicht, den Vereinen überlassen wird.“ Wosnitza brachte dabei auch eine Idee ins Spiel, wie die Saison beendet werde könnte: „Man könnte die Saison verschieben und zum Beispiel von Mai bis September spielen – sofern es passt mit den Urlaubskorridoren.“

Bis zum Re-Start komplett auf Handball verzichten – das wollen die Mannschaften derweil nicht. Die Hoffnung ist, wenigstens weiter trainieren zu können. „Zumindest so lange, wie es kein Hallenverbot gibt“, meint VfL-Coach Reinemann. Dieses Szenario wäre fatal, findet Daniel Reckel, Trainer des Verbandsligisten HG Elm. Ein ausgesetzter Wettkampfbetrieb sei aus seiner Sicht zu verschmerzen, nicht aber die Sperrung von Hallen – und damit der komplette Verzicht auf ihren (Handball-)Sport. HF-Trainer Kopp streicht derweil vorerst die dritte Wocheneinheit. „Wir werden aber weiter trainieren. Man kann nicht einfach von 100 auf 0 herunterfahren.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder