20 Sekunden fehlen Peine zum Finale

Gevelsberg.  Die B-Jugend des VfB erlebt „ein geiles Wochenende“ und wird Vierter bei der Deutschen Meisterschaft.

Die B-Junioren des VfB Peine bedanken sich bei der Deutschen Meisterschaft für die Unterstützung von den Zuschauerrängen.

Die B-Junioren des VfB Peine bedanken sich bei der Deutschen Meisterschaft für die Unterstützung von den Zuschauerrängen.

Foto: Privat

Eine riesige Videoleinwand, das grüne Logo des Deutschen Fußball-Bundes auf dem Hallenboden – viel größer konnte die Bühne für die B-Jugend des VfB Peine quasi gar nicht sein. Nach den Erfolgen auf den unteren Ebenen hatten die VfB-Kicker bei der Deutschen Meisterschaft im Hinterkopf, eine Überraschung zu feiern. Am Ende „eines geilen Wochenendes“ reichte es für das Team von Christian Kraune zum vierten Platz, der gar nicht hoch genug zu bewerten sei.

Beginnend bei der langen Busfahrt in das Nordrhein-Westfälische Gevelsberg und endend mit der Siegerehrung am Sonntagabend schaffte der Peiner Nachwuchs etwas, was womöglich so schnell kein Peiner Team wiederholen dürfte. „Und wir waren das erste Team aus Niedersachsen überhaupt, das dort bei der B-Jugend mitgemacht hat“, berichtet Kraune stolz. Seit 2014 wird auch der Deutsche Jugendmeister in drei Altersklassen im Futsal ausgespielt.

Und beinahe hätten die Peiner dabei eine entscheidende Rolle eingenommen. Schon das Halbfinale hatte sich auf dem Papier stark gelesen. Da waren die beiden Zweitligisten SV Sandhausen und FC Ingolstadt, sowie der Traditionsverein Alemania Aachen. „Und der kleine VfB Peine“, sagt Kraune mit einem überbreiten Grinsen.

Coach darf nicht mit aufs Feld

Nach der erfolgreichen Gruppenphase, die an zwei Tagen ausgespielt wurde, wäre das VfB-Team beinahe in das Endspiel eingezogen. „Uns haben nur 20 Sekunden gefehlt“, sagt Coach Christian Kraune lachend. Gegen den Nachwuchs des früheren Bundesligisten Aachen haben die Peiner immerhin lange mit 1:0 geführt. „Doch dann passen wir einmal nicht auf,

die führen schnell die Ecke aus und ziehen aus dem Rückraum ab.“ Ausgleich. Der VfB musste unnötigerweise ins Sechsmeterschießen, in dem die Spannung kaum auszuhalten war. „Einige meiner Spieler wollten nicht schießen, das wusste ich. Und dann durfte ich nicht einmal zu ihnen mit aufs Feld, um ihnen Mut zu machen“, bedauert Kraune.

Stattdessen saß er auf der Trainerbank, zu diesem Zeitpunkt schon gemeinsam mit dem Coach des Gegners, der nur Lob für die Leistung der Peiner übrig hatte. Er habe das dritte Gruppenspiel des VfB gegen den FC Ingolstadt sehr intensiv verfolgt und dachte, seinen Trainerkollegen durchschaut zu haben. Die Niedersachsen hatten zurückhaltend gespielt und auf Konter gelauert. „Gegen Aachen haben wir dann früh sehr viel Dampf gemacht und sie überrascht“, berichtet Kraune und fügt lachend an: „Ist doch klar, dass ich meine Jungs taktisch auch variieren lasse.“

Letztlich sollten die Peiner aber am Alemania-Nachwuchs scheitern, denn der der hatte die besseren Nerven vom Punkt. Zwar scheiterten auch Spieler der Schwarz-Gelben an Peines Torhüter Lyon Raeck (Kraune: „Für mich der beste Keeper des Turniers.“), doch am Ende entschied ein Pfostenschuss über Sieg und Niederlage.

„Die Halle hat gebebt“

An der Unterstützung von der Tribüne hatte es nicht gelegen, denn immerhin 40 stimmgewaltige Peiner Eltern, Großeltern und Freunde waren mitgereist und auch die Fans anderer Teams waren ganz schnell auf der Seite des Underdogs VfB Peine. „Die Halle hat gebebt, das war wirklich einmalig“, schwärmt Kraune. Das riss auch im Spiel um den dritten Platz nicht ab, als die Peiner das zweite Mal im Turnierverlauf auf den FC Ingolstadt 04 trafen.

„Das war für mich fußballerisch das beste Team im Turnier“, erklärt der Peiner Trainer. Allerdings habe sich der Keeper verletzt und mit einem Feldspieler zwischen den Pfosten hatte der FCI im Halbfinale von Sandhausen zwei einfache Standardtore eingeschenkt bekommen. Deshalb waren auch die Ingolstädter ausgeschieden.

Für den VfB ging es nun also darum, sich noch eine Medaille zu verdienen. Doch auch die Rituale, die der VfB vor den anderen Begegnungen durchgezogen hatte, wirkten nicht. „Wir haben viele lange Pausen gehabt. Also waren wir vor jeder Partie draußen eine Runde spazieren. Dann die Besprechung und das Aufwärmen“, erklärt Kraune sein Vorgehen. Doch die Ingolstädter gingen mit 2:0 in Führung, Peines Kapitän Timo Wittkowski konnte mit seinem Strafstoß nur noch für Ergebniskosmetik sorgen.

Eine Entscheidung seines Teams hatte dem Peiner Coach besonders gefallen: „Unser Zweiter Keeper Joris Richter hatte bis dahin noch keinen Einsatz. Eigentlich hätte ich Lyon Raeck wieder aufgestellt. Aber das Team hat sich geschlossen dafür entschieden, dass Joris dieses letzte Spiel machen soll.“ Zusammenhalt – ein Wert, der bei Peines B-Jugend ganz groß geschrieben wird.

Splitter

Anreise mit Stil. Einer, der hatte die Peiner B-Jugend-Kicker besonders in sein Herz geschlossen. „Das ist eine megacoole Truppe“, sagt Kai, Busfahrer des Peiner Teams. Der hatte den Startschuss für die Deutsche Meisterschaft gegeben, als er am Freitagabend mit dem Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 vor dem Vereinsgelände des VfB anhielt. „Der Bus war top ausgestattet. Fernseher, Kaffeevollautomat und Massagebank“, schwärmt Peines Trainer Christian Kraune. Sogar die Spieler, die eher der Eintracht aus Braunschweig die Daumen drücken, konnten die dreistündige Fahrt genießen.

Ankunft wie bei den Profis. Übernachtet haben die Peiner in der Sportschule Kaiserau. „Da war ich damals auch mal in meiner Jugend. Es sieht noch genauso aus wie früher“, erklärt Kraune lachend. Busfahrer Kai ließ es sich nicht nehmen und hielt direkt vor dem Eingang. „Die Schiebetür des Busses ging auf und die Jungs konnten gleich rein“, berichtet Kraune – wie man es eben von Auftritten der deutschen Nationalmannschaft vor ihrem Hotel kennt.

Starting Five. Vor jedem Spiel mussten die Trainer ihre „erste Fünf“ benennen, die ihren großen Auftritt bekam. Die Akteure kamen aus dem Spielertunnel auf das Feld und wurden auf der großen Leinwand gezeigt. „Das habe ich jedem meiner Spieler mindestens einmal gegönnt“, berichtet Kraune.

Ein neuer Fan. Busfahrer Kai sei übrigens bei jedem Spiel der Peiner mit dabei gewesen. Er ist also der neueste Fan des VfB. Selbstverständlich ließen es sich die jungen Fußballer nicht nehmen, sich artig bei ihrem Chauffeur zu bedanken und zu verabschieden. „Ein Hoch auf unseren Busfahrer“ – das kennen auch die Jugendlichen.

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