Wozu fit halten, wenn kein Ziel in Sicht? SVL-Coach genervt

Peine.  Der Woltwiescher Fußballtrainer Thomas Mühl steht vielleicht gar nicht mehr an der Seitenlinie.

Lengedes Trainer Dennis Kleinschmidt kann das Verhalten einiger Menschen in der aktuellen Lage nicht verstehen.

Lengedes Trainer Dennis Kleinschmidt kann das Verhalten einiger Menschen in der aktuellen Lage nicht verstehen.

Foto: Jörg Scheibe

„Dass ich so etwas in meinem Leben mitmachen muss. Keine Ahnung ob es so etwas jemals wieder geben wird“, sagt Dennis Kleinschmidt, Trainer des Fußball-Landesligisten Lengede und trifft damit den Nagel aktuell auf den Kopf. Die Corona-Krise ist eine Ausnahme-Situation und hat die Gesellschaft fest im Griff – auch den Fußball. Auf den Plätzen wird nicht gespielt und im Fernsehen kann es keine Übertragungen geben. Die Peiner Teams im Bezirk gehen es derzeit alle gleich an: kein Training, höchstens im eigenen Wohnzimmer. Die Gesundheit und die Eindämmung des Corona-Virus stehen an erster Stelle.

SV Lengede

Bei dem höchstspielenden Team im Landkreis Peine herrscht derzeit tote Hose. Das Mannschaftstraining sei selbstverständlich abgesagt worden. „Zu Beginn haben wir noch gesagt, dass die Jungs laufen gehen sollen. Doch mittlerweile gibt es keine Vorgaben mehr“, sagt Trainer Dennis Kleinschmidt, der die Lage sehr ernst nimmt.

Der Coach könne nicht nachvollziehen, wie zahllose Menschen trotz der Empfehlungen der Bundesregierung immer noch quietschfidel einkaufen gehen und sich in der Öffentlichkeit eng an eng aufhalten. „Das nervt mich und macht mich richtig depressiv“, meckert Kleinschmidt. Er rechne ohnehin mit einer Ausgangssperre für die gesamte Bundesrepublik.

Seinen Spielern vertraut er, dass sie sich in dieser Zeit nach ihren Möglichkeiten ein wenig fit halten, auch wenn er nicht unbedingt den Sinn dahinter sieht: „Wir wissen ja gar nicht, wann es weiter geht. Die Spieler können also nicht wie in der Vorbereitung auf ein Ziel hinarbeiten“, zeigt sich der Coach ziemlich bedrückt.

Wie die Saison nun gewertet werden soll und ob es überhaupt weitergeht, dafür findet der Trainer keine Lösung: „Ich kann mir all diese Szenarien genau so wenig vorstellen, wie ich mir zu Anfang diese Pandemie vorstellen konnte. Ich würde aber gerne mal Mäuschen spielen, wenn die Verantwortlichen über ei-ne Lösung sprechen.“

Lengedes Verteidiger Klaas Gatermann nimmt es in einem Video, das die Lengeder auf ihrer Facebookseite präsentieren, mit Humor. Statt eines Fußballs hält er im eigenen Wohnzimmer eine Klopapierrolle mit dem Fuß in der Luft und trickst ein wenig herum.

Viktoria Woltwiesche

Den Woltwiescher Trainer Thomas Mühl erreichten in den letzten Tagen einige Fotos und Videos seiner Spieler. „Der eine macht Sit-Ups, der andere Liegestütze“, erklärt er – natürlich machen die Viktoria-Akteure das alles in ihrem Wohnzimmer. Vor einer Woche bekam der Trainer noch die Laufergebnisse seiner Jungs, doch mittlerweile rät er auch davon ab. Zu groß sei die Ansteckungsgefahr, selbst beim Lauf im nächstgelegenen Wald.

Noch gehe es für ihn ohne Fußball, „aber es wird langsam kurios“, so Mühl. „Mittlerweile spottet meine Frau schon, dass ich wohl gar nicht mehr als Trainer aktiv sein werde.“ Denn nach der Saison ist Schluss für Mühl beim Fußball-Bezirksligisten. Seine letzte Rückrunde habe er sich ganz anders vorgestellt, sportlich erfolgreich sollte sie verlaufen. Eine weitere Serie werde Mühl deshalb aber nicht hinten dranhängen.

Arminia Vechelde

Für Vecheldes Coach Andy Bresch sei es „kompletter Quatsch“, wenn jetzt jemand behauptet, dass die Spieler ihre Fitness nicht verlieren dürften. „In den nächsten zwei, drei Monaten spielen wir vermutlich keinen Fußball mehr“, ist der Vechelder überzeugt. Seinen Spielern ist es demnach freigestellt, ob sie an ihrem Körper arbeiten oder nicht, viel wichtiger sei es, dass alle gesund bleiben. Wie es mit der Saison weitergehen soll, das kann sich Bresch nicht vorstellen. „Ich weiß nicht, wann alle Spiele nachgeholt werden sollen.“

Teutonia Groß Lafferde

Eine Saisonverlängerung hält auch sein Lafferder Pendant Marco Heidemann im Amateurbereich für schwierig und verweist auf sein Arbeitspapier, das bei der Teutonia am 30. Juni ausläuft. Für den Coach soll es danach eigentlich bei Fortuna Lebenstedt weitergehen.

Dass bis zum eigentlichen Saisonende überhaupt noch gespielt werden soll, daran mag Heidemann nicht wirklich glauben. Deshalb gab es auch für die Teutonen keine Vorgaben in Sachen Fitness. Jeder solle machen, was er möchte. „Doch in den eigenen vier Wänden ist das schwer“, sagt Heidemann.

VfB Peine

„Ich habe zu den Spielern Kontakt, um zu wissen, ob es ihnen gut geht“, sagt VfB-Trainer Bünyamin Tosun. „Alle sind gesund und das ist aktuelle das Wichtigste“, stellt er den Fußball völlig hinten an.

Vor Mai könne es nach Meinung von Tosun ohnehin nicht weitergehen und selbst dann findet er es noch unrealistisch, dass die Saison vernünftig zu Ende gebracht werden könnte. Deswegen ist bei den Peinern jeglicher Trainingsbetrieb eingestellt worden, den Spielern ist es selbst überlassen, was sie für ihre Fitness machen. „Wir sind uns der ernsten Lage bewusst“, sagt Tosun, dessen Team in der Bezirksliga in der aktuellen Tabelle über dem Strich steht.

TSV Wendezelle

Für den Fall, dass es wie Tosun sagt, bereits im Mai weitergehen könnte, glaubt Wendezelles Trainer Thomas Mainka, dass die Saison noch spielerisch beendet werden könnte. „Es müssen dann aber auch Spiele unter der Woche stattfinden, egal wie viele Spieler die Vereine zur Verfügung haben“, meint er.

Allerdings stehe die Gesundheit eines jeden im Vordergrund. „Die Mediziner-Branche sollte die Regelungen entscheiden und nicht Fußball-Funktionäre“, ist Coach Mainka überzeugt. Es handele sich bei der aktuellen Situation um höhere Gewalt und der müssen sich die Fußballer eben beugen.

Letztlich glaubt er daran, dass es viele enttäuschte Gesichter geben wird und einige glückliche Gesichter, je nachdem, ob die Saison annulliert oder der jetzige Stand gezählt wird.

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