Vereinsarbeit: Alte Strukturen gehören ausgemistet

Peine.  Martha Wolfstädter vom KSB Peine hilft Vereinsvorständen, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden und somit die Arbeit in Vereinen attraktiv zu machen.

Martha Wolfstädter hilft Vereinsvorständen, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden. Dieses Bild wurde vor Corona aufgenommen.

Martha Wolfstädter hilft Vereinsvorständen, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden. Dieses Bild wurde vor Corona aufgenommen.

Foto: Archiv

Auf der Einladung zur Hauptversammlung ist der Punkt Vorstandswahlen vermerkt. Schon länger ist bekannt, dass der aktuelle Vorsitzende sich nicht mehr aufstellen lassen will. Aber ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird noch gesucht. Dass solche Situationen in Zukunft seltener werden, gehört zu den Aufgaben des Kreissportbundes (KSB) und der stellvertretenden Vorsitzenden für Vereins- und Organisationsentwicklung, Martha Wolfstädter.

Vereinsrechtlich kann auf den Posten eines Vorsitzenden nicht verzichtet werden. Was aber geht, erklärt Wolfstädter, ist Entlastung für Personen in verantwortungsvollen Posten zu schaffen. „Zum KSB bin ich selbst gekommen, als sich dieser im Zuge seiner eigenen Professionalisierung neu aufstellte und vier Handlungsfelder einrichtete“, erinnert sie sich.

Der KSB suchte 2013 nach Ehrenamtlichen, die sich in den verschiedenen Fachgruppen einbringen wollten. Im gleichen Jahr wurde sie gewählt, um als stellvertretende Vorsitzende für den Bereich Vereins- und Organisationsentwicklung im Vorstand mitzuwirken. Genauso gibt es stellvertretende Vorsitzende in den Handlungsfeldern Bildung, Sportentwicklung und Finanzen.

„Wir arbeiten alle mit unserem Vorsitzenden, Wilhelm Laaf, eng zusammen. Aber da sich jeder um das kümmert, was ihm liegt und Spaß macht, muss Herr Laaf nicht selbst über alles bis ins Detail Bescheid wissen – und kann Fragen an uns weiter reichen“, erzählt die Diplom-Sozialpädagogin. Damit alle Bescheid wissen, wer sich um was kümmert, gibt es einen internen Geschäftsverteilungsplan, der regelmäßig auf seine Aktualität überprüft wird. „Das hilft auch den Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle. Alles ist nachvollziehbar aufgeschrieben. Und wenn sich etwas ändert, wird das Dokument halt angepasst.“

Klare Aufteilungen schaffen

Mit der klaren Aufteilung von Aufgaben möchte der KSB ein Vorbild für die Vereinsvorstände sein. Denn, so betont es Wolfstädter, wer Menschen dafür gewinnen möchte, sich aktiv einzubringen, sollte auch klar machen, worum es geht.

„In unserer Gesellschaft gibt es eine große Bereitschaft, sich einzubringen. Aber das klassische Ehrenamt in Vereinen erscheint oft unattraktiv: Es ist oft damit verbunden, sich über Jahre an etwas zu binden, das unüberschaubar wirkt. Während das eigene Leben weiterläuft – mit Beruf und Familie – soll ich dann noch für eine Vielzahl an Aufgaben übernehmen, unter Umständen mit finanzieller Verantwortung“, zählt sie auf.

Gemeinsam mit dem Landessportbund hat der KSB daher in den vergangenen Jahren Workshops angeboten oder setzt sich persönlich mit den Vorständen zusammen, um eine passende, individuelle und professionelle Organisation anzustoßen. Beispielsweise bringe es schon Entlastung, manche Posten im Verein doppelt zu besetzen. Auch die Einstellung von hauptamtlichen Mitarbeitern in der Vereinsgeschäftsstelle könne den Vorstand entlasten: „Das muss nicht immer eine Vollzeitkraft sein. Es gibt auch kleinere Vereine, die gemeinsam eine Kraft beschäftigen. Aber eine Verwaltungsfachkraft mit buchhalterischer Erfahrung, die sich ganz auf ihre Aufgabe für den Verein konzentrieren kann, ist schneller und sicherer, als eine ehrenamtliche Kraft, die sich erst einarbeiten muss.“ Und das eventuell noch neben dem eigenen 40-Stunden-Job und Haushalt. Und der sportlichen Aktivität, für die die meisten in den Vereinen sind.

Neue Strukturen kommen an - Frauen übernehmen Führungspositionen

In den vergangenen sieben Jahren hat Wolfstädter beobachtet, dass Frauen vermehrt Führungspositionen in den Vereinen anstreben. Zwar gebe es auch noch alte Strukturen, in denen Frauen oder Mutige, die etwas verändern möchte, auf taube Ohren stoßen, aber das werde immer weniger.

Die Zeiten, in denen die Vorstände von Einzelkämpfern dominiert werden, sind aus ihrer Sicht bald vorbei. „Das Ziel von LSB und KSB ist ja, dass sich die Vereine in ihrer Arbeit professionalisieren. Und es ist schön zu erleben, wie die Vorstände dynamischer und vielfältiger werden.“

Um Menschen für Vereinsleben und Sport im Verein zu begeistern, ist es Wolfstädter auch wichtig, dass die Vereine sichtbar und gut erreichbar sind. Dazu gehöre es auch, Kontaktdaten, Trainingszeiten und Mitgliedsanträge online zur Verfügung zu stellen. „Neue Mitglieder gewinne ich nicht dadurch, dass der Verein einfach da ist. Es muss allen im Ort, allen Interessierten, einfach gemacht werden in Kontakt zu treten. Und wir dürfen nicht erwarten, dass Vereinssport ein Selbstläufer ist, sondern uns aktiv für neue Mitglieder öffnen“, erzählt die Volleyballerin, die selbst über den Sport erste Bekanntschaften in der Region schloss.

Besonders nach diesem Jahr, in dem die Vereine mehr Austritte als gewöhnlich verzeichneten, sei das wichtig.

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