Jubelbefehl nach Weghorsts Befreiung

Mönchengladbach.  Der VfL Wolfsburg will wieder mehr Freude zulassen – und etablieren.

Ausgelassene Freude sieht anders aus. Die Stirn in Falten geht Stürmer Wout Weghorst nach dem 1:1 gegen Magdeburg vom Platz. Trainer Glasner (nicht im Bild) gefällt das nicht: Er verordnet Freude.

Ausgelassene Freude sieht anders aus. Die Stirn in Falten geht Stürmer Wout Weghorst nach dem 1:1 gegen Magdeburg vom Platz. Trainer Glasner (nicht im Bild) gefällt das nicht: Er verordnet Freude.

Foto: Swen Pförtner/dpa

Wout Weghorsts Ausgleichstor in der 85. Minute schrieb gleich mehrere Geschichten. Der 28 Jahre alte Angreifer des VfL Wolfsburg erzielte nicht nur seinen ersten Premierentreffer in Mönchengladbach, sondern auch seinen ersten in dieser Bundesliga-Saison. „Das war eine persönliche Erleichterung“, sagte der Niederländer nach dem 1:1 seines VfL bei der Borussia. Im Interview mit unserer Zeitung hatte er sich vergangene Woche selbst in die Verantwortung genommen, um das maue Wolfsburger Offensivspiel anzukurbeln. Gesagt, getan.

Raus aus dem Gascho

Die zweite und die dritte Geschichte dieses Tores drehen sich um den Jubel des Angreifers. Weghorst lief nach seinem erfolgreichen Abschluss an all seinen Mitspielern vorbei, hielt sich die Finger vors Gesicht, steuerte geradewegs auf Heribert „Herbie“ Rüttger zu und klatschte diesen lachend ab. Hintergrund: Mit dem Zeugwart-Urgestein aus der Pfalz hatte sich Weghorst unter der Woche unterhalten. Unter anderem brachte Rüttger, der seit 21 Jahren beim VfL arbeitet, ihm das Wort „Gascho“ bei. Eine Pfälzer Variante für „Gefängnis“, das sich vom französischen „Cachot“ ableitet. „Wir hatten die ganze Woche Spaß mit diesem Wort und haben Herbie veralbert“, erklärt Weghorst. „Ich habe ihm gesagt, dass ich zu ihm komme, wenn ich treffe. Dann geht es mal raus aus dem ,Gascho‘.“ Gesagt, getan.

Kein Tor ist selbstverständlich – jedes darf bejubelt werden

Und während Weghorst mit Rüttger das späte und hochverdiente 1:1 gegen die Borussia zelebrierte, trat Oliver Glasner auf den Plan. Der VfL-Trainer rief die übrigen Spieler zusammen und erteilte einen Jubel-Befehl. Der 46 Jahre alte Österreicher habe manchmal den Eindruck, „dass wir uns gar nicht so sehr über unsere Tore freuen, sondern sie als selbstverständlich hinnehmen. Aber“, so Glasner, „für mich ist kein Tor selbstverständlich. Deswegen spielen wir doch Fußball.“ Freude sei auch daher besonders angebracht, weil das Torverhältnis des VfL nach vier Spieltagen eben nicht bei 15:15 liegt, sondern bei 2:2. „Wir hatten es intern schon kommunziert, dass es wichtig ist, sich zu freuen. Gerade, weil wir in der zweiten Hälfte viel investiert haben, für das wir dann belohnt wurden“, sagt Glasner.

Punkt nach Nackenschlag ruft „geht doch“-Reaktion statt „Hurra“ hervor

Der hatte schon in seinem ersten Jahr als VfL-Trainer bemerkt, dass ihm hier und da sowohl Freude als auch Leichtigkeit in der Mannschaft fehlten. Die Jubel-Situation in Mönchengladbach ist nun aber mit dem Spielverlauf zu erklären. Die Kicker der Borussia bildeten nach ihrem 1:0 durch Neu-Nationalspieler Jonas Hofmann eine Feiertraube, weil sie überraschend und unerwartet in Führung gingen. Der VfL war in dieser Phase der zweiten Hälfte deutlich besser. Das völlig verdiente 1:1 durch Weghorst verbuchte das Wolfsburger Team dann offenbar eher als verbissenes „Geht doch“ denn als befreites „Hurra“, wenngleich es eine moralische Höchstleistung war, nach diesem späten 0:1-Nackenschlag noch einen Punkt zu gewinnen.

Freude soll sich etablieren

Daher sprach Glasner nach der Partie von einem verdienten und gerechten Ergebnis. Seine Mannschaft hatte an dem kühlen Herbstabend in Mönchengladbach durchaus Chancen auf einen überraschenden Sieg beim Champions-League-Teilnehmer. Der Trainer hofft, dass seine Spieler die positiven Erkentnisse aus der Endphase der Partie in die Zukunft transportieren und dass sie bald nicht mehr zum Jubeln aufgefordert werden müssen. Die Freude soll sich etablieren. Das kommt freilich am leichtesten über Erfolgserlebnisse.

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