Corona-Regeln verschärft: So ist die Sport-Lage in Wolfsburg

Wolfsburg.  Zwangspausen drohen und sind schon da. Die Stadt Wolfsburg reagiert auf die gestiegenen Corona-Zahlen. Lesen Sie, was das für den Sport bedeutet.

Das verflixte Corona-Virus setzt dem Sport in Wolfsburg mächtig zu. Zwangspausen drohen oder sind schon Realität.

Das verflixte Corona-Virus setzt dem Sport in Wolfsburg mächtig zu. Zwangspausen drohen oder sind schon Realität.

Foto: Fotos: regios24 (4) / Montage: Jürgen Runo

Die Corona-Ampel springt in Wolfsburg auf Gelb, es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sie auf Rot steht. Die 7-Tage-Inzidenz kletterte am Dienstag auf den neuen Höchstwert von 49,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die Stadtverwaltung verschärft deshalb auch in ihrer von Mittwoch an geltenden Allgemeinverfügung die Regeln für den Vereinssport, verhängt aber kein generelles Spiel-, Wettkampf- und Zuschauerverbot (siehe Verfügung im Original-Wortlaut). Doch Verbände und Vereine setzen von sich aus teilweise schon die Saison aus – zum Schutz der Gesundheit der Sportler und Sportlerinnen.

Am Dienstag verschickte die Stadt die neue Allgemeinverfügung an die Vereine der Stadt. Darin unter Paragraf 5 enthalten: die ausführlichen Regeln für den Vereinssport, die von einem Inzidenz-Wert von 35 an greifen. Dass die Beschränkungen beim Überschreiten der 50er-Grenze, was in den nächsten Tagen zu erwarten ist, noch einmal zunehmen, steht nicht geschrieben. Offenbar soll die Möglichkeit, Sport zu treiben, vorerst erhalten bleiben. Aber die Spiel- und Wettkampfabsagen hatten bereits in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Zum einen aufgrund von Corona-Fällen und -Verdachtsfällen. Zum anderen, weil die Klubs von sich aus Vorsicht walten lassen wollen. Sie fordern klare Regelungen.

Beispiel Handball

Wie zum Beispiel im Handball. Die Verantwortlichen des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) befinden sich in einer schwierigen Situation. Die Saison bruchstückhaft fortsetzen, aussetzen oder gar abbrechen? Die Handball-Region Süd-Ost-Niedersachsen (HRSON), zu der Wolfsburg zählt, hat es vorgemacht. Am Montagabend verkündete der Vorstand, dass der Spielbetrieb in den Ligen auf Regionsebene mit sofortiger Wirkung ausgesetzt wird. Die Corona-Infektionszahlen seien zu hoch, als dass eine Fortsetzung der Saison möglich sei.

Am 25. November berät sich der HRSON-Vorstand erneut, um über eine Wiederaufnahme der Spielzeit im Dezember zu diskutieren. Die Jugendspielklassen setzen bis mindestens Ende Januar aus. Sollte es danach weitergehen können, wird eine Einfach-Spielrunde ausgetragen. Rückspiele wird es also keine geben, so viel ist sicher.

HVN gibt Verantwortung weiter

Eine ähnlich einheitliche Regelung wünschen sich auch die Vereine, die in den Landes-, Verbands- und Oberligen aktiv sind und sich an die HVN-Vorgaben zu halten haben. Der Verband hatte in der vergangenen Woche verkündet, dass es fortan den Vereinen überlassen werde, ob sie zu Spielen antreten oder nicht. Spielverlegungen sind bei Corona-Inzidenzzahlen von 35 pro 100.000 Einwohner in einer Region möglich. Das führte dazu, dass gut die Hälfte der Begegnungen am zurückliegenden Wochenende ausfiel.

Geht es so weiter, entsteht ein verzerrtes Tabellenbild. Die Vereinsfunktionäre sind unzufrieden. „So steht die Wertigkeit der Partien infrage“, erklärte Daniel Heimann, Trainer von Oberligist MTV Vorsfelde. Niemand wisse, ob die Saison nicht doch abgebrochen werde. MTV-Kapitän Marius Thiele gab zu bedenken: „Die Quotientenregel, wie sie in der Saison 2019/20 angewendet wurde, wird diesmal kein faires Ergebnis bringen.“ Die Verantwortlichen fordern eine klare Linie vom Verband. „Der HVN muss Tacheles reden“, betonte Thiele. „Die Entscheidung auf Regionsebene ist eindeutig. Es in die Hände der Vereine zu geben, ob gespielt wird oder nicht, ist nicht sinnvoll.“ Oliver Bült, Trainer des Frauen-Oberligisten VfL Wolfsburg, sieht es ähnlich. „Die Verantwortung auf die Vereine abzuwälzen, halte ich für ungünstig“, sagte er.

Kritik, aber auch Verständnis

Bei aller Kritik haben die Trainer und Spieler der Region jedoch Verständnis für die Zurückhaltung seitens des HVN. „Der Verband will uns die Möglichkeit geben, Spiele auszutragen“, merkte Heimann an. „Die Idee war gut, aber vielleicht muss man die Regelungen doch noch einmal überdenken.“ Bült erklärte: „Die HVN-Funktionäre haben einen schweren Stand. Ich will die Entscheidungen nicht treffen müssen, habe umso größeren Respekt vor den Verantwortlichen beim Verband. Egal, was sie tun, irgendwer wird immer unzufrieden sein.“

Einen konkreten Lösungsvorschlag brachte Vorsfeldes Coach ein. „Man könnte jetzt abbrechen und ab Januar im Turnierformat die Saison fortsetzen“, schlug Heimann vor. Bisher äußerte sich der Verband nicht. Es bleibt abzuwarten, ob der HVN auf die ersten Spieltage unter der neuen Spielabsagen-Regelung reagiert – oder bei seiner Entscheidung bleibt.

Beispiel Volleyball

Im Volleyball wird erst einmal nur kurzfristig auf die Bremse getreten. Auf die ersten Heimspiele der Saison müssen die Oberliga-Spielerinnen des VfL Wolfsburg weiter warten. Der Nordwestdeutsche Volleyball-Verband (NWVV) hat alle Partien des kommenden Wochenendes abgesagt. Der VfL hätte den ASC 46 Göttingen und den SV Nienhagen zu Gast gehabt. Zweimal trat der VfL in dieser Spielzeit an, nur ein Match wurde gewertet. Zu den Spielen 3 und 4 wird es vorerst nicht kommen. Nach der turbulenten Partie bei der TG Münden, deren Wertung noch offen ist, hatten sich die Wolfsburgerinnen auf die ersten Heimspiele gefreut. Nun entschied der NWVV, dass am kommenden Wochenende keine Partien stattfinden werden. VfL-Mannschaftssprecherin Vivien Wagner hat Verständnis dafür. „Im Alltag achten wir auch darauf, alle Schutzmaßnahmen umzusetzen. Wenn wir jetzt quer durch Niedersachsen reisen, ist das inkonsequent“, sagte sie.

Bis vor einigen Tagen hatte man in Wolfsburg noch die Hoffnung, die Saison mit den Partien gegen Göttingen und Nienhagen fortsetzen zu können. Doch nachdem die Corona-Fallzahlen sprunghaft angestiegen waren, hat ein Umdenken eingesetzt beim VfL. „Es geht nur noch darum, dass wir den Trainingsbetrieb aufrechterhalten können“, erklärte Wagner. Der Verband tagt am Sonntag erneut. Dann soll es aktuelle Informationen zum Stand der Saison geben. Bis dahin müssen sich die Vereine gedulden.

Beispiel Tischtennis

Auch Wolfsburgs Tischtennisvereine müssen sich darauf einstellen, pausieren zu müssen. Der Tischtennis-Verband Niedersachsen beschloss jüngst im Umlaufverfahren, dass „ein Mannschaftskampf auf Antrag abgesetzt wird, wenn mindestens einer der beiden beteiligten Vereine aus einem bestehenden Risikogebiet stammt“. Als Risikogebiete gelten Städte und Landkreise, die innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 gemeldete Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnen. Dazu dürfte Wolfsburg in den nächsten Tagen auch zählen.

Beispiel Fußball

Im Unterschied zur Hallen-Mannschafts- und Kontaktsportart Handball findet Fußball im Freien statt. Das beschert den Kickern etwas bessere Argumente und etwas weniger scharfe Restriktionen. Doch ob und wie es weitergeht, können die Verantwortlichen des Fußballkreises nicht sagen. „Auf Kreisebene“, berichtete Spielausschuss-Vorsitzender Bernd Hartwig, „mussten wir bisher sechs Herren-Spiele absetzen, weil es Corona-Fälle oder zumindest -Verdachtsfälle gab.“ Am Ende der Woche will er auch noch einmal den Kontakt zum Gesundheitsamt suchen, um die Lage zu besprechen. Doch die ist laut neuer Allgemeinverfügung der Stadt vorerst geklärt. Auch die Fußballer dürfen spielen. Grundsätzlich, daran lässt Fußballkreis-Chef Stefan Pinelli keinen Zweifel, wollen die Kicker die Spielzeit zu Ende bringen. „Im Moment sehe ich die Saison noch nicht gefährdet“, sagte Pinelli. Ganze Spieltage abzusagen, davon werde der Kreis erst Gebrauch machen, „wenn es nicht mehr anders vertretbar wäre“.

Die Fußballer seien vorbereitet auf mögliche Zwangspausen. Zum einen, weil zum Beispiel im Jugendbereich die Ligen-Größen bewusst klein gehalten wurden, um bei Spielausfällen genug Platz im Rahmenterminplan zu haben, um diese nachzuholen. Und zum anderen, weil der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) aus den Erfahrungen der vorangegangenen Abbruchsaison gelernt und sich ein Regelwerk geschaffen habe, das nun über Regularien für einen Saisonabbruch verfüge.

Die Sorgen von Spielern und Spielerinnen sowie die der Eltern von Jugendlichen und Kindern werde der Kreisvorstand ernst nehmen. „Wir werden mit Verlegungswünschen großzügig umgehen und diese kostenlos vornehmen. Aber es geht auch darum, einen fairen Spielbetrieb zu wahren“, erklärte Pinelli. Weiter führte er aus: „Wenn Teams nicht spielen wollen, werden unsere Staffelleiter das im Ausschuss diskutieren. Wir werden einen vernünftigen Weg finden.“ Während der NFV seinen Kreisen noch nicht zu einer Pause rät, ruht in den Nachbar-Bundesländern Hamburg und Bremen bereits der Fußball – zumindest vorübergehend.

Beispiel Eishockey

Niedersachsens Eishockey-Nachwuchs zum Beispiel war zuletzt schon von Spielausfällen betroffen, weil in der Heimat der Gegner die Inzidenz-Werte zu hoch waren. Nun droht die VW-Stadt selbst zum Risikogebiet zu werden. Bei den Young Grizzlys des EHC Wolfsburg e. V. soll die U20 am Wochenende ein Heim- und ein Auswärtsspiel gegen Bremerhaven bestreiten. Frank Müller, neuer 1. Vorsitzender des Vereins, sagte dazu: „Ich gehe davon aus, dass wir am Samstag in Bremerhaven spielen dürfen. Aber das Wolfsburger Gesundheitsamt untersagt es, dass auswärtige Teams aus Regionen mit einem Inzidenz-Wert von 50 oder größer in der Eis-Arena antreten dürfen.“ Da Bremerhaven am Dienstag schon bei 43 angekommen war, „gehe ich davon aus, dass unser Heimspiel am Sonntag ausfällt“. Auch diese Sportart liegt zum Teil auf Eis.

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