Dzeko: Ich bin Felix Magath sehr dankbar

Wolfsburg  Der VfL-Meisterstürmer spricht für seinen Ex-Trainer, Misimovic und den Teamgeist.

Edin Dzeko.

Edin Dzeko.

Foto: imago sportfotodienst

Edin Dzeko war einer der wichtigsten Eckpfeiler der Meistermannschaft des VfL Wolfsburg: 32 Spiele machte der Bosnier in der Spielzeit, die sich zum zehnten Mal jährt, 26 Tore erzielte er selbst, sieben Treffer seiner Kollegen bereitete er zudem noch vor. Der heute 33-Jährige war im Sommer 2007 aus Teplice zum VfL gekommen, im Januar 2011 verließ er den Klub für 37 Millionen Euro zu Manchester City, seit 2015 steht er nun bei AS Rom unter Vertrag. Dzekos Trophäensammlung ist beeindruckend: zweimal englischer Meister, englischer Pokalsieger, englischer Ligapokalsieger, Torschützenkönig in der Bundesliga, der Serie A und der Europa League. Zum diesjährigen Meisterjubiläum beantwortete Dzeko die Fragen unserer Zeitung.

Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen klar, dass der VfL Meister werden kann, Edin Dzeko?

Nachdem wir Bayern geschlagen haben. Vorher war ich nicht besonders überzeugt, weil noch zu viele Spiele ausstanden. Mit dem 5:1 hatte ich dann die Überzeugung, dass wir es schaffen können.

Wie war die Mannschaft zur Meisterschaft fähig?

Wir hatten eine junge Mannschaft, die auch viel Spaß hatte. Dadurch, dass wir viele Spiele gewonnen haben, ist die Mannschaft immer enger zusammengerückt. Alle waren positiv. In der Rückrunde haben wir zehn Spiele hintereinander gewonnen, da ist es logisch, dass die Atmosphäre positiv war. Wir sind abends auch ausgegangen. Wenn wir auf dem Platz alles gegeben haben, dann hatte Magath damit auch keine Probleme. Geholfen hat uns vielleicht auch, dass keiner an uns geglaubt hat – nur wir selber und natürlich unser Trainer.

Welche Rolle spielt Felix Magath in Ihrer Karriere?

Ich muss ganz klar sagen, dass er eine der wichtigsten Personen in meiner Karriere ist. Wir sind unter ihm viel gelaufen und haben hart gearbeitet. Ich denke, dass es nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen Spieler eine ganz besondere Zeit war. Es hat mir sehr viel gebracht, und ich bin dankbar für das, was mir Magath ermöglicht hat . Er hat mir die Chance gegeben, überhaupt in der Bundesliga spielen zu können.

Wenn Sie von Freunden nach Ihrer Lieblingsgeschichte über Magath befragen: Welche erzählen Sie?

Nachdem wir an einem Morgen noch trainiert hatten, stand nachmittags drei Stunden entfernt von Wolfsburg ein Hallenturnier an. Ich konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht so gut Deutsch, bin aber zum Trainer gegangen und habe ihm, obwohl ich ein bisschen Angst hatte, mitgeteilt, dass ich Schmerzen im Knie habe und nicht so gerne mitkommen würde. Er blieb völlig ernst und sagte mir, dass ich doch mit dem anderen Fuß schießen könne. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, schaute ihn nur an, bis er auf einmal anfing zu lachen und meinte: ‚Ah Edin, das ist doch kein Problem. Du musst nicht mitfahren!‘

Sie haben zusammen mit Grafite einen historischen Rekord aufgestellt. Wie war das möglich? Mussten Sie sich manchmal gegenseitig kneifen? Glauben Sie, der wird noch mal geknackt?

Natürlich waren wir gut. Aber wir konnten auch nur so gut sein, weil die ganze Mannschaft überragende Leistungen gezeigt hat. Wir hatten eine Nummer 10, die zu dem Zeitpunkt die beste in der Bundesliga war. Wir konnten wirklich glücklich sein, dass Zwetschge hinter uns gespielt hat. Ich habe immer gesagt, dass die Bälle, die er spielt, Augen haben. Aber auch alle anderen Spieler haben immer Gas gegeben.

War das blindes Verständnis? Haben Sie eine solche offensive Power in Ihrer Karriere noch einmal erlebt?

Es ist nicht ganz vergleichbar, weil ich das System mit zwei Spitzen und einem Zehner dahinter eigentlich nicht mehr gespielt habe. Bei Manchester City habe ich oft mit Sergio Aguero zusammengespielt. Mit ihm habe ich mich auch sehr gut verstanden. Mit drei Leuten ganz vorne haben wir dort aber nie gespielt.

Haben Sie noch Kontakt zu Grafite oder zu einem anderen Teamkollegen von damals ?

Mit Grafite bin ich momentan selten in Kontakt. Regelmäßig Kontakt habe ich aber noch zu Marcel Schäfer, Christian Gentner und natürlich zu Zvjezdan Misimovic. Mit anderen Spielern der Meistersaison schreibe ich vielleicht einmal im Jahr.

Verfolgen Sie den VfL heute noch?

Wenn ich Zuhause bin, schaue ich schon viel Fußball. Schade ist nur, dass die Wolfsburg-Spiele nicht immer übertragen werden. Aber über das Handy gucke ich immer nach, gegen wen der VfL ran muss oder wie er gespielt hat.

Was denken Sie über die Stadt?

Es ist eine kleine Stadt und natürlich nicht so wie Berlin oder Hamburg. Man kann schon ausgehen, es gibt aber nicht zu viele Möglichkeiten, sich zu sehr abzulenken. Für mich persönlich war das genau richtig und ich komme immer wieder gerne zurück nach Wolfsburg. Für einen jungen Menschen, der erstmals in eine große Liga kommt, war Wolfsburg perfekt. Von meinem Zuhause in Vorsfelde bis zum Stadion habe ich nur fünf Minuten gebraucht. Alles, was man zum Leben benötigte, war außerdem direkt um die Ecke. Das hat mir sehr geholfen.

Gibt es ein Tor in der Saison, an das Sie sich besonders gerne erinnern?

Das erste Tor gegen Hannover war unglaublich und zudem sehr wichtig. Es war mit vielen Emotionen verbunden. Als das Tor fiel, habe ich alles rausgelassen. Ich war einfach überglücklich.

Er hat mir die Chance gegeben, überhaupt in der Bundesliga spielen zu können.
Edin Dzeko,

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder