Gleich und Gleich bekämpft sich gern

Wolfsburg.  Oliver Glasners VfL Wolfsburg und Julian Nagelsmanns Leipzig haben seit dem Sommer vieles gemeinsam. Der RB-Coach warnt vor dem Bundesliga-Spiel.

Unter Oliver Glasner spielt der VfL zumindest ähnlich wie RB Leipzig, am Samstag müssen die Wolfsburger in der Messestadt bestehen.

Unter Oliver Glasner spielt der VfL zumindest ähnlich wie RB Leipzig, am Samstag müssen die Wolfsburger in der Messestadt bestehen.

Foto: Darius Simka / regios24

Als Julian Nagelsmann bei der Pressekonferenz Mitte der Woche auf den kommenden Gegner angesprochen wurde, nahm der Trainer RB Leipzigs eine interessante Formulierung vor: „Der RB-Stil“, sagte der 32 Jahre alte Trainer, „ist beim VfL Wolfsburg schon gut zu erkennen.“ Seine Aussage ist zugleich als Lob zu verstehen an den, der den Stilwechsel vorgenommen hat: Oliver Glasner.

Der 45 Jahre alte Österreicher war im Sommer vom Linzer ASK zu den Wolfsburgern gekommen. Im Vorfeld hatte er sich mit Kapitän Josuha Guilavogui zu einem gehaltvollen Abendessen getroffen. Mehr als drei Stunden sprach Glasner mit dem Franzosen über die Pläne, die er mit dem VfL hegt. Er teilte seinem künftigen Schützling unter anderem mit, dass er die „Wölfe“ ein wenig mehr wie „Bullen“ spielen lassen will. Mittlerweile ist Glasner mehr als 100 Tage im Amt und hat vieles verändert. Nagelsmann stellt heraus: „Man erkennt mutiges Verteidigen, gutes Gegenpressing und ein geradliniges Spiel nach vorne.“ Dass der VfL in allen 19 Test- und Pflichtspielen unter dem neuen Trainer noch gänzlich unbesiegt ist, „spricht für sich“.

Die Eigenschaften wie das mutige Vorwärtsverteidigen, das intensive Gegenpressing nach Ballverlusten und die schnellen Abschlüsse nach Ballgewinnen sind Elemente, für die Leipzig schon seit Jahren steht. Als „Vorbild“ will Glasner die Sachsen nicht bezeichnen. „Ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist“, sagt der Österreicher. „Aber man kann da schon mal hinsehen und das eine oder andere herausziehen.“ Einen der größten Unterschiede sieht der VfL-Trainer darin, „dass wir mit unserer Idee im Sommer begonnen haben, während RB an seiner schon seit vielen Jahren feilt“.

Ihm gefällt, dass sich der Verein einer fußballerischen Identität verschrieben hat und konsequent danach handelt. „Man sieht, was möglich ist, wenn man über Jahre hinweg an einer Idee festhält und das Personal sowohl auf dem Platz als auch daneben danach aussucht“, sagt Glasner, der natürlich weiß, dass der stringente Leipziger Weg aus Liga 4 in die Bundesliga ohne die beträchtlichen finanziellen Mittel, die der Klub einsetzen kann, nicht möglich gewesen wäre.

Doch der klassische Leipzig-Stil wurde im Sommer durch ein neues Element erweitert. Unter Nagelsmann „finden sie im Ballbesitz besonders im Spiel von hinten raus immer häufiger gute Lösungen“. Dass RB zudem mit seinen Hochgeschwindigkeitsangreifern wie Timo Werner im Umschalten zu den besten Teams der Liga zählt, macht die Leipziger umso stärker, weil sie nicht mehr so gut berechenbar sind.

Das ist auch der Entwicklungsschritt, der für den VfL ansteht. Das defensive Korsett passt mittlerweile gut, die Wolfsburger Abwehr ist mit vier Gegentoren aus sieben Spielen die beste der Liga, steht aber heute in Leipzig vor ihrer bisher größten Herausforderung. „Danach werden wir sehen, wie gut wir wirklich sind“, sagte Guilavogui zuletzt. Der Kapitän hat wie all seine Kollegen eine ganz breite Brust bekommen in den vergangenen Wochen. Unter Glasner sind die Wolfsburger noch unbesiegt – und das wollen sie auch nach dem Wochenende bleiben.

Auch wenn allen Beteiligten bewusst ist, dass bisher noch kein Gegner die hohe individuelle Qualität vorweisen konnte, mit der Leipzig nun auf den VfL zukommt. Dennoch: Auch Nagelsmann ist gewarnt. Der Leipziger Trainer wird nicht ohne Grund in den höchsten Tönen vom kommenden Gegner gesprochen haben.

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