VfL gegen Werder: Das letzte Nordduell der Bundesliga

Wolfsburg.  Der VfL Wolfsburg eröffnet am Freitag den 9. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen Werder Bremen, das seinen Spielstil umgestellt hat.

Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen (links), begrüßt Oliver Glasner, den Coach des VfL Wolfsburg.

Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen (links), begrüßt Oliver Glasner, den Coach des VfL Wolfsburg.

Foto: gumzmedia/nordphoto / xim.gs

Eintracht Braunschweig ? Kämpft um den Klassenerhalt in Liga 2. Hannover 96 ? Pendelt in selber Klasse zwischen mittelgut und böse hin und her. Und der Hamburger SV ? Versucht sich nun schon zum dritten Mal an der Rückkehr in die Bundesliga. Beinahe hätte Werder Bremen diesen Klubs Gesellschaft geleistet. Doch die Hanseaten retteten ihre Liga-Zugehörigkeit hauchzart in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim. Wäre Werder auch noch in die 2. Liga abgestiegen, dann würde der VfL Wolfsburg nun ganz alleine den Norden in der Beletage des deutschen Fußballs vertreten.

Doch Florian Kohfeldts Mannschaft kämpfte den Konjunktiv zu Boden und schaffte Fakten. Bremen bleibt in der Bundesliga – und verschafft dem VfL zumindest ein Nordduell, das einzig verbliebende der Bundesliga. Das steigt am Freitag (20.30 Uhr, Dazn) in der leeren VW-Arena. Ist die Partie nur ebenjenes Nordduell, oder soll das nun sogar Wolfsburgs Derby in der Bundesliga sein? Geeignete Gegenkandidaten gibt es nicht mehr, sie spielen alle in der 2. Liga.

Bremen näher als Berlin

Oliver Glasner nennt in dem Gedankengang noch Hertha BSC. Der 46 Jahre alte VfL-Trainer aus Österreich hat nicht Unrecht, liegt doch das Berliner Olympiastadion nur 221 Kilometer entfernt von der Wolfsburger VW-Arena. Die Distanz aus der Autostadt zum Bremer Weserstadion beträgt jedoch knapp 30 Kilometer weniger (192). Also ist Werder mittlerweile Wolfsburgs nächst gelegener Gegner.

„Gibt gar keine Derbys“

Nur: Von einem Derby will Glasner nicht sprechen. „Gefühlt gibt es derzeit ohnehin gar keine Derbys“, sagt der VfL-Coach. Denn das Grundelement dieser besonderes Spiele fehle. „Volle Tribünen, elektrisierte Zuschauer und eine spezielle Stimmung: Diese Dinge machen für mich ein Derby aus“, erklärt er. Doch die Arenen sind wegen der Corona-Pandemie leer – und bleiben es wohl auch noch für längere Zeit. „Daher“, sagt Glasner lächelnd vor dem Werder-Spiel, „ist es bei mir nicht so, dass ich Derby-Lampenfieber habe.“

Bremen extrem gut drauf

Gesteigerte Aufmerksamkeit widmet der Österreicher dem kommenden Gegner natürlich. Denn nicht nur seine Mannschaft trägt eine Ungeschlagen-Serie (drei Siege, fünf Remis) als Selbstvertrauens-Rucksack mit sich herum, sondern auch die Bremer. Die haben seit dem 2. Spieltag nicht mehr verloren und am vergangenen Samstag mit einem 1:1 beim FC Bayern aufhorchen lassen. „Nicht nur dieser Achtungserfolg zeigt, dass sie gut drauf sind“, sagt Glasner.

Eine veränderte Mannschaft

Obwohl es nicht viele tiefgreifende personelle Veränderungen bei den Hanseaten gab – einzig Mittelfeld-Chef Davy Klaassen verließ Werder in Richtung Amsterdam –, ist Kohlfelds Mannschaft eine veränderte. „Sie haben gute Lehren aus der vergangenen Saison gezogen“, sagt Glasner. Da hatten die Bremer anfangs von der Europapokal-Quali geträumt, waren aber schnell von der Realität eingeholt worden – und die hieß Abstiegskampf. Darauf war der Kader aber nicht vorbereitet. Oft ging Werder in spielerischer Schönheit unter. Am Ende musste die Relegation, die der VfL auch zu gut kennt, als Rettungsanker her.

Konter statt Ballbesitz

Glasner hat in seiner Gegneranalyse erkannt, „dass sie ihre Spielanlage verändert haben“. Weg vom Ballbesitzspiel, hin zu einem schnellen Umschaltspiel aus einer kompakten Grundordnung heraus. Und das machen die Bremer gut. „Es ist eine Sache des Kollektivs“, sagt etwa Angreifer Leonardo Bittencourt. „Wir haben verinnerlicht und daran gearbeitet, auch schon ganz vorn das Verteidigen zu beginnen. Wir haben uns nach zu vielen einfachen Gegentoren der Vorsaison in dem Punkt weiterentwickelt.“

Beide haben gute Serien

Jetzt sind die Hanseaten stabil. Die Wolfsburger sind’s auch, sie stellen die beste Abwehr der Liga. Ein Offensivspektakel ist am Freitag daher nicht zu erwarten. Beide Teams sind dank ihrer kompakten Organisation schon lange unbesiegt – und wollen es freilich bleiben.

Glasner spürt, dass die positiven Ergebnisse und Leistungen seinen Spielern weiteres Zutrauen eingeimpft hat. „Dass wir so lange unbesiegt sind, ist eine Auszeichnung für die Mannschaft. Unsere Leistungen waren auch überwiegend gut. Aber“, so der Österreicher, „alles, was mal war, hilft nicht im nächsten Spiel.“ Das steht am Freitagabend an. Im letzten Nordduell der Bundesliga.

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