5:3 – erst im Schlussakt macht der VfL Wolfsburg alles klar

Wolfsburg.  Offensiv hui, defensiv pfui – doch am Ende zählen nur die drei Punkte für den VfL Wolfsburg im Heimspiel der Fußball-Bundesliga gegen Bremen.

Doppelpack: VfL-Stürmer Wout Weghorst hatte maßgeblichen Anteil am 5:3-Erfolg gegen Bremen.

Doppelpack: VfL-Stürmer Wout Weghorst hatte maßgeblichen Anteil am 5:3-Erfolg gegen Bremen.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Am Mittwoch war Diego Maradona im Alter von 60 Jahren verstorben. Auch beim VfL Wolfsburg wurde am Freitagabend vorm Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Werder Bremen um die Sport-Ikone getrauert – natürlich nicht so emotional wie in dessen Heimat Argentinien oder beim Ex-Klub in Neapel. In der leeren VW-Arena gab’s eine Schweigeminute, zudem spielten die Teams mit Trauerflor – und die große Fußball-Ästhetik, mit der Maradona in seinen Glanzzeiten der 70er- und 80er-Jahre die Menschen verzauberte, versprühten die Mannschaften in den 90 Minuten danach auch nicht.

Ästhetisch war es vielleicht nicht, kurzweilig aber allemal, was der VfL und Werder den Zuschauern an den TV-Geräten beim 5:3 (3:2) boten. Fünf Tore in einer Halbzeit sieht man ja nicht alle Tage. Jeder Ball, der irgendwie gefährlich auf eines der Tore kam, war drin. Das 2:3 aus Sicht der Gäste zur Pause war jedoch schmeichelhaft für Werder. Denn die Wolfsburger gaben den Ton an.

Dass Keeper Koen Casteels trotzdem zweimal hinter sich greifen musste, hatten sie sich selbst zuzuschreiben. Beim 0:1 durch Bremens Leonardo Bittencourt patzte Maxence Lacroix folgenschwer und verlor den Ball am eigenen Strafraum (13. Minute). Beim 2:2 passte die Zuordnung nicht, so dass der gerade eingewechselte Kevin Möhwald mit einer Kopfball-Bogenlampe nach einer von Jérôme Roussillon unnötig verursachten Ecke erfolgreich sein konnte (36.).

Verdiente Pausenführung

Aber weil Ridle Baku nach einem Dribbling aus 16 Metern zum 1:1 traf (22.), John Anthony Brooks die Gastgeber per Kopf nach einer Flanke Josip Brekalos zum ersten Mal in Führung brachte (25.) und Wout Weghorst nur wenige Sekunden nach Werders 2:2 die zweite Führung mit einem staubtrockenen Schuss innerhalb des Strafraums gelang (37.), ging’s für den VfL doch mit einer Führung in die Halbzeitpause. Und verdient war sie, denn die Grün-Weißen hatten – bis auf die unglücklichen Gegentore – eigentlich alles im Griff.

63 Prozent Ballbesitz und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe belegen das, so dass VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer schon zur Pause im TV-Interview feststellen konnte: „Wir lassen uns von Rückschlägen nicht mehr abbringen.“ Und: „Das war Werbung für den Fußball.“ Schäfer sagte jedoch auch: „Die beiden Gegentore haben wir Werder selbst vorgelegt.“ Und das ging auch so weiter. Noch keine zwei Minuten waren nach Wiederbeginn gespielt, als Brooks eine Hereingabe von Milot Rashica mit der Fußspitze via Pfosten ins eigene Tor lenkte. Das nächste Kapitel in diesem kuriosen Fußball-Theaterstück, das in der 56. Minute tatsächlich den ersten Schuss aufs Tor bereithielt, der nicht gleich drin war. VfL-Antreiber Maximilian Arnold zielte aus 18 Metern und halblinker Position knapp am Werder-Tor vorbei.

Platzverweis in der Schlussphase

Allein vom bisherigen Spielrhythmus her musste nach 60 Minuten eigentlich mal wieder ein Tor fallen. Um ein Haar wäre es auch so gekommen. Bittencourt tauchte vor Casteels auf, zielte zum Glück für den VfL aber genau auf den Keeper (64.). Die Wolfsburger waren weiterhin die bessere und aktivere Mannschaft, während sich Werder auf Nadelstiche nach Ballgewinnen spezialisierte, so aber auch gefährlich blieb.

Und wie es sich für ein ordentliches Theaterstück gehört, gab es auch einen Schlussakt. Feiner Doppelpass, Flanke Roussillon, Kopfball Weghorst – in der 76. Minute ging der VfL zum dritten Mal in Führung. Als dann auch noch Bremens Möhwald mit Gelb-Rot vom Platz musste, deutete alles daraufhin, dass diese Führung bis zum Ende Bestand haben könnte. So kam es auch – und der eingewechselte Bartosz Bialek durfte mit seinem ersten Bundesliga-Tor auch noch den Schlusspunkt setzen.

Spiel kompakt:

VfL Wolfsburg : Casteels – Baku, Lacroix, Brooks, Roussillon (80. Otavio) – Schlager, Arnold – Steffen (64. Philipp), Mehmedi (80. Bialek), Brekalo (90. Victor) – Weghorst.

Werder Bremen : Pavlenka – Gebre Selassie, Toprak, Friedl – Mbom (32. Möhwald), Groß (84. Woltemade), M. Eggestein, Augustinsson – Bittencourt (71. Agu), Osako (84. Selke), Rashica (71. Chong).

Tore : 0:1 Bittencourt (13.), 1:1 Baku (22.), 2:1 Brooks (25.), 2:2 Möhwald (35.), 3:2 Weghorst (37.), 3:3 Brooks (47., Eigentor), 4:3 Weghorst (76.), 5:3 Bialek (90. + 5).

Gelbe Karten : Lacroix (1), Arnold (3) / Mbom (5/nächstes Spiel gesperrt).

Gelb-Rote Karte : Möhwald (80.).

Schiedsrichter : Christian Dingert (Gries).

Personal : VfL-Trainer Glasner setzte genau die elf Spieler von Beginn an ein, die eine Woche zuvor den FC Schalke mit 2:0 besiegt hatten. Guilavogui, Pongracic und Ginczek fehlten.

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