VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg gewinnt durch Treffer in der Nachspielzeit

| Lesedauer: 6 Minuten
Yannick Gerhardt (Mitte) jubelt mit seinen Mannschaftskollegen über sein Tor zum 3:2 für den VfL Wolfsburg.

Yannick Gerhardt (Mitte) jubelt mit seinen Mannschaftskollegen über sein Tor zum 3:2 für den VfL Wolfsburg.

Foto: Darius Simka / regios24

Wolfsburg.  Dem Team von Trainer Niko Kovac gelingt mit einem 3:2 gegen den VfB Stuttgart der erste Heimsieg dieser Bundesliga-Saison.

Es lief schon die Nachspielzeit, als Yannick Gerhardt den entscheidenden Schritt Richtung Stuttgarter Tor machte. Der Mittelfeldspieler des VfL Wolfsburg war so etwas schneller als sein Gegenspieler und konnte die Kopfballablage seines Mitspielers über die Linie drücken.

Es war der 3:2-Siegtreffer für sein Team in einer unterhaltsamen Partie gegen den VfB und brachte den Grün-Weißen in der Fußball-Bundesliga einen ganz wichtigen Erfolg. Erstmals gewann der VfL in dieser Saison zu Hause und nahm damit etwas Druck vom Kessel, nachdem sich durch den schwachen Saisonstart schon etwas Krisenstimmung in Wolfsburg ausgebreitet hatte.

„Wir freuen uns und sind glücklich, aber es sind auch nur drei Punkte. Es war vorher nicht alles schlecht und jetzt ist nicht alles top“, sagte Trainer Niko Kovac in seiner ersten Analyse zwar. Doch später meinte der in der Kritik stehende Coach: „Positive Erlebnisse bringen Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass uns dieses Ergebnis den nötigen Auftrieb gibt, und dass wir dieses Spiel nutzen können, um den Oktober so erfolgreich wie möglich zu gestalten.“ Der Sieg gegen den VfB Stuttgart soll bei den Wolfsburgern also Kraft für die nächsten Wochen freisetzen.

Munteres Spiel zwischen Wolfsburg und Stuttgart – vor allem in Hälfte eins

Es war in der ersten Hälfte wenig davon zu sehen, dass hier zwei Teams aus dem Tabellenkeller gegeneinander antraten – jedenfalls wenn man auf die jeweiligen Offensivbemühungen schaute. Beide Mannschaften zeigten Qualität und Zug im Spiel nach vorne. Das wurde allerdings vielleicht auch etwas begünstigt von eher weniger zupackenden Defensivabteilungen, ein möglicher Grund, warum sich sowohl die Wolfsburger als auch die Stuttgarter in dieser Saison bisher so schwertun.

Was die beiden Trainern wohl nicht gefallen hat, war für 24.125 Zuschauer in der Volkswagen-Arena angenehm. Sie bekamen in den ersten 45 Minuten ein munteres Spiel zu sehen, in dem beide Teams Chancen hatten und letztlich auch jeweils zu zwei Toren kamen. Sehenswert war vor allem der Treffer von VfL-Stürmer Omar Marmoush. Der Ägypter, der in der Sturmspitze der Wölfe den verletzten Lukas Nmecha ersetzte, zog mit Tempo Richtung Strafraum, spielte Doppelpass mit Jakub Kaminski und zog dann wuchtig von der Strafraumgrenze ab – der Ball passte genau unten ins Eck. Es war das erste Bundesliga-Tor von Marmoush für den VfL. Zuvor hatte er in der deutschen Eliteliga dreimal für Stuttgart getroffen. Mit seinem vierten Erstliga-Tor in Deutschland konterte der Angreifer in der 23. Minute die nur kurz zuvor erzielte Führung der Gäste durch Serhou Guirassy (22.).

Müller hält stark, bis Arnold abzieht

Allein dieser Schlagabtausch belegt wie unterhaltsam die Partie war. So ging es auch nach dem 1:1 weiter, wobei der VfL die aktivere Mannschaft war und deutlich mehr Möglichkeiten verzeichnete. Doch VfB-Torwart Florian Müller hatte zunächst einen guten Tag erwischt und parierte zahlreiche Versuche der Grün-Weißen glänzend – bis zur 38. Minute. Da patzte der Keeper, aber richtig. Einen Schuss aus mehr als 25 Metern Torentfernung ließ der Schlussmann nach einer missglückten Faustabwehr passieren, obwohl er genau auf ihn zukam. Der Ball flatterte ein wenig, trotzdem sah Müller hier gar nicht gut aus. Nicht nur Torschütze Maximilian Arnold war das egal, mit seinen Kollegen feierte er den Treffer, der auch auch völlig verdient war. Die Wolfsburger waren klar besser, und Arnold hatte die Situation vor dem Tor mit einem engagierten Vorwärtsdrang nach einem guten Tackling von Ridle Baku im eigenen Strafraum selbst eingeleitet.

Die Führung gab dem VfL mehr Sicherheit, und eigentlich sah es so aus, als er würde er diesen Vorsprung mit in die Halbzeit nehmen. Doch der Eindruck täuschte. Bei einer kurz gespielten Ecke der Stuttgarter war erst Marmoush in der Verteidigung zu passiv und dann passten bei der anschließenden Flanke auch die anderen Wolfsburger nicht auf. Micky van de Ven sprang unter dem Ball durch, den VfB-Verteidiger Konstantinos Mavropanos erreichte und per Kopf im Tor von VfL-Keeper Koen Casteels unterbrachte. Das war bitter für die Hausherren, denn die Nachspielzeit der ersten Hälfte war schon angebrochen.

VfL gegen VfB: Heftiger Regenguss in der Schlussphase

Nach dem Seitenwechsel konnte das Spiel vom Unterhaltungswert nicht mehr an die ersten 45 Minuten anknüpfen. Beide Mannschaft gaben sich nur mehr Mühe, Fehler in der Defensive zu vermeiden, spielten auch nicht mehr mit voller Kapelle nach vorne. Die Angst, den entscheidenden Treffer zu kassieren, spielte da wohl eine Rolle. Chancen besaßen dennoch weiter beide Teams. Diesmal waren aber die Gäste leicht im Vorteil. Sie verzeichneten einen Lattentreffer von Silas in der 57. Minute sowie eine gute Möglichkeit durch Mavropanos (73.), die Casteels aber entschärfte. Im Gegenzug hatte der VfL seine beste Chance der zweiten Hälfte durch Kaminski, der aber über das Tor schoss.

Es war die letzte klare Möglichkeit vor einem heftigen Regenguss, der sich ab der 85. Minute über die Akteure auf den Platz ergoss. Der Boden wurde dadurch in der Schlussphase extrem rutschig. Profitieren konnte davon zunächst aber keine Mannschaft. Doch als alle schon mit einem Unentschieden gerechnet hatten, schlug der VfL noch einmal zu. Mattias Svanberg bediente per Kopf Gerhardt, der aus zwei Metern einschob – 3:2 in der Nachspielzeit.

Stuttgart warf noch einmal alles nach vorne, doch die Wölfe kämpften und retteten den knappen Sieg über die Zeit. Es war ein ganz wichtiger für den Klub und auch für Trainer Niko Kovac. Er und sein Team können durch dieses 3:2 erst einmal aufatmen.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de