Frauenfußball-Bundesliga

VfL-Frauen mit 7:1 zum Heimabschied von Schult und Blässe

| Lesedauer: 4 Minuten
Anna Blässe (Zweite von rechts) durfte in ihrem letzten Bundesliga-Spiel für den VfL Wolfsburg noch einmal ein Tor bejubeln, auch wenn „ihr“ Treffer letztlich als Eigentor gewertet wurde.

Anna Blässe (Zweite von rechts) durfte in ihrem letzten Bundesliga-Spiel für den VfL Wolfsburg noch einmal ein Tor bejubeln, auch wenn „ihr“ Treffer letztlich als Eigentor gewertet wurde.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Wolfsburg.  Beste Saisonkulisse in der Liga, Kantersieg und emotionale Verabschiedungen – Wolfsburgs Frauenfußball-Bundesligist begeistert gegen Leverkusen.

Trotz satter acht Tore, der größten Zuschauerkulisse im AOK-Stadion in dieser Saison und eines attraktiven Frauenfußballspiels – die Höhepunkte waren an diesem Sonntag zwei Abschiede im 7:1 (6:0) gewonnenen Heimspiel des bereits vor Anpfiff als Bundesliga-Meister feststehenden VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen. Alle 3689 Fans erhoben sich von ihren Plätzen und bescherten einem Wölfinnen-Duo einen gebührenden Abgang.

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Es waren Gänsehaut-Momente bei strahlendem Sonnenschein. In der 53. Minute zeigte die digitale Wechseltafel der vierten Offiziellen die Nummer 9 an. Unter tosendem Applaus verließ Anna Blässe den Platz. Seit 2007 trug die 35-Jährige das VfL-Trikot. Zuletzt war die Mentalitätsspielerin oft nicht mal mehr im Kader. Doch ein letztes Mal durfte sie am abschließenden Bundesliga-Spieltag sogar in der Startelf ran. Wie früher marschierte sie die rechte Außenbahn hoch und runter und traf sogar zum umjubelten zwischenzeitlichen 4:0. Die Teamkolleginnen, Trainer- und Betreuerstab bildeten ein Spalier für sie bei ihrer Auswechslung.

Etwas später endete mit Abpfiff auch Almuth Schults letzter Arbeitstag im AOK-Stadion. Neun Saisons war sie Wolfsburgs klare Nummer 1, wenn sie einsatzfähig war. In ihrem „Abschiedsspiel“ auf Wolfsburger Boden demonstrierte sie noch einmal ihre Weltklasse. Wie in der elften Minute, als Leverkusens Kristin Kögel allein durchgebrochen war. „Ich hätte gern zu null gespielt“, antwortete die Ausnahmetorhüterin hinterher augenzwinkernd auf die Frage, ob sie sich einen besseren Abschied hätte vorstellen können.

VfL verabschiedet fünf Spielerinnen

Der Rest war schier perfekt. Was mit den offiziellen Verabschiedungen vor Spielbeginn emotional begonnen hatte, endete ebenso. Neben Blässe (Ziel unbekannt) und Schult (künftig Angel City FC/Los Angeles) waren auch Shanice van de Sanden (Ziel unbekannt), Lotta Cordes (1. FC Köln) und Turid Knaak (Karriereende) mit Foto-Collagen und Blumen vor Anpfiff auf dem Rasen verabschiedet worden. Gut zwei Stunden später um 16.10 Uhr stemmten die vier VfL-Kapitänninnen die Meisterschale in den blauen Himmel über Wolfsburg.

Dazwischen lag ein mit offenem Visier geführtes Fußballmatch. VfL-Trainer Tommy Stroot hatte Sveindis Jonsdottir und Felicitas Rauch geschont und gar nicht erst in den Kader genommen. Verletzt fehlten erwartungsgemäß Pia Wolter (Kreuzbandriss), Lisa Weiß (Finger-OP) und Rebecka Blomqvist (Sprunggelenk). Leverkusen spielte mit seinen Topspielerinnen, verteilte nur im Tor ein Bonbon an seine 1b, Friederike Repohl, doch dieses dürfte bitter geschmeckt haben.

Pajor und Waßmuth treffen doppelt

Schon in der ersten Hälfte machte der neue deutsche Meister das halbe Dutzend voll. Ewa Pajor (2), Tabea Waßmuth (2), Lena Lattwein und eben Blässe trafen für die Wölfinnen, die im zweiten Durchgang einen Gang zurückschalteten. Gut 20 Minuten vor Schluss schwappte trotzdem die Welle durchs AOK-Stadion. Stroot schöpfte sein Auswechselkontingent aus, um vor dem DFB-Pokalfinale am 28. Mai gegen Potsdam bei einigen Vielspielerinnen Kräfte zu schonen. Trotzdem legte die eingewechselte van de Sanden noch das 7:0 nach. Dass Leverkusens Julia Pollak der Ehrentreffer gelang, war nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Anschließend stieg auf dem Spielfeld die Meisterparty vor den begeisterten Fans. Da landete auch Alexandra Popp einen Volltreffer und verpasste dem Sportlichen Leiter der VfL-Frauen, Ralf Kellermann, eine Bierdusche, die Auswirkungen eines Vollbads hatte. „Die Mädels haben mich und mein Glas perfekt abgeschirmt“, sagte sie feixend. VfL-Team und Fans feierten sich.

Spiel kompakt:

Wolfsburg: Schult – Blässe (53. Wilms), Hendrich (64. Knaak), Janssen, Wedemeyer – Oberdorf (64. Roord) – Waßmuth, Lattwein, Popp (73. Starke), Huth – Pajor (64. van de Sanden).

Leverkusen: Repohl – Siems (83. Vinken), Turanyi, Friedrich, Marti – Gräwe – Zeller (66. Pollak), Wich (46. Matysik), Kögel (46. Blagojevic), Pando (66. Arfaoui) – Nikolic.

Tore: 1:0 Lattwein (3. Minute), 2:0 Waßmuth (13.), 3:0 Pajor (35.), 4:0 Repohl (38./Eigentor), 5:0 Pajor (41.), 6:0 Waßmuth (45.), 7:0 van de Sanden (70.), 7:1 Pollak (74.).

Schiedsrichterin: Mirka Derlin (Dahme).

Zuschauer: 3689 im AOK-Stadion (Saisonrekord für den VfL in der Bundesliga).

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