Wann kann ich das Corona-Homeoffice von der Steuer absetzen?

Berlin.  Homeoffice von der Steuer absetzen? Heimarbeiter sollten für eine Sonderregelung gewappnet sein. Was absetzbar ist – und was nicht.

Wer derzeit von zu Hause arbeitet, hat nicht unbedingt ein eigenes Büro zur Verfügung.

Wer derzeit von zu Hause arbeitet, hat nicht unbedingt ein eigenes Büro zur Verfügung.

Foto: Kerkez / iStock

Ohne Homeoffice läuft nichts in der Corona-Arbeitswelt – aber: Wer jetzt in Küche oder Wohnzimmer seinem Beruf nachgeht, ist steuerlich der Dumme. Nur Kosten für ein richtiges Arbeitszimmer erkennt das Finanzamt an. Was absetzbar ist – und was nicht: die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Steuern und Homeoffice.

Ich arbeite in der Corona-Krise am Küchentisch. Zählt das als Arbeitszimmer?

Nein. Nach aktuellem Steuergesetz können Beschäftigte die Kosten nur absetzen, wenn sie einen separaten Raum für die Arbeit zur Verfügung haben. „Ein richtiges Arbeitszimmer kann steuerlich geltend gemacht werden, die Arbeitsecke am Küchentisch nicht“, erläutert Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH).

Und wenn ich das ganze Wohn- oder Esszimmer für die Arbeit nehme?

Auch das hilft steuerlich nicht weiter. Denn dann würden diese Zimmer doch auch noch dem Privatleben dienen, etwa am Abend. Der Bundesgerichtshof hat jedoch ausdrücklich entschieden: „Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers setzt voraus, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt wird.“ (Az.: GrS 1/14).

Gibt es ein Schlupfloch wegen der Corona-Krise?

Nein, nicht nach geltendem Recht. „Da ist nichts zu machen, es sei denn, man macht ein Zimmer in der Wohnung jetzt extra fürs Arbeiten frei“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Aber selbst dann gibt es noch eine Hürde: Der Raum muss wie ein Büro ausgestattet sein.

Das wäre bei mir machbar, aber was bringt das?

Für ein echtes Arbeitszimmer sind bis zu 1250 Euro pro Jahr als Werbungskosten absetzbar. „Der Höchstbetrag von 1250 Euro ist auch bei nicht ganzjähriger Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers in voller Höhe, also nicht zeitanteilig, zum Abzug zuzulassen“, erläutert BVL-Steuerfachmann Rauhöft.

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Welche Ausgaben zählen hier mit?

Zu den absetzbaren Posten gehören die anteiligen Aufwendungen für die Miete, Reinigungs- und Energiekosten, Grundsteuer, Versicherungen, Müllabfuhrgebühren sowie die Schornsteinfegerkosten, berichtet der Bund der Steuerzahler (BdSt). Beispiel: Beansprucht das Arbeitszimmer zehn Prozent der Wohnfläche, können zehn Prozent der genannten Ausgaben steuermindernd gemeldet werden. Tipp: Kreditzinsen, die in einem selbst genutzten Haus oder einer Eigentumswohnung für das Arbeitszimmer entstehen, sind ebenso absetzbar.

Was ist, wenn eine Corona-Sonderregelung eingeführt werden sollte?

Es ist offensichtlich, dass jemand höhere Kosten hat, selbst wenn er nur in einer Ecke im Flur am PC sitzt. Dass das Gesetz wegen der Corona-Krise geändert wird, ist zwar nicht absehbar. Dennoch: Jeder sollte für den Fall der Fälle gewappnet sein. VLH-Expertin Georgiadis rät, sich eine Bescheinigung vom Arbeitgeber ausstellen zu lassen über den Zeitraum, in dem der Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und deshalb zu Hause gearbeitet werden musste.

Und wenn ich unregelmäßig daheim arbeite?

Jede Minute Arbeitszeit kann wichtig sein. Deshalb: Selbst präzise aufzeichnen, an welchen Tagen und wie lange man jeweils die heimische Arbeitsecke für den Chef nutzte. „Je detaillierter die Aufzeichnungen und die Nachweise sind, desto größer sind die Chancen, dass die Finanzämter die Aufwendungen anerkennen“, betont die VLH.

Ich habe mir jetzt extra einen Laptop gekauft. Kann ich den absetzen?

Ja, privat bezahlte Rechnungen für berufliche Arbeitsmittel können steuerlich geltend gemacht werden – und zwar auch dann, wenn zu Hause kein Platz für ein eigenes Arbeitszimmer ist. Das gilt laut BdSt für Laptop, Computer und Drucker genauso wie etwa für den Bürostuhl oder das Smartphone. Auch die Kosten für PC-Zubehör, Software und eventuelle Reparaturen sind absetzbar.

Aber wenn ich den PC auch privat verwende?

Dann ist eine Aufteilung der Anschaffungskosten vonnöten. Dem BdSt zufolge akzeptieren die Finanzämter meist eine Aufteilung in 50 Prozent Privatnutzung und 50 Prozent berufliche Nutzung. Wichtig ist auch die Höhe der Rechnung. Kostet das Gerät nicht mehr als 952 Euro brutto, kann die Ausgabe auf einen Schlag abgesetzt werden, ansonsten verteilt über meist drei Jahre.

Was ist, wenn ich bald wieder im Betrieb arbeiten kann?

Die Abschreibung ist immer monatsweise vorzunehmen. Beispiel: Wird ein 480 Euro teurer Laptop in diesem Jahr nur drei Monate lang beruflich gebraucht, können 120 Euro als Werbungskosten in die Steuererklärung eingetragen werden, also drei Zwölftel des Kaufpreises.

Und wenn ich ein Privat-Gerät für die Arbeit nehme, das ich schon länger habe?

Es dürfte schwierig werden, diese berufliche Nutzung beim Finanzamt anerkannt zu bekommen, „da hier die entstandenen Kosten nicht feststellbar sind“, vermutet VLH-Expertin Georgiadis. Ihr Rat: „Einfacher ist hier sicherlich, eine Nutzungspauschale mit dem Arbeitgeber auszuhandeln.“

Was ist mit Papier, Schreibmaterial, Druckerpatronen?

Solche Verbrauchsmittel sind absetzbar. Deshalb: Rechnungen unbedingt aufheben. Schwierig wird es hingegen bei Ausgaben wie beispielsweise für Strom. „Gegebenenfalls schätzen“, empfehlen Steuerexperten.

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