Die neuen Apple Watches offenbaren Schwächen im Test

Berlin.  Apple hat seine smarten Uhren erneuert. Was taugen die Watch Series 6 und die günstige Watch SE? IMTEST hat beide Modelle untersucht.

Apple präsentiert neues iPad und neue Smartwatch

Der US-Technologieriese Apple hat bei einer erstmals rein virtuellen Produktshow ein neues iPad und eine neue Smartwatch vorgestellt.

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Ein schnellerer Chip, neue Sensoren und vor allem die Möglichkeit, den Blutsauerstoffgehalt messen zu können: Im Inneren der Apple Watch Series 6 hat sich im Vergleich zum Vorgänger einiges getan. Auch das neue Betriebssystem watchOS 7 mit vielen hilfreichen Funktionen feiert Premiere. An der Optik der smarten Uhr hat sich bis auf Displayhelligkeit, neue Armbänder und Farben wenig verändert. Neu ist aber die günstigere Apple Watch SE, die im Wesentlichen auf der Watch Series 5 aufbaut.

Blutsauerstoffgehalt messen

Auch wenn sogenannte SpO2-Messungen bei Smartwatches keine Revolution mehr sind (Hersteller wie Garmin, Samsung und Huawei bieten die Funktion ebenfalls), dürfte die Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes in erster Linie für Bergsteiger, Piloten, Taucher sowie Menschen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD (eine chronische Verengung der Atemwege) interessant sein. Wer nicht zu diesen Gruppen zählt, dem bringt die Funktion nicht sonderlich viel.

Apples Messmethode setzt im Gegensatz zu medizinischen Messgeräten für die Fingerkuppe (ab 30 Euro erhältlich) zudem nicht auf Durchleuchtung, sondern auf Reflexion (Photoplethysmographie). Dabei sen­den vier Sensoren rotes und infrarotes Licht ins Handgelenk. Je mehr Rot reflektiert wird, desto sauerstoffreicher das Blut.

IMTEST-Experte PD Dr. Peter Simon kann dem Verfahren nicht viel abgewinnen: „Anders als die Pulsoxymetrie, die permanent misst und somit Abweichungen korrigiert, erfolgt die Messung bei der Apple Watch nur nach manueller Aktivierung. Entsprechend sind die Werte ungenau und für medizinische Zwecke ungeeignet.“ Technisch wäre die Uhr zudem in der Lage, mithilfe ihrer Sensoren Atemaussetzer während des Schlafs zu erkennen, Apple bietet so eine Auswertung aber leider (noch) nicht an.

Verbesserungen im Detail

Neben einem stärkeren Prozessor und dem laut Apple-Angaben bis zu Zweieinhalbmal helleren Bildschirm bei Sonnenlicht fallen im Vergleich zur Apple Watch 5 die weiteren Neuerungen kaum auf. Denn Bedienung und Ablesbarkeit waren auch schon vorher erstklassig.

Neu sind zudem ein genauerer und vor allem immer aktiver Höhenmesser, mit Blau und Rot zwei neue Gehäusefarben sowie mehr Auswahl bei Zifferblättern und Armbändern – neun neue Farben gibt es. Überdies hat Apple mit watchOS 7 die Software überarbeitet. Davon profitieren auch ältere Modelle bis hin zur Series 4.

So lassen sich etwa dank „Familienkonfiguration“ Mobilfunk-­Varianten der Apple Watch auch für zum Beispiel Kinder einrichten, die kein iPhone haben. Auf diese Weise können Eltern den Standort überwachen und Telefonate zu ausgesuchten Kontakten erlauben.

Akku mangelt es an Ausdauer

Geblieben ist die von den Vorgängern bekannte, schwache Akkulaufzeit von maximal 18 Stunden. Bedeutet: Die Uhr muss im Prinzip jeden Tag an die Steckdose. Auch wenn das Laden (1,5 Stunden statt vorher 2,5 Stunden von 0 auf 100 Prozent) jetzt flotter vonstattengeht, ist das einfach nicht mehr zeitgemäß.

Außerdem liefert Apple das Netzteil zur Watch 6 nicht mehr mit, in der Packung befinden sich neben Uhr und dem Armband in Wunschfarbe nur noch das Ladekabel nebst ma­gnetischem Ladeadapter („Puck“).

Der neue Star? Apple Watch SE

Ist die abgespeckte und gut 130 Euro günstigere SE-Variante vielleicht die bessere Wahl? Im Gegensatz zur Watch 6, die mit Preisen ab 418 Euro für die Version ohne LTE startet, gibt es die neue Special Edition schon ab 292 Euro (mit WLAN). Dafür fehlen EKG- und SpO2-Sensoren sowie die Immer-an-Funktion für den Bildschirm, und es steckt der rund 20 Prozent langsamere Prozessor der Watch 5 drin.

Um die Zeit abzulesen, muss fürs Aktivieren des Displays entweder an der Krone gedreht oder das Handgelenk gehoben werden. Das Always-on-Display der Series 6 ist zweifellos die elegantere Lösung. Wen das nicht stört, bekommt mit der Watch SE aber viele hervorragende Smart-Funktionen, inklusive Telefonieren ohne Smartphone (nur mit der LTE-Version möglich). Bedienung und Bildschirm sind auch ebenbürtig.

Sport: Konkurrenz bietet mehr

Explizite Sportuhren sind aber weder die Apple Watch Series 6 noch die Watch SE. Zwar sind alle wichtigen Sensoren für Ortung (GPS), Puls, Beschleunigung und vieles mehr an Bord, weitergehende Informationen zur Trainingsgestaltung, -Belastung und Regeneration fehlen aber komplett.

Für Durchschnittssportler, die in Form kommen und fit werden wollen, ist das sicherlich ausreichend. Wer aber Fokus auf ernsthaftes Training oder Wettkämpfe legt, ist bei Spezialisten wie Garmin oder Polar immer noch besser aufgehoben.

Fazit

Die neue Apple Watch Series 6 rechtfertigt mit Blutsauerstoffsensor und verbessertem Höhenmesser für Besitzer der 5er-Version keinen Neukauf. Wer aber noch keine Smartwatch hat, kann getrost zuschlagen. Die Apple Watch ist und bleibt aufgrund ihrer überragenden smarten Funktionen klar die Nummer eins für iPhone-Nutzer. Das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet allerdings das SE-Modell, auch wenn die EKG-Funktion fehlt.

Apple Watch Series 6, 44 mm Edelstahl GPS + Cellular (LTE)
IMTEST-Note: gut 2,0

  • Preis: 759,35 Euro
  • Gewicht: 47,1 g
  • Bildschirm: 368 x 448 Bildpunkte
  • Sensoren: u. a. EKG, SpO2, Herzsensor, Höhenmesser, Kompass, GPS/GNSS, Beschleunigungs­sensor
  • Konnektivität: LTE/UMTS, WLAN, Bluetooth
  • Speicher: 32 GB
  • Das neue Spitzenmodell: Im Vergleich zur Apple Watch 5 ist die neue Watch 6 lediglich ein kleiner Evolutionsschritt. Unabhängig davon stellt das neue Spitzenmodell unangefochten die beste Allround-Smartwatch für iPhone-Nutzer dar.
  • Neuer Sensor: Die Apple Watch sendet rotes und infrarotes Licht ins Handgelenk und misst so ziemlich genau die Sauerstoffsättigung im Blut.
  • Stärke: Bietet alle Funktionen samt EKG und Immer-An-Bildschirm
  • Schwäche: Der neue SpO2-Sensor ist nur für eine kleine Zielgruppe interessant.

Apple Watch SE, 40 mm Alu GPS + Cellular (LTE)
IMTEST-Note: gut 2,0 / Empfehlung der Redaktion

  • Preis: 340,20 Euro
  • Gewicht: 30,7 g
  • Bildschirm: 324 x 394 Bildpunkte
  • Sensoren: u. a. Herzsensor, Höhenmesser, Kompass, GPS/GNSS, Beschleunigungs­sensor
  • Konnektivität: LTE/ UMTS, WLAN, Bluetooth
  • Speicher: 32 GB
  • Smart gespart: Kein Elektrokardiogramm (EKG), kein Blutsauerstoffsensor und vor allem kein Immer-An-Bildschirm, dafür aber rund 175 Euro günstiger. Die neue Apple Watch SE ist für preissensitive Käufer das attraktivere Angebot.
  • Funktional vorn: Keine andere Smartwatch ist so smart wie die Apple Watch. Das gilt auch uneingeschränkt für die leicht abgespeckte Special Edition.
  • Stärke: Bietet die gleichen erstklassigen Smart-Funktionen wie die Watch 6
  • Schwäche: Bildschirm muss immer „aufgeweckt“ werden

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