Auto-Experte: „Mehr Elektroautos durch die City-Maut“

Braunschweig  Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sagt, dass eine City-Maut die Nachfrage nach E-Autos steigern könne. Das stößt auf massive Kritik.

Mensch und Maschine auf dem Bohlweg in Braunschweig.

Mensch und Maschine auf dem Bohlweg in Braunschweig.

Foto: Norbert Jonscher

Wenn es um das Thema PKW-Maut geht, verziehen sich in Deutschland viele Gesichter. Autofahrer fürchten um Komfort und Geld, Politiker um Rückhalt. Und nun feuert Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte an der Universität Duisburg-Essen, die Diskussion weiter an.

Es geht nicht um die PKW-Maut auf Autobahnen, sondern in der Innenstadt. Diese City-Maut auf Benzin- und Diesel-Fahrzeuge, sagt Dudenhöffer, würde einen Nachfrageschub für das Elektro-Auto auslösen – und somit helfen, den Ausstoß von Stickstoffdioxid zu reduzieren.

Nötig sei dieser Anreiz, so Dudenhöffer, weil Deutschland trotz Milliardeninvestitionen bei der
E-Mobilität international zu den Schlusslichtern gehöre. Es müsse Anreize für Autofahrer geben, sich für ein E-Auto zu entscheiden. „Wer mit Emissionsschleudern in die Städte fährt, hat keine Nachteile, wer mit Null-Emissionsfahrzeugen fährt, hat keinen Vorteil“, sagt Dudenhöffer. Das solle sich durch die Maut ändern.

Der ADAC lehnt solche Gebühren grundsätzlich ab. In einer Mitteilung heißt es: „Die Autofahrer haben durch hohe Steuern ihre Straßen bereits voll bezahlt. Man darf sie nicht noch einmal zur Kasse bitten.“ Eine City-Maut berge die Gefahr in sich, mehr Verkehr im Umland zu verursachen und Kunden aus den Innenstädten in Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu verdrängen. Staubedingte Verkehrsprobleme würden durch eine Maut nicht gelindert, so der ADAC.

Das niedersächsische Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bewerte die Maut-Diskussion mit Zurückhaltung, sagt Sprecher Stefan Wittke. Thema sei die City-Maut im Ministerium nicht, und er sagt klar: „Die E-Mobilität zu fördern, indem auf andere Autos eine Maut erhoben wird, ist der falsche Weg.“ Die Regierung wolle E-Mobilität fördern. Es müssten und würden vielmehr andere Reize geschaffen. Dazu zählten die Förderung von E-Ladesäulen und das kostenlose Parken von E-Autos.

Das Schaufenster Elektromobilität der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg fördert Projekte dieser Art. Gerold Leppa, Geschäftsführer der Metropolregion, sagt: „Im Herbst werden verstärkt Ladesäulen in der Region aufgestellt.“ Es gebe auch bereits eine Willenserklärung der Kommunen, E-Autos kostenfreies Parken zu ermöglichen. Dabei gebe es jedoch noch rechtliche Hürden. Unklar ist noch, wie ein E-Auto als solches gekennzeichnet werden soll.

Die City-Maut ist auch laut Leppa kein Mittel zur Lösung des Verkehrsproblems und auch keines zur Steigerung der Anzahl von E-Fahrzeugen. „E-Autos sind in der Anschaffung teuer und lohnen sich nur bei intensiver Nutzung.“ In den Innenstädten stünden außerdem oft elektrisch betriebene öffentliche Nachverkehrsmittel zur Verfügung. „In den eher kompakten Innenstädten unserer Region ist für den innerstädtischen Verkehr eine Maut auch kaum umsetzbar.“ Dazu seien die Wege zu kurz und damit der Nutzen für
E-Autos entsprechend gering. „Die Kommunen in der Metropolregion setzen auf die Privilegierung von Elektrofahrzeugen, nicht auf ‚Bestrafung‘ anderer.“

Die City-Maut ist jedoch weit entfernt von einer Umsetzung. Rainer Keunecke, Sprecher der Stadt Braunschweig, sagt: „Es gibt keine Überlegungen, in Braunschweig eine City-Maut einzuführen.“ Durch ein Durchfahrverbot für schwere LKW in der Innenstadt, eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern am Bohlweg und eine Förderung des Radverkehrs sei es gelungen, den Schadstoffausstoß zu reduzieren.

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