Unsere Region blickt optimistisch aufs neue Jahr

Schöningen.  Die Konjunktursorgen teilen viele Wirtschaftsvertreter auf dem IHK-Neujahrsempfang nicht. Mit einer leichten Abkühlung rechnen allerdings einige.

Ein Blick ins Publikum des Neujahrsempfangs der IHK Braunschweig im Paläon in Schöningen.

Ein Blick ins Publikum des Neujahrsempfangs der IHK Braunschweig im Paläon in Schöningen.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Wirtschaftsvertreter aus unserer Region teilen die Sorgen um eine nachlassende Konjunktur nicht – oder zumindest nur bedingt. Auf das neue Jahr blicken sie überwiegend optimistisch, vor allem für das eigene Geschäft. Das berichteten viele der Gäste des Neujahrsempfangs der IHK Braunschweig.

Siemens-Werkleiter: "Das Mobilitätsgeschäft boomt"

Petra Mersmann-Dunkel zum Beispiel, Personalerin bei „EEW Energy from Waste“ in Helmstedt, schätzt, dass sich die Wirtschaft zwar etwas abschwächen, aber auf einem relativ hohen Niveau halten werde. „Für unsere Branche bin ich sehr optimistisch.“

Auch Thorsten Sponholz, Werkleiter von Siemens in Braunschweig, kann sich freuen: „Das Mobilitätsgeschäft boomt.“ Zurzeit werde viel in die Verbesserung des Schienenverkehrs investiert. Er zeigte sich auch optimistisch, dass die Fusion mit Alstom klappt.

Zwar wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in seinen Augen schwieriger, die Lage sei aber nicht so schlecht, wie verbreitet werde. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht ins Negative hineinreden.“ Sonst würden zum Beispiel Investitionen fehlen. Auch in unserer Region müsse in die Zukunft investiert werden, sprich in die Elektromobilität. Andererseits müsse das Thema Diesel wieder in normales Fahrwasser gebracht werden.

Niedersachsenmetall-Präsident Wolfgang Niemsch berichtete von erheblichen Einbrüchen bei Automobilzulieferern, die Diesel-Technik liefern. Er hält die Diesel-Debatte für hysterisch. „Wir sollten uns mehr um die CO2-Emissionen Gedanken machen.“ Alles in allem sei die Stimmung aber noch positiv, die Auftragslage gut. Niemsch rechnet mit einer leichten Abkühlung, allerdings nicht mit dramatischen Einbrüchen. Das Bruttoinlandsprodukt wird seiner Einschätzung nach stabil bleiben.

Auch Braunschweigs Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa hofft auf eine stabile Entwicklung. „Ich rechne aber nicht mehr mit großem Wachstum.“ Entscheidend für unsere Region sei nun, wie VW bei der Produktion vorankomme, sowohl was die Nachwehen der Probleme mit dem neuen Abgasprüfverfahren WLTP angeht als auch die Elektromobilität. „Ich bin optimistisch, dass das klappt.“ Gleichzeitig bringe die Digitalstrategie des Autobauers den regionalen IT-Firmen Beschäftigung. Andererseits wirken sich die „Störfaktoren“ China und USA Leppa zufolge auch auf den exportorientierten Mittelstand aus.

Claudius Traumann, Vorsitzender des Helmstedter Einzelhandelskreisverbands, sorgt sich durchaus vor einem Konjunkturabschwung – aber nicht in diesem Jahr. Der IT-Unternehmer erwartet für den Einzelhandel einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Meike Jenzen-Kociok, Filialleiterin von „Julius.Buch“ in Helmstedt, appellierte an die Verbraucher, bei Händlern vor Ort einzukaufen. „Sonst fließen auch keine Gewerbesteuern.“

Große Sorgen macht sich hingegen Ex-VW-Manager Ulrich Thein. Denn während andere Länder ihre Wirtschaft schützten, neigten die Deutschen dazu, sich selbst schlecht zu machen. So werde etwa der Diesel zu Unrecht negativ behandelt, wohl auch in diesem Jahr. Der Vorsprung, den der asiatische Raum in vielem habe, könne nicht mehr aufgeholt werden. China beispielsweise habe Pläne über Generationen – und setze diese auch um.

Niemsch ärgert sich ebenfalls über „unsinnige und bürokratische Vorgaben der EU“ – mit denen Wettbewerber in Nicht-EU-Ländern nicht kämpfen.

Nach Meinung des CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Müller aus Braunschweig wird in diesem Jahr die Frage des Brexit entscheidend. „Die Vorbereitungen für einen harten Brexit zeigen, wie groß die Verunsicherung ist.“ Müller hält „alles für möglich“.

Deutlich beschleunigt werden muss seiner Meinung nach der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Vor allem ländliche Gegenden wie Schöningen, wohin die IHK diesmal eingeladen hatte, müssten berücksichtigt werden.

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