Streit zwischen USA und China belastet deutsche Wirtschaft

Berlin  China verhängt Vergeltungszölle gegen die USA im Volumen von 60 Milliarden Dollar. Forscher warnen vor einer Eskalation des Konflikts.

Noch floriert der Handel zwischen den USA und China – doch die Importe werden durch Strafzölle teurer.

Noch floriert der Handel zwischen den USA und China – doch die Importe werden durch Strafzölle teurer.

Foto: dpa Picture-Alliance / Uncredited / picture alliance/AP Photo

Die Börsen reagierten weltweit nahezu im Gleichklang. Die jüngste Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die Unsicherheiten nicht nur in den Heimatländern der Kontrahenten verschärft, sondern auch in Europa. Die Furcht vor einem Handelskrieg verschreckt immer mehr Anleger und Investoren. Mit der Folge: Die Kurse tendieren abwärts.

Nachdem die USA schon am Wochenende angedroht hatten, künftig sämtliche chinesischen Importe im Wert von 500 Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen, holte das Reich der Mitte am Montag zum Gegenschlag aus: Die Volksrepublik will ab Juni amerikanische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar (53,34 Milliarden Euro) mit zusätzlichen Zollabgaben belegen.

Betroffen sind 5140 Produkte. Für knapp die Hälfte dieser Waren sollen die Zölle um zusätzliche 25 Prozent angehoben werden – darunter fällt auch Flüssiggas.

„Deutsche Wirtschaft droht Gefahr, seitwärts zu laufen“

Eigentlich hatte US-Präsident Donald Trump die Chinesen vor Vergeltungsmaßnahmen gewarnt. Doch diese Drohung ließ die Herrschenden in Peking angesichts der zuvor gegen sie verhängten Strafzölle auf Waren in Höhe von 200 Milliarden Dollar kalt.

Sie wurden von 10 auf 25 Prozent angehoben. Zudem waren zuvor die zweitägigen bilateralen Gespräche in Washington zu dem Handelskonflikt ergebnislos zu Ende gegangen. Die „Anpassungen“ seien deshalb „notwendige Gegenmaßnahmen“ und eine „Antwort auf den US-Unilateralismus und Handelsprotektionismus“, so die Begründung der Chinesen.

„Es war klar, dass die chinesische Führung nicht tatenlos bleibt, zumal China bisher die ökonomische Hauptlast des Handelskonflikts getragen hat“, sagt der Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, unserer Redaktion. „Zugleich haben solche Konflikte etwas Spielerisch-Hazardeurhaftes. Beide Seiten reizen den Konflikt so weit wie möglich.“

Der Unterschied zu früheren Fällen sei die Unberechenbarkeit von Trump, meint Hüther: „Hier liegt das Risiko für die Weltwirtschaft. Und die deutsche Wirtschaft droht Gefahr, seitwärts zu laufen.“

Zahlen, bitte- So lese ich eine Bilanz

Deutschland bezieht die meisten Importe aus China

Denn der Handelsstreit trifft auch Deutschland, das mit beiden Großmächten einen engen Warenaustausch pflegt: Aus China bezieht Deutschland die meisten Importe, in die USA gehen wiederum die meisten Exporte. Bleibt es bei den Strafzöllen, kosten diese die deutschen Exporte 2020 rund zwei Milliarden Euro, hat das IW aktuell berechnet.

Zudem schaffe der Konflikt „Unsicherheit und reduziert dadurch die Investitionen“, meint Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Deutsche Unternehmen exportieren aus den USA nach China und sind so durch die Eskalation des Handelskonflikts direkt beeinträchtigt.“

Auch der deutsche Außenhandelsverband reagiert alarmiert: „Die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten mit China ebenso wie mit Europa sind brandgefährlich für die Weltwirtschaft. Viele Arbeitsplätze und unser wirtschaftlicher Wohlstand hängen vom Zugang deutscher Unternehmen zu Märkten auf der ganzen Welt ab“, sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Die deutsche Politik müsse sich mit höchster Priorität dafür einsetzen, „solide und verlässliche Rahmenbedingungen für den globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen“ wieder herzustellen.

Unklar, wann die Gespräche fortgesetzt werden

Die größten Leidtragenden sind aber nach Ansicht von Ökonomen die beiden Handelsgegner selbst. So dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt der USA nach IW-Berechnungen im Jahr 2020 um 0,1 Prozent kleiner ausfallen, in China sei sogar mit Einbußen von 0,3 Prozent zu rechnen, schätzt die IW-Außenhandelsexpertin Galina Kolev.

Ob der Konflikt gelöst werden kann, ist offen. Noch ist nicht klar, ob und wann die Gespräche zwischen den beiden großen Weltmächten fortgesetzt werden. Trump hatte per Twitter Chinas Präsidenten gewarnt, „dass China sehr schwer getroffen wird, wenn sie kein Abkommen abschließen, weil Unternehmen gezwungen werden, China zu verlassen und in andere Länder zu gehen.“

Chinas Außenminister Wang Yi konterte wiederum: „Versuche, Druck auszuüben, werden die Situation nur verschlimmern.“ China werde seine Interessen verteidigen.

Führt Trump noch vor dem 18. Mai Autozölle ein?

Die Eskalation zwischen den USA und China könnte unterdessen dazu führen, dass der US-Präsident angekündigte Sanktionen gegen die Europäische Union erst einmal verschiebt. So rechnet EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström nicht damit, dass Trump noch in dieser Woche Zölle auf Autoimporte aus der EU verhängen wird.

„Die Deadline für die Autozoll-Entscheidung ist der 18. Mai, aber die Frist kann verlängert werden. Und es gibt Signale, dass sie verlängert werden könnte – wegen den Verhandlungen zwischen den USA und China“, sagte die Schwedin der „Süddeutschen Zeitung“.

US-Präsident Trump stört sich – wie auch im Konflikt mit China – daran, dass die EU mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Auf Stahl- und Aluminiumimporte ließ er bereits Sonderzölle einführen, worauf die EU mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte reagierte.

„Wir befinden uns nunmehr in der Eskalationsphase eines Handelskriegs, in der sich zumindest der amerikanische Präsident Vorteile von hohen Zöllen verspricht“, bewertet der Wirtschaftsprofessor der Uni Duisburg-Essen, Gustav Horn, die Lage. „Er wird lernen müssen, dass dem nicht so ist. Schlimm ist, dass die gesamte Weltwirtschaft die Kosten dieses Lernprozesses mittragen muss.“

Es war klar, dass die chinesische Führung nicht tatenlos bleibt.
Michael Hüther, Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

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