Auerswald – Telefone „Made in Cremlingen“

Cremlingen.  Unternehmerpreis der Region 38 - Die Firma entwickelt digitale Telefonanlagen – und dringt damit verstärkt in internationale Märkte vor.

Christian Auerswald zeigt Leiterkarten, die in Telefonen verbaut werden. Im Hintergrund ist eine automatisierte Produktionslinie zu sehen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen in der Fertigung 30 Mitarbeiter am Standort Schandelah.

Christian Auerswald zeigt Leiterkarten, die in Telefonen verbaut werden. Im Hintergrund ist eine automatisierte Produktionslinie zu sehen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen in der Fertigung 30 Mitarbeiter am Standort Schandelah.

Foto: Philipp Ziebart / BestPixels.de

Sie ist eine der wenigen Firmen, die Telefone und ITK-Systeme – also digitale Telekommunikationsanlagen – noch in Deutschland entwickelt und fertigt. Doch für Auerswald aus Schandelah in Cremlingen lohnt sich „Made in Germany“. Obwohl der Markt in Deutschland schrumpft, konnte das Unternehmen zuletzt seine Anteile ausbauen, wie der Geschäftsführer Christian Auerswald berichtet. Das Unternehmen will dennoch auch neue ausländische Märkte erobern. Macht deren Anteil am Umsatz derzeit noch 15 Prozent aus, soll er sich in den nächsten Jahren auf 20 bis 30 Prozent steigern. „Wir sind auf Wachstumskurs“, erklärt Auerswald.

Das Unternehmen mit 180 Beschäftigten hat 2017 eigens eine zweite Marke, „Fontevo“, ins Leben gerufen – „Auerswald“ sei für Briten und Franzosen zu schwer auszusprechen. Ein Jahr später, 2018, ist das Cremlinger Unternehmen in den britischen Markt eingestiegen, Anfang dieses Jahres mit einem Vertriebsbüro in den französischen. In Griechenland ist das Unternehmen bereits seit Jahren aktiv, seine Produkte nutzt dort unter anderem die griechische Telekom. Außerdem verkauft Auerswald seine Telefone und Anlagen in der Schweiz, Österreich, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Slowenien. Kunden des Telekommunikationsunternehmens sind nicht die Endnutzer, sondern Vertriebspartner.

„Wir bieten viele branchenspezifische Lösungen an“, erklärt Auerswald. Unter anderem nutzen Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen oder Autohäuser ihre Telefonanlagen mit „Smartphone-Feeling“, wie Auerswald sagt. Für Autohäuser bietet Auerswald beispielsweise ein sogenanntes Multizellendectsystem an, das für eine gute Verbindung von Schnurlos-Telefonen auf großer Geländefläche sorgt.

Eine andere Funktion ist zum Beispiel die Raumüberwachung. Das Tischtelefon eines Nutzers ist in diesem Fall per Bluetooth mit dessen Handy verbunden und erfährt darüber, ob er im Raum ist oder nicht – vorausgesetzt, er trägt das Smartphone bei sich. Der Nutzer kann dabei zum Beispiel einstellen, dass das Tischtelefon den Anruf auf sein Handy umleitet, wenn die Bluetoothverbindung gekappt ist.

Ein weitere Funktion der digitalisierten Tischtelefone ist etwa das Erkennen von Bewegung: Befindet sich beispielsweise ein Rechtsanwalt im Gespräch mit einem Klienten und das Telefon klingelt, kann er über eine Handbewegung den Anruf an den Anrufbeantworter oder das Sekretariat weiterleiten.

Entwickelt wird die Technologie der Anlagen sowie die Telefone und Zubehör in Cremlingen und in zwei weiteren Büros in Hannover und Berlin. Gefertigt wird inzwischen wieder ausschließlich in Cremlingen – nach einem vier Jahre langen Intermezzo in China. 2005 holte das Unternehmen die Fertigung wieder zurück in den Wolfenbütteler Landkreis, in der heute 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Wir hatten Qualitätsprobleme mit den Lieferungen“, erklärt Auerswald. Die waren einmal so gravierend, dass nicht alle Kunden beliefert werden konnten. „Damit kann man sich schnell seinen guten Ruf kaputt machen“, erklärt der Geschäftsführer.

In Cremlingen produzieren die Mitarbeiter heute rund 60.000 Produkte pro Jahr. Ein großer Teil der Herstellung läuft automatisiert. Dadurch und durch eine „geschickte Konstruktion“ einer Telefonserie beispielsweise, verzeichnet das Unternehmen inzwischen eine Produktivitätssteigerung von mehr als 20 Prozent im Vergleich zur Produktion in Asien, sagt Auerswald.

Angewiesen ist das Unternehmen dennoch auf chinesische Produkte: Dort bekommt es etwa Leiterkarten her – ein Bestandteil jedes Telefons. Ein extremer Vorteil sei aber die Nähe von Entwicklern und Produktionsmitarbeitern am Standort in Cremlingen. „Sie treffen sich am Mittagstisch in der Kantine und können dort die Produkte besprechen“, sagt Auerswald. Das hat allerdings auch seinen Preis: „Wir sind ganz klar kein Billiganbieter“, sagt der Geschäftsführer.

Der 37-Jährige ist 2008 in das Familienunternehmen als Abteilungsleiter Materialwirtschaft eingestiegen, seit 2014 ist er Teil der Geschäftsführung. „Ich bin groß geworden mit dem Unternehmen und habe seit meinem 16. Lebensjahr immer wieder hier gearbeitet“, erzählt Auerswald. Von der Handbestückung in der Produktion über den Kundenservice bis hin zu Marketing und Vertrieb – Auerswald kennt jede Abteilung der Firma. Im September steht nun der Generationenwechsel an, der schon lange vorbereitet wurde: Sein Vater Gerhard Auerswald, 67, scheidet als Geschäftsführer aus dem Unternehmen aus. „Ich bin ein wenig gespalten. Ich freue mich einerseits, dass er das Vertrauen in mich hat. Andererseits ist es auch schade, weil es mit uns beiden sehr gut funktioniert hat“, sagt Auerswald. Er sei studierter Betriebswirt, sein Vater Ingenieur – das habe sich gut ergänzt.

Seinen Stempel hat Auerswald dem Unternehmen aber schon längst aufgedrückt, zum Beispiel in Sachen Führungskultur. Seit einem Jahr duzen sich etwa alle Mitarbeiter und Chefs. „Das hat die Zusammenarbeit positiv beeinflusst“, sagt der Unternehmer.

Die Finalisten des „Unternehmerpreises der Region 38“stellen wir hier in einer Serie vor. Der Preis zeichnet unternehmerischen Erfolg, innovative Ideen, vorbildliche Unternehmensführung, nachhaltiges Wirtschaften und das Bekenntnis zu unserer Region aus. Die Wirtschaftsredaktionen von „Standort 38“ und unserer Zeitung, die Braunschweiger Privatbank und der Verein „Die Familienunternehmer“ verleihen diesen am 5. September im BZV Medienhaus.

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