Nordzucker erwartet unterdurchschnittliche Rübenerträge

Braunschweig.  Die Braunschweiger Nordzucker AG produziert seit Donnerstag. Die Rübenerträge sind auf Vorjahresniveau – die Nachfrage nach Bio-Zucker steigt.

Ein Rübenroder zieht Zuckerrüben – in diesem Jahr wird die Ernte wohl ähnlich schlecht ausfallen, wie im Vorjahr.

Ein Rübenroder zieht Zuckerrüben – in diesem Jahr wird die Ernte wohl ähnlich schlecht ausfallen, wie im Vorjahr.

Foto: Archiv

Wie bereits im vergangenen Jahr erwartet die deutsche Zuckerindustrie auch in diesem Spätsommer eine unterdurchschnittliche Zuckerrübenernte. „Die Rübenanbaufläche ist auf 375.000 Hektar gesunken. Das sind ca. 15.000 Hektar weniger gegenüber dem Vorjahr. Die erwartete Zuckererzeugung liegt auf dem Niveau des Dürrejahres 2018“, sagt Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

In unserer Region ist die Anbaufläche der Landwirte, die für Nordzucker produzieren, nach Angaben des Landvolks seit 2017 zwar von 200 auf 700 Hektar gestiegen, doch auch hier seien die Aussichten für eine gute Ernte schlechter als in anderen Regionen, wie etwa in Skandinavien oder der Slowakei, sagt Nordzucker-Sprecher Christian Kionka.

„Wie im vergangenen Jahr gab es lokal sehr unterschiedlich starke Regenfälle. An manchen Stellen sind die Zuckerrüben gut gewachsen, an anderen weniger.“ Das liege auch daran, dass die Rüben aufgrund ihres niedrigeren Preisniveaus weniger stark gewässert worden seien als beispielsweise Kartoffeln, wie der Vorsitzende des Landvolks Braunschweiger Land, Ulrich Löhr, erklärt.

Für Nordzucker, die ihren Sitz in Braunschweig haben, hat die diesjährige Kampagne – die Zeit, in der die Rüben in den Fabriken zu Zucker verarbeitet werden – am Donnerstag in einem polnischen Werk begonnen. Am Freitag startet sie in Niedersachsen mit dem Werk Nordstemmen, am Samstag folgt das Werk Schladen, das Öko-Zuckerrüben verarbeitet. Später sollen dann weitere Fabriken in Niedersachsen, Polen, Dänemark, Schweden, Finnland, Litauen und der Slowakei folgen. Die Kampagne dauert laut Nordzucker bis Januar.

Der Konzern rechnet mit einem ähnlichen Ertragsniveau wie im Vorjahr. Die Gefahr, dass man die Nachfrage nach Zucker in diesem Jahr nicht erfüllen kann, bestehe laut Kionka aber nicht: „Die Zuckerrübe kommt an sich auch mit wenig Wasser aus, da sie sehr stark und tief wurzelt. Abgesehen davon gehen wir davon aus, dass es künftig auch wieder regnen wird“, so der Nordzucker-Sprecher.

Wenn das nicht passiert und es auch im kommenden Jahr einen Dürre-Sommer geben sollte, sei man darauf jedoch vorbereitet. Ob durch Züchtung widerstandsfähigerer Pflanzen oder durch spezielle Bodenbehandlung könne man auf die klimatischen Gegebenheiten reagieren. „Trockenheit gibt es ja aber auch nicht erst seit gestern. Gerade auf den Anbauflächen im Schatten des Harzes kennen wir das.“

Zuletzt sei vor allem die Nachfrage nach Bio-Zucker gestiegen – bei Nordzucker ein bislang noch relativ kleines Segment, das künftig jedoch weiter ausgebaut werden solle, berichtet Kionka. Derzeit mache die europäische Erzeugung aus dem Anbau von Bio-Rüben gerade einmal zehn Prozent aus, der Rest stamme aus Südamerika. „Bio-Zucker unterscheidet sich rein optisch erst einmal nicht von herkömmlichem Zucker. Er wird allerdings aus speziell gedüngten Zuckerrüben hergestellt, die ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angebaut werden.“

Regionalität und Nachhaltigkeit hätten jedoch auch ihren Preis: „Beim Anbau von Bio-Rüben entstehen höhere Kosten und auch die Ernte fällt zwangsläufig noch einmal geringer aus“, erklärt Kionka. „Auch deshalb brauchen wir höhere Zuckerpreise.“

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