Der Abschwung erfasst die Dienstleister in Niedersachsen

Braunschweig.  Die niedersächsische Wirtschaft zeigt sich besorgt und fordert Schützenhilfe von der Politik.

Die Industrie- und Handelskammer IHK  Niedersachsen stellt am 10. Oktober eine Konjunkturumfrage für Niedersachsen vor (Symbolbild).

Die Industrie- und Handelskammer IHK  Niedersachsen stellt am 10. Oktober eine Konjunkturumfrage für Niedersachsen vor (Symbolbild).

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Der Abschwung der niedersächsischen Industrie erfasst nun auch andere Branchen. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Niedersachsen, wie diese am Donnerstag mitteilte.

„Was anfangs in der Industrie mit Handelsstreitigkeiten und Strukturbrüchen begann, greift langsam auf alle Branchen über“, warnte Hauptgeschäftsführer Horst Schrage – und ein Ende sei nicht absehbar. „Die Stützen der Konjunktur, Konsum und Dienstleistungen, werden schwächer und drohen wegzusacken“, schrieb die IHK.

Konjunkturklima-Indikator unter Schnitt

Knapp 1900 niedersächsische Unternehmen wurden befragt. Der Konjunkturklima-Indikator ging demnach zum siebten Mal in Folge zurück und lag im dritten Quartal mit 95 Punkten deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 107 Punkten. Das Stimmungsbild für unsere Region soll am Montag folgen.

Die Wirtschaftslage in Niedersachsen habe sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Aktuell bewerten noch 28 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut; im Vorjahr waren es noch 39 Prozent. Zufrieden zeigen sich noch 59 Prozent.

Auftragspolster bei Industrie aufgebraucht

Die Erwartungen an die kommenden Monate hätten sich noch stärker verschlechtert. 33 Prozent der Betriebe erwarten eine ungünstige Entwicklung – nach 22 Prozent im Vorquartal. Noch 12 Prozent rechnen mit einer besseren Geschäftsentwicklung.

Beim Sorgenkind Industrie scheint das Auftragspolster des langen Aufschwungs laut den Kammern „endgültig aufgebraucht“. Die Umsätze seien erstmals rückläufig. Die Verbraucher zeigten sich davon zwar bislang noch unbeeindruckt, „der Konsum brummt“. Doch der Einzelhandel rechne mit einer Abschwächung des Geschäfts.

Investitionen anzuschieben statt blockieren

Die Dienstleistungsunternehmen seien vom Abschwung der Industrie bereits „voll erfasst“ worden. Die Auftragseingänge stagnierten, die Geschäftsaussichten lägen zum ersten Mal nach sieben Jahren wieder im negativen Bereich. Gut läuft es dagegen nach wie vor in der Bau- sowie in der Versicherungswirtschaft.

IHK-Geschäftsführer Schrage forderte die Politik auf, Investitionen anzuschieben statt zu blockieren. Genehmigungsverfahren müssten schlanker und schneller werden. Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall verlangte erneut, die mögliche Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes auf zwei Jahre zu erhöhen.

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