Langsame Ticket-Erstattungen: Politik wütend auf Lufthansa

Berlin.  Noch immer hat die Lufthansa nicht alle Tickets für abgesagte Flüge erstattet. Jetzt verliert die Politik die Geduld mit dem Konzern.

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Mit neun Milliarden Euro Staatshilfe musste die in der Corona-Krise strauchelnde Lufthansa gerettet werden – doch die Kunden haben davon bislang offenbar wenig. Noch immer ist der Ärger über Verzögerungen bei der Erstattung von Tickets für abgesagte Flüge groß. Dazu findet jetzt auch die Politik deutliche Worte.

So sagte Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nussbaum am Wochenende gegenüber dem „Spiegel“: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahlt.“ Es gehe um eine „Frage des Vertrauens“.

Ticket-Erstattungen waren auch Thema bei Lufthansa-Rettung

Schon bei den Verhandlungen über das Lufthansa-Hilfspaket habe man über den Passagier-Frust um die ausstehenden Ticket-Erstattungen gesprochen. Der Bundesregierung sei das Thema „sehr wichtig“, so Nussbaum. Nussbaum war zusammen mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies federführend für die Verhandlungen über das Lufthansa-Paket zuständig.

Nach den massenhaften Flugausfällen in der Corona-Krise mussten Tausende Verbraucher auch Wochen und Monate später noch auf die rechtlich eigentlich verbindliche Erstattung ihrer Tickets warten – und viele warten heute immer noch. Verbraucherschützer sind sich einig, dass die Airlines mit wenigen Ausnahmen die Zahlungen absichtlich verzögert haben.

Noch Ende Juni hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr versichert, die Airline werde den Rückstau bei Ticket-Erstattungen innerhalb von sechs Wochen abgearbeitet haben.

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„Wir stehen zu dem Thema Erstattungen in bestem Kontakt zur deutschen Bundesregierung“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Samstag zu den Äußerungen Nussbaums. Insgesamt seien in diesem Jahr für die gesamte Lufthansa-Gruppe – dazu gehören auch die Fluggesellschaften Austrian, Brussels, Eurowings und Swiss – bisher mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt worden.

Flüge aus den Monaten März und April seien der Fluggesellschaft zufolge bereits weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stünden noch aus.

Passagiere müssen Gutscheine für abgesagte Flüge nicht annehmen

In Folge der Corona-Pandemie war der Luftverkehr Mitte März nahezu vollständig zusammengebrochen, und Tausende Flüge wurden storniert. Lufthansa stand kurz vor der Insolvenz und musste von Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz mit bis zu neun Milliarden Euro Hilfskrediten gerettet werden. Grundsätzlich müssen die Gesellschaften den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten.

Lufthansa und andere Gesellschaften hatten hingegen zunächst darauf gesetzt, die Kunden mit Gutscheinen abzufinden. Dies scheiterte aber an der EU-Kommission. Anfang Juli wurde dann im Bundestag ein Gesetz beschlossen, wie solche Gutscheine ausgestaltet sein müssen. Annehmen muss sie aber niemand, Verbraucher können sich das Geld immer noch erstatten lassen.

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(aky/dpa)

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