Region: Jede vierte Firma überlegt, Personal abzubauen

Braunschweig.  Der zweite Lockdown trifft die Wirtschaft in unserer Region hart. Unternehmen fordern Bürokratieabbau und ein Nachsteuern bei finanziellen Hilfen.

Reisebüros dürfen zwar öffnen, sind aber dennoch massiv von der Krise betroffen, weil Menschen kaum noch verreisen.

Reisebüros dürfen zwar öffnen, sind aber dennoch massiv von der Krise betroffen, weil Menschen kaum noch verreisen.

Foto: Oliver Berg / dpa

Es sind drastische Worte, die Florian Löbermann wählt: Die regionale Wirtschaft sei fest „im Würgegriff“ der Pandemie. „Für einige Wirtschaftszweige zieht sich die Schlinge nach dem erfolgten Teil-Lockdown immer enger“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig. Er zeigt sich besorgt um die Lage der Gastronomen und der Veranstalter. Aber auch andere Branchen litten unter dem Lockdown. „Exemplarisch seien hier die Reisebüros genannt, die ihre Ladentüren nicht zusperren müssen, deren Kunden aber angehalten werden, vom Reisen abzusehen“, erklärt Löbermann.

Die Industrie- und Handelskammern haben eine „Blitzumfrage“ unter den regionalen Unternehmen durchgeführt, die zeigt, wir hart die Mitgliedsbetriebe der IHKs betroffen sind – vom Gärtner über den Maschinenbauer bis zum Händler. Im Bezirk der Braunschweiger Kammer spüren demnach etwa zwei Drittel der Betriebe eine geringere Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Bei jedem fünften Unternehmen fallen corona-bedingt Mitarbeiter aus, immerhin „nur“ jeder zwanzigste befragte Betrieb sieht seine Existenz gefährdet.

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Unternehmen streichen Investitionen

Als Gegenmittel der Krise setzen die Unternehmen auf Investitionsstreichungen und gesteigerte Effizienz etwa durch Digitalisierung. Ein gutes Viertel zieht laut IHK Braunschweig auch Personalabbau in Betracht. Die Kammer hat knapp 100 Betriebe in ihrem Bezirk befragt.

Weiter nördlich, im Bezirk der IHK Lüneburg-Wolfsburg, zeichnet sich ein ähnliches Bild. Von 620 befragten Unternehmen aus den Bereichen Handel, Industrie, Touristik, Verkehrs- sowie Vermittlergewerbe erwarten knapp 30 Prozent einen Umsatzrückgang um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Auch hier sehen sich 57 Prozent der Betriebe gezwungen, Investitionen zu streichen oder zu verschieben. Jedes dritte Unternehmen hat aufgrund der Corona-Krise bereits Personal abgebaut. Besonders besorgniserregend ist laut der Kammer, dass sich zwölf Prozent der Firmen als akut von der Insolvenz bedroht einstufen. „Von diesen Unternehmen rechnet mehr als Hälfte damit, den Geschäftsbetrieb nur noch maximal drei Monate aufrechterhalten zu können“, teilte die IHK mit.

IHK fordert „Auszahlung vor Weihnachten“

Aktuell hätten bereits zwei Drittel der Firmen staatliche Unterstützung beantragt oder planen das. „Diese Hilfen haben bisher wesentlich dazu beigetragen, das Schlimmste zu verhindern“, sagt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Wichtig sei, dass die für November neu beschlossenen finanziellen Maßnahmen zügig umgesetzt würden und die Betriebe schnell Hilfe erhielten. Zeinert sagte: „Wir fordern deshalb eine Abschlagszahlung noch im November, ein weiterer Verzug führt besonders bei kleinen und mittelständischen Betrieben zu erheblichen Liquiditätsschwierigkeiten.“ Die Auszahlung des Gesamtbetrags sollte bis spätestens Weihnachten abgeschlossen sein, forderte Zeinert.

Viele der befragten Unternehmen in unserer Region wünschen sich zudem ein Nachsteuern bei den finanziellen Hilfsmaßnahmen. Ein Viertel der Unternehmen in unserer Region spricht sich zudem für steuerliche Entlastungen in der Krise aus – etwa die Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrages oder verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. Ganz oben auf der Wunschliste der coronagebeutelten Unternehmen steht allerdings der Bürokratieabbau.

Mehr als jeder zweite Befragte im Bezirk Lüneburg-Wolfsburg sieht darin ein geeignetes Instrument, um die Wirtschaft in der aktuellen Situation zu unterstützen, im Bezirk Braunschweig finden das zwei Drittel der Befragten. Zeinert sagt: „Wir brauchen jetzt Deregulierung und steuerliche Entlastungen.“ Und Löbermann ergänzt: „Der Abbau bürokratischer Hürden, ob nun bei der bereitstellung von Corona-Hilfen oder etwa bei Planungs- und Genehmigungsverfahren, gehört zu den wenigen Handlungsoptionen, die den Staat eigentlich nichts kosten.“

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