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Elektroautos: Ampel will Zuschüsse drastisch kürzen

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E-Auto Sion: Gratis-Reichweite durch Solar-Karosserie

E-Auto Sion- Gratis-Reichweite durch Solar-Karosserie

Mit dem Auto in der Stadt keinen Cent für Sprit oder Strom bezahlen - die Münchner Firma Sono Motors verspricht mit dem Kompaktwagen Sion volle Autarkie auf kurzen Strecken. Dafür sorgen 456 integrierte Solarzellen an der gesamten Karosserie des Elektroautos.

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Berlin.  Die Ampelkoalition will die Kaufprämie für Elektroautos senken. Käufer von Plug-In-Hybriden gehen künftig leer aus. Die Branche tobt.

Wer sich ein neues Elektroauto anschaffen möchte und auf die umfassende Kaufförderung des Staates baut, muss schnell sein – und Glück haben. Denn die Ampelkoalition will die Kaufprämie für die Stromer zusammenstreichen.

Plug-in-Hybride, die sowohl mit einem Verbrennermotor als auch mit einem Elektromotor angetrieben werden, sollen ab dem 1. Januar 2023 gar nicht mehr gefördert werden. Bisher sponserte der Bund den Kauf der Hybridfahrzeuge mit einem Anteil von bis zu 4500 Euro.

Elektroautos: Zuschuss soll von 6000 Euro auf 4500 Euro sinken

Bei rein batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen soll der staatliche Zuschuss für Fahrzeuge bis zu einem Kaufpreis von 40.000 Euro von derzeit 6000 auf 4500 Euro sinken. Bei teureren Fahrzeugen soll es künftig 3000 Euro statt wie bisher 5000 Euro vom Bund geben.

Die Grenze der Fahrzeugkosten von 65.000 Euro netto, ab der es keine Förderung mehr gibt, soll im Jahr 2024 auf 45.000 Euro sinken. Auf das Vorgehen haben sich SPD, Grüne und FDP geeinigt, wie es am Dienstag aus Regierungskreisen hieß.

Förderung bis der Topf leer ist

Brisant: Die Subventionen sollen nach derzeitigem Stand nur so lange fließen, bis die finanziellen Mittel erschöpft sind. Im laufenden Jahr sind fünf Milliarden Euro an Förderung eingeplant. Die Sätze sinken auf 2,1 Milliarden Euro im kommenden Jahr und auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2024. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden 3,09 Milliarden Euro an Förderung ausbezahlt.

Wer die Förderung in Anspruch nehmen möchte, muss dafür beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) seine Zulassungsbescheinigung einreichen, kann den Zuschuss also erst nach Erhalt des Fahrzeuges bekommen.

Nur sind in Zeiten des Halbleitermangels und der nach wie vor durch die Corona-Pandemie ruckelnden Lieferketten die Wartezeiten auf die Stromer lang geworden. Auf den Audi Q4 e-tron beispielsweise müssen Kunden nach Angaben des Vergleichsportals Carwow derzeit bis zu 20 Monate warten, beim VW ID.3 und ID.4 sind es demnach Wartezeiten von bis zu 14 Monaten, beim Opel Corsa-e müssen sich Kunden bis zu 15 Monate in Geduld üben.

„Durch die zusätzliche Deckelung der Förderung und den unklaren Vergabezeitpunkt droht die Prämie zu einem Glücksspiel für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu werden“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), unserer Redaktion.

VDA und ADAC wollen Zuschuss an Kaufdatum ausrichten

An der Förderung der E-Autos beteiligen sich auch die Autobauer, ihr Zuschuss zu rein batterieelektrischen Fahrzeugen beträgt derzeit in der Spitze zusätzlich zu den Bundesmitteln 3000 Euro. Auch diese Zuschüsse sollen analog zum sinkenden Satz des Bundes abgesenkt werden. Die Hersteller seien bereit, die Auszahlung an das Kaufdatum zu koppeln, betonte Autolobbyistin Müller. „Dieser wichtige Vertrauensschutz scheitert am Staat“, kritisierte die VDA-Chefin.

Auch der ADAC forderte, die Förderung am Kaufdatum auszurichten. „So wäre Berechenbarkeit für Verbraucher sichergestellt“, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand unserer Redaktion. Für diejenigen, die bereits ein Elektroauto gekauft haben und nun auf die Auslieferung ihres neuen Fahrzeuges warten, forderte er einen „Bestandsschutz“: Es sei nicht hinnehmbar, „wenn Verbraucher, die bereits einen batterieelektrischen Pkw bestellt haben, nun vor dem Hintergrund von Lieferschwierigkeiten deutlich weniger Förderung erhalten, als sie bisher erwarten konnten“, sagte Hillebrand.

Autoexperte Dudenhöffer sieht Trend zur Elektromobilität brechen

Kunden müssten mit der geplanten Regelung „die Katze im Sack kaufen“, bemängelt auch Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Dusiburger Center Automotive Research (CAR). Der Autoprofessor erwartet weitreichende Folgen der Entscheidung: „Der Trend zum Elektroauto wird gebrochen“, sagte Dudenhöffer unserer Redaktion.

Im September des vergangenen Jahres waren in Deutschland erstmals mehr Elektroautos als Dieselfahrzeuge neu zugelassen worden. Die derzeitigen Lieferengpässe haben seit Beginn des Jahres die Entwicklung aber wieder umgekehrt, im Juni war zuletzt nur rund jedes siebte neu zugelassene Auto ein Stromer. Unangefochten bleibt der Benziner mit einem Anteil von 37 Prozent das meistzugelassene Auto in Deutschland.

Unterschiedliche Positionen innerhalb der Ampel-Regierung

Das dürfte nach Einschätzung von Dudenhöffer auch noch eine Weile so bleiben. „Die Preise für Elektroautos werden in Zukunft stärker steigen als die Verbrenner, da die Rohstoffe teurer und die Batteriekapazitäten nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind“, warnte er. Das wiederum würden die Anbieter der Infrastruktur – insbesondere der Ladesäulen – zur Kenntnis nehmen und ihre Anstrengungen reduzieren.

Innerhalb der Ampelkoalition und auch innerhalb der FDP hatte es zuletzt Diskussionen über die zukünftige Förderung gegeben. Zunächst gab es Pläne aus dem Bundesverkehrsministerium von Volker Wissing (FDP), wonach sich die Prämie sogar noch erhöht hätte. Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner hingegen hatte gefordert, die Förderung massiv zu reduzieren. Die Grünen hatten vor allem auf ein Ende der Förderung für Plug-In-Hybride gesetzt, die Umweltverbände immer wieder als „Mogelpackung“ bezeichnen.

Nur noch private Käufer sollen die Förderung erhalten

Kritik aus der Wirtschaft gibt es auch an einer weiteren geplanten Neuerung: Die Ampelkoalition hat vor, die Förderung ab dem 1. September 2023 nur noch an private Käufer auszuzahlen. Wer der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen wolle, dürfe „Handwerksunternehmen, Kurierdienste oder Gewerbetreibende nicht benachteiligen“, sagte Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt des Mittelstandsverbandes, unserer Redaktion.

VDA-Chefin Müller wies darauf hin, dass gerade Dienstwagen zu günstigeren Preisen auf den Gebrauchtwagenmarkt kämen und für eine insgesamt klimafreundlichere Flotte sorgen würden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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