Wolfenbüttelerin gewinnt internationalen Redner-Wettbewerb

Wolfenbüttel.  Annette Lüders aus Wolfenbüttel setzt sich in Wiesbaden bei einem Speakers-Slam gegen 66 Konkurrenten aus 15 Ländern durch.

Annette Lüders hat bei einem Internationalen Redner-Wettbewerb in Wiesbaden gewonnen. 

Annette Lüders hat bei einem Internationalen Redner-Wettbewerb in Wiesbaden gewonnen. 

Foto: Kai-Uwe Ruf

Auf der Bühne nimmt Annette Lüders die Zuschauer wie im Handstreich für sich ein. Im Stil eines Polizisten im Einsatz tritt sie auf, mit einer Wasserpistole im Anschlag. Knappe Befehle ruft sie, dann nimmt sie ihr Gegenüber gefangen.

Um klare Botschaften geht es in ihrem Vortrag, darum wie man Worte richtig einsetzt und um ihr Krimi-Coaching mit dem Titel „Mord im Seminar“.

Die 56-jährige Wolfenbüttelerin weiß, wie man überzeugend auftritt. In Wiesbaden hat sie gerade einen internationalen Speakers Slam gewonnnen. Gegen 66 Konkurrenten aus 15 Ländern hat sie sich dabei durchgesetzt. Nun hofft die Kriminalbeamtin und Trainerin auf große Engagements als Auftrittsrednerin.

Wie Dichter beim Poetry-Slam gegeneinander antreten, so konkurrieren die Redner beim Speakers-Slam miteinander. Fünf Minuten hatte in Wiesbaden jeder Kandidat, um rund 200 Zuschauer und eine sechsköpfige Jury vom eigenen Können zu überzeugen.

Dafür reichen Worte allein nicht aus, das wird schnell deutlich, wenn Lüders ein Video ihres Auftritts zeigt. Klare einfache Sätze, markante Gesten und wohlgesetzte Pausen gehören zu ihrem rhetorischen Repertoire mit dem sie in Wiesbaden die Jury überzeugt und auch Hermann Scherer, der den Preis vergibt.

Scherer gehört im europäischen Raum zu den namhaften Rednern, erklärt Lüders. Und auch in New York sei er in der Schauspielszene ein Begriff. Viele prominente Schauspieler hätten mit Scherers Hilfe ihr Auftreten perfektioniert. Auch die Wolfenbüttelerin arbeitet seit Jahren daran. Bei Schauspielern und Rednern hat sie Seminare besucht und Trainings absolviert, um auf Bühnen zu bestehen. „Es gehört viel Psychologie dazu, ein großes Publikum zu fesseln und einen Inhalt zu vermitteln“, sagt die Trainerin.

Erfahrung im Umgang mit Menschen bringt sie reichlich mit. Bei der Polizei arbeitet sie als Koordinatorin im Gesundheitsmanagement. Freiberuflich ist sie zudem als Coach für Führungskräfte und Selbstständige tätig. Und sie hat eine Mission, die sie treibt: weniger Gewalt im Alltag. Schon früh sei sie Gewalt in der Gesellschaft begegnet. Das habe sie motiviert, den Polizistenberuf zu ergreifen und auch jetzt stellt sie fest: „Die Gewalt in der Gesellschaft nimmt immer mehr zu.“ Auch Gewalt mit Worten gehöre dazu. In ihrem Bühnenauftritt macht sie es ganz deutlich. Es geht um die Wirkung eines zwei Meter großen Vorgesetzten, der seine Mitarbeiter herablassend behandelt. „Psychische Erkrankungen nehmen zu. Ich beschäftige mich mit den Ursachen“, sagt sie, und spricht von chronischem Stress, der durch Führungsverhalten verursacht werden könne, wenn beispielsweise ein Mitarbeiter am falschen Platz eingesetzt werde.

Im täglichen Miteinander trete Gewalt in vielen Formen auf, sagt Lüders: „Wir hören nicht zu, wir fallen einander ins Wort, wir beschimpfen und beleidigen uns, und wir werden dadurch zu Mittätern.“

Mit diesen Erkenntnissen und einem ausgefeilten Auftritt reiste sie zum Wettbewerb nach Wiesbaden. Vorbereitet hatte sie sich präzise und minuziös. Zunächst habe sie die Kernbotschaften alle auf kleinen Zetteln an eine Wand im Arbeitszimmer gepinnt. Dann sei daraus ein Gerüst des Vortrags entstanden. Während Spaziergängen und beim Joggen habe sie weiter an ihrer Performance gefeilt.

Trotz Routine und Erfahrung sei am Ende die Nervosität geblieben. „Aber das gehört dazu, und ich habe Techniken, um damit umzugehen“, sagt sie selbstbewusst und blickt stolz auf ihre neue Trophäe. Nun will sie den nächsten Schritt gehen. Geplant ist eine Reise nach New York mit einem Kurs an der Schauspielschule, an der Herrmann Scherer unterrichtet.

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