Geschichtliche Ausstellung hinter Glas im Theater Wolfenbüttel

Wolfenbüttel.  Der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 lenkt in Wolfenbüttel den Blick auf „junge Menschen gegen den Nationalsozialismus“.

Sie eröffneten die  Sonderausstellung, die nur durch die Fenster der Wintergärten des Lessingtheaters zu sehen ist (von links): Lena Simon, für Kulturprojekte im Lessingtheater zuständig, wissenschaftlicher Mitarbeiter Markus Gröchtemeier und Kulturbüro-Leiterin Alexandra Hupp.

Sie eröffneten die Sonderausstellung, die nur durch die Fenster der Wintergärten des Lessingtheaters zu sehen ist (von links): Lena Simon, für Kulturprojekte im Lessingtheater zuständig, wissenschaftlicher Mitarbeiter Markus Gröchtemeier und Kulturbüro-Leiterin Alexandra Hupp.

Foto: Karl-Ernst Hueske

In schwierigen Zeiten geht man häufig außergewöhnliche Wege: Die ursprünglich für das Bürgermuseum geplante Sonderausstellung „‚Es lebe die Freiheit!‘ – Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus“ wird aufgrund der Schließung der Wolfenbütteler Museen in den beiden Wintergärten des Lessingtheaters präsentiert und ist somit seit dieser Woche für Schülergruppen und Geschichtsinteressierte durch die Scheiben zu sehen, heißt es in der Pressemitteilung. Es handelt sich demnach um eine Wanderausstellung, die vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Frankfurt am Main, konzipiert und inhaltlich erarbeitet wurde.

Lebensgeschichten der jungen Menschen

Alexandra Hupp, Leiterin des Kulturbüros der Stadt, meinte zu der Ausstellung: „Die Lebensgeschichten der jungen Menschen in der Ausstellung zeigen mit großer Deutlichkeit, wie gefährlich eine eigene, abweichende Meinung im NS-Staat war. Nicht wenige wurden hingerichtet, weil sie zum Beispiel den Radiosender BBC gehört haben. Dass sich heute Teile der sogenannten ,Querdenker’ als Widerstandskämpfer stilisieren, mutige Menschen, wie Sophie Scholl für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren und historische Fakten außer Acht lassen, ist für mich in höchstem Maße unanständig. Allen, die meinen, unsere demokratischen Grundrechte seien derzeit ausgehebelt, sei diese Ausstellung besonders ans Herz gelegt.“

Noch bis zum 18. Dezember

Die Ausstellung, die noch bis zum 18. Dezember hinter Glas im Theater zu sehen ist, zeigt den Mut, den Jugendliche und junge Menschen durch ihre Widerstandshandlungen in der NS-Diktatur bewiesen. Gleichzeitig wird das hohe Risiko deutlich, das sie mit ihrem Protestverhalten gegen das nationalsozialistische Unrechtssystem und den Willkürstaat eingingen, so Markus Gröchtemeier, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Fotos und Dokumente

„Vor allem für Schulklassen und junge Menschen ist die Ausstellung etwas Besonderes. Man kann der jungen Generation den NS-Staat nicht besser erklären und Protest- und Widerstandsmöglichkeiten in einer Diktatur aufzeigen als durch das Handeln und das Verhalten Gleichaltriger. Auch die beigefügten Fotos und Dokumente erzählen die jeweiligen Verfolgungsgeschichten eindrucksvoll und lebhaft“, wird Gröchtemeier zitiert.

Hinweis auf die „Weiße Rose“

Lena Simon, die die Ausstellung beim abgesagten Lessingfestivals zeigen wollte, ergänzt: „Man darf dabei nicht vergessen, dass schon das Anecken und noch mehr natürlich das ‚Nein-Sagen‘ und das Widerstand leisten hochgradig gefährlich waren und den Tod bedeuten konnten. Dies zeigen die mutigen Lebensgeschichten der 19 Einzelpersonen, der ausländischen Widerständler und die fünf deutschen Jugendgruppen eindringlich und sehr bewegend.“ – „Es lebe die Freiheit“ waren Hans Scholls letzte Worte vor seiner Hinrichtung als Mitglied der jugendlichen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“.

32 Tafeln werden gezeigt

Die Sonderausstellung besteht aus 32 Tafeln. 26 Tafeln behandeln einzelne Biografien sowie den europäischen Widerstand, sechs dienen der Einführung und Erklärung. Die einzelnen Biographien bringen den Betrachtern die Lebensläufe von jungen Kommunisten, Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, Juden oder ursprünglich unpolitischen jungen Menschen näher und sind in leichter Sprache verfasst. Die Personen entstammten aus verschiedenen sozialen und politischen Milieus.

Die ganze Bandbreite

Gezeigt wird die ganze Bandbreite des widerständigen Handelns: vom frechen, oppositionellen Verhalten, dem Unangepasst sein bis zu organisiertem aktiven Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Als Widerstandsgruppen sind die „Edelweißpiraten“, die „Weiße Rose“, die Rote Kapelle“, die „Swing-Jugend“ und die weniger bekannte, aus jüdischen Jugendlichen bestehende „Baum-Gruppe“ vertreten.

Diese Ausstellung bildet den Auftakt zu einem Forschungs- und Partizipationsprojekt der Stadt zum Thema Jugendkultur und Jugendprotest in Wolfenbüttel (1945 bis 2021). Im Herbst 2021 soll im Bürgermuseum hierzu eine Ausstellung gezeigt werden und eine Broschüre erscheinen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder