Gemeinde Cremlingen will Ölschiefer-Abbau unmöglich machen

Cremlingen.  Bürgermeister Detlef Kaatz spricht über Herausforderungen und Großprojekte 2021. Trotz der Corona-Krise steht die Gemeinde finanziell gut da – noch.

Den Abbau von Ölschiefer will die Gemeinde Cremlingen verhindern.

Den Abbau von Ölschiefer will die Gemeinde Cremlingen verhindern.

Foto: Arne Dedert / dpa

Die größte Herausforderung im vergangenen Jahr war auch für die Gemeinde Cremlingen (Landkreis Wolfenbüttel) die Bewältigung der Covid-19-Pandemie. Auch wenn die Gemeinde, die rund 13.000 Einwohner zählt, seit Ausbruch der Coronavirus-Krankheit weniger als 100 Fälle vermeldete.

„Wir sind weitestgehend verschont geblieben“, bilanziert Bürgermeister Detlef Kaatz (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch finanziell sei das vergangene Jahr „nicht so schlimm gewesen, wie gedacht“, formuliert es der Verwaltungschef, man erwarte ein „ordentliches Ergebnis“. Bei den Gewerbesteuereinnahmen waren keine großen Einbußen zu verzeichnen. „Wir haben Betriebe, die offensichtlich nicht so von der Pandemie betroffen sind“, resümiert Kaatz.

Gemeinde verzeichnet 2020 ein Plus

Völlig anders sah es hingegen bei den Einkommenssteuereinnahmen aus. 600.000 Euro weniger wurden in die Kassen gespült. Die Corona-Hilfen konnten dieses Minus aber ausgleichen. Vom Land kam eine Finanzspritze in Höhe von 625.000 Euro. Die einmalige Zuweisung des Landkreises betrug 250.000 Euro. „Wir haben die Ausgaben zudem reduzieren können und haben nur das Wesentliche gemacht“, berichtet der Verwaltungschef, „wir haben ein großes Plus in 2020.“

Kaatz vermutet aber, dass das dicke Ende noch kommt – in diesem Jahr. Der Bürgermeister erwartet, dass sich die Einkommenssteueranteile weiter verringern. Gleichzeitig rechnet er auch mit geringeren Zuschüssen des Landes. Ob es weitere Hilfen geben wird, sei nicht absehbar. „Da werden wir eine immense Problematik haben“, sagt Kaatz, „wir müssen 2021 abfedern, was 2020 passiert ist.“

Verwaltung will Gastronomen unterstützen

Die Verwaltung wolle auf jeden Fall auch weiterhin den gastronomischen Betrieben in der Gemeinde helfen, unter anderem mit Pachtnachlässen. Die Gemeinde verpachtetet selbst drei Gasstätten und appelliert auch an andere Verpächter, den Betreiberinnen und Betreibern entgegenzukommen. „Wir brauchen die Gastronomie in unseren Ortschaften“, betont Cremlingens Bürgermeister. Nicht zuletzt, um den Tourismus weiter zu fördern.

2021 soll eine Tourismusgesellschaft Elm-Börde gegründet werden. „Wir müssen den Fokus stärker auf den Elm legen“, unterstreicht Kaatz. Dazu solle der neue Verband beitragen, in welchem sich die Gemeinde Cremlingen gemeinsam mit dem Landkreis Börde und dem Landkreis Helmstedt engagieren will.

Thema Ölschiefer-Abbau „endlich beerdigen“

Ein weiteres Thema, das die Gemeinde 2021 sehr beschäftigen wird, ist der Streit um den Ölschiefer-Abbau. Ölschiefer ist ein Sedimentgestein, das Bitumen enthält, eine Vorstufe von Erdöl. Bei den beiden großen Ölschiefer-Lagerstätten zwischen Hondelage in der Stadt Braunschweig und Wendhausen im Landkreis Helmstedt sowie zwischen Flechtorf im Landkreis Helmstedt und Schandelah in der Gemeinde Cremlingen handelt es sich deutschlandweit um das größte derartige Vorkommen.

Das Land Niedersachsen will es unbedingt sichern. Die Region stemmt sich mit vereinten Kräften dagegen. Ganz vorne mit dabei: die Gemeinde Cremlingen. „Wir wollen dieses Thema endlich beerdigen“, sagt Kaatz mit Nachdruck, „der Ölschieferabbau soll nicht mehr möglich sein.“ Der Verwaltungschef will unter anderem eine Petition veranlassen. Das Thema wird die Gemeinde wohl das ganze Jahr und darüber hinaus beschäftigen.

Mehr dazu: Cremlinger Grüne und Umweltverbände gegen Gewerbegebiet

Oder auch: Kreistag will Ölschieferabbau bei Cremlingen verhindern

Ob Kaatz dieses allerdings über den Herbst hinaus als Verwaltungschef treiben wird, ist unklar. Im Herbst wird ein neuer Bürgermeister in Cremlingen gewählt. Ob sich der Amtsinhaber zur Wiederwahl stellt, will der Sozialdemokrat im Februar bekanntgeben. „Ich mache die Aufgabe sehr gern und bin momentan in der Entscheidungsfindung, in die ich die Familie und das Thema Gesundheit einbeziehe“, gibt Kaatz an. Die CDU schickt Tobias Breske ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters beziehungsweise der Bürgermeisterin.

Begegnungszentrum: Baustart 2022?

Ein weiteres Thema, das in diesem Jahr endlich Fahrt aufnehmen soll, ist das geplante Begegnungszentrum in Cremlingen, das als Treffpunkt für die gesamte Gemeinde vorgesehen ist. Zweimal seien bereits Fördermittel abgelehnt worden, berichtet Kaatz, weil die Gemeinde wirtschaftlich zu gut aufgestellt sei. Der dritte Antrag läuft. Zwar gibt es Geld vom Landkreis (100.000 Euro) und wahrscheinlich auch vom Asse-Fonds (voraussichtlich 200.000 Euro), aber bei diesem zwei Millionen Euro schweren Bauprojekt seien weitere Fördermittel von Nöten. Das Begegnungszentrum wird aber kommen, davon ist Kaatz überzeugt. 2022 soll es mit den Bauarbeiten losgehen.

Kaatz: Interkommunales Gewerbegebiet in der Dimension „fraglich“

Weniger überzeugt ist Cremlingens Bürgermeister allerdings von der Umsetzung eines weiteren Großprojekts: dem interkommunalen Gewerbegebiet am Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter am Elm (A2/A39). Dieses wollen die Städte Braunschweig und Wolfsburg und die Landkreise Wolfenbüttel und Helmstedt gemeinsam entwickeln. Je nach Zuschnitt des Gewerbegebietes könnte auch eine Fläche auf dem nordöstlichen Gebiet der Gemeinde Cremlingen dazugehören.

Widerstand hatte sich sowohl in der Bürgerschaft als auch in der Lokalpolitik und bei Umweltverbänden geregt. „Ob es überhaupt zu einem derartig großen Gewerbegebiet kommt, ist zumindest fraglich“, sagt Cremlingens Bürgermeister. Kaatz will zunächst die Machbarkeitsstudie abwarten – derweil entwickelt die Gemeinde erstmal die eigenen Gewerbeflächen weiter. Im Rübenkamp II in Cremlingen sollen beispielsweise neue Gewerbeflächen entstehen. Dem Verwaltungschef liegen nach eigenen Angaben unter anderem zwei Anfragen von Betrieben vor, die sich in der Gemeinde ansiedeln wollen und jeweils rund 100 Arbeitsplätze mitbringen.

Mehr dazu: BUND Braunschweig kritisiert geplantes Gewerbegebiet an der A39

Gemeinde will neues Bauland ausweisen

Zudem wolle man auch weiterhin „gemäßigt“ Bauland anbieten. Die Gemeinde im Speckgürtel von Braunschweig ist bei Häuslebauern weiter beliebt. Der Fokus wird dabei künftig auf Schulenrode und Destedt liegen. In Schandelah seien Flächen für einen Nahversorger, ein neues Feuerwehrhaus, Gewerbe, Wohnbebauung und soziale Zwecke wie Mehrgenerationenwohnen ausgewiesen worden. In diesem Jahr werden zudem die Planungen für den Park-&-Ride-Parkplatz am Bahnhof Weddel konkretisiert. In der ersten Ausbaustufe sollen dort 60 Parkplätze entstehen.

Ein Interview mit Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink lesen Sie hier .

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder