Kliniken in der Krise

Alarmstufe Rot auch für Wolfenbüttels Klinikum

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Das Klinikum Wolfenbüttel fordert Unterstützung. (Archivbild)

Das Klinikum Wolfenbüttel fordert Unterstützung. (Archivbild)

Foto: Karl-Ernst Hueske

Wolfenbüttel.  Das Klinikum Wolfenbüttel fordert Unterstützung in der Krise. Damit ist es nicht alleine. Andere Krankenhäuser haben gleiche Probleme.

Mehrere hundert Mitarbeitende aus niedersächsischen Krankenhäusern haben in Hannover ihren Unmut über die mangelnde Berücksichtigung ihrer Sorgen und Nöte durch den Bundesgesundheitsminister zum Ausdruck gebracht. Auch Vertreter des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel waren laut Klinikpressemeldung vor Ort, um angesichts von Energiekrise, hoher Inflation und Corona-Pandemie auf die bedrohliche wirtschaftliche Lage der Kliniken und die massive Belastung des Personals aufmerksam zu machen.

„Nach den Belastungen der Pandemie trifft uns – wie alle Krankenhäuser - nun die Inflation und insbesondere die extrem gestiegenen Energiepreise. Im Gegensatz zu anderen Branchen können wir diese gesteigerten Kosten nicht weitergeben“, erklärt Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel. Die Kostensteigerungen würden auf staatlich reglementierte Preise treffen. Vorgesehen sei für 2022 nur eine Steigerung der Einnahmen für die Kliniken von 2,32 Prozent. „Die Inflation liegt momentan schon bei knapp acht Prozent und wird vermutlich noch weiter steigen. Hinzu kommen seit Jahren bekannte Probleme wie der chronische Personal- und Fachkräftemangel und die ausbleibende Investitionskostenfinanzierung der Länder“, so Burghardt. Es sei daher völlig inakzeptabel, dass die Politik einfach hinnehme, dass bereits in diesem Jahr 60 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben und sich die Lage im kommenden Jahr noch weiter zuspitzen werde. Eine wirtschaftlich solide Finanzplanung sei derzeit unmöglich. Auf lange Sicht habe dies negative Folgen für die Versorgungssicherheit.

Das sollte jetzt passieren

„Es könnte bedeuten, dass unser wirtschaftlich kerngesund aufgestelltes Haus in eine bedrohliche finanzielle Schieflage gerät“, erläutert der Geschäftsführer. Ein Inflationsausgleich zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation sei daher zwingend notwendig. Ansonsten würden Szenarien mit massivem Personalabbau und entsprechend negativen Folgen für die Patientenversorgung wohl bald Realität. Trotz der sich weiter zuspitzenden und klar erkennbar dramatischen Situation habe die Bundesregierung bislang jedoch keine geeigneten Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet.

„Wir brauchen jetzt kurzfristige finanzielle Hilfen und langfristig vernünftige Struktur- und Finanzierungsreformen. Alle Mitarbeitenden unseres Klinikums setzen jeden Tag ihre Energie, Leidenschaft und all ihre Kraft für das Wohl unserer Patienten ein. Sie tun das mit größtem Engagement und einer bewundernswerten Hingabe und das nicht erst seit Beginn der Pandemie. Die Zeit des Zuschauens seitens der Politik muss nun enden, will man die flächendeckende, medizinische Versorgung des Landes noch retten beziehungsweise ein massives Kliniksterben verhindern“, so Axel Burghardt abschließend.

Es gibt eine Online-Petition

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) startete, so heißt es weiter, jüngst eine Online-Petition, um den Forderungen an die Politik mehr Nachdruck zu verleihen. Das Team des Städtischen Klinikums befürwortet die Aktion und bittet um Unterstützung unter https://www.openpetition.de/!AlarmstufeRot

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