Polizei präsentiert Unfallstatistik – Drei Tote im Straßenverkehr

Wolfsburg  Die Polizei präsentiert Unfallstatistik 2016. Wichtige Kennzahl entwickelten sich positiv. Wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen.

Sie stellten die Polizeistatistik vor: Polizeichef Olaf Gösmann (3.v.r.), Leiter Einsatz Oliver Meyer sowie von der Statistikstelle Silvia Bauch (links) sowie Kerstin Lennartz.

Foto: Stephanie Knostmann

Sie stellten die Polizeistatistik vor: Polizeichef Olaf Gösmann (3.v.r.), Leiter Einsatz Oliver Meyer sowie von der Statistikstelle Silvia Bauch (links) sowie Kerstin Lennartz. Foto: Stephanie Knostmann

Aus dem Redaktionsarchiv wurden die Jahresberichte der Polizei der vergangenen zehn Jahre gesichtet. 2006 wurden 2697 Unfälle in Wolfsburg gezählt. 3462 waren es dagegen in 2016 – jedoch ist der Trend mittlerweile rückläufig. Dennoch tragisch: Seit 2006 wurden 48 Menschen im Straßenverkehr getötet und 579 Personen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

In der Reislinger Straße wurde 2016 gebaut. Höhe Einmündung Pirolweg ereigneten sich drei Unfälle mit Fahrradfahrern. Zwei Personen wurden leicht, eine sogar schwer verletzt. 2015 war diese Ecke hinsichtlich des Unfallgeschehens noch unauffällig. Sollte es in 2017 dort zu weiteren Unfällen kommen, wir die Straße Thema in der Unfallkommission.

Mit Unfallfluchten hat Wolfsburg auf den ersten Blick ein ernstzunehmendes Problem: Zwischen 2006 und 2016 stieg die Anzahl um 40 Prozent (von 802 auf 1129). Dafür gibt es eine mögliche Erklärung: Auf den Straßen sind immer mehr Leasing-Fahrzeuge unterwegs. „Die Besitzer sind gehalten, jede noch so kleine Beule zur Anzeige zu geben“, erklärt Polizeisprecher Sven-Marco Claus.

Meist werden nur vier von zehn Fällen aufgeklärt (2016: 439 Unfallverursacher). „Kriminell“, so Polizeichef Gösmann, wird es aber, wenn Personen bei Zusammenstößen im Straßenverkehr verletzt werden und der Täter flüchtet. „Wird der Täter erwischt, ist das Fahrverbot, das ihm droht, noch sein geringstes Problem, denn man bewegt sich dann im Strafrecht.“ 37 solcher Fälle wurden (2015: 39) registriert, 19 Verursacher (25) wurden ermittelt, die Aufklärungsquote betrug mit 51 Prozent (64). Gösmann appellierte, jeder Verkehrsteilnehmer muss sich bei Unfällen seiner Verantwortung stellen.

Rehe sind Unfallverursacher Nummer eins bei Wildunfällen: 187 Zusammenstöße wurden 2016 gezählt. In 30 Fällen rannten Wildschweine in ein Fahrzeug, in 19 Fällen ein Hase oder anderes Niederwild. Die Gefahr, dass ein Tier vors Fahrzeug läuft, besteht rund um die Uhr. Besonders steigt die Gefahr aber zwischen 21 und 23 Uhr und zwischen 5 Uhr und 8 Uhr – was sich mit dem erhöhten Verkehr zum Schichtwechsel erklären lässt. Obacht: Der April 2016 (neben dem November) war der Monat, in dem es zu den meisten Wildunfällen kam.

Helikopter-Eltern wollen ihre Kinder vor allem Übel bewahren. Das geht so weit, dass sie den Nachwuchs morgens am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren würden. Der Vorsitzende der Verkehrswacht, Klaus Seiffert, forderte kürzlich in unserer Zeitung, Bannmeilen rund um die Schulen einzurichten, um Eltern-Taxis fernzuhalten. Einsatzleiter Oliver Meyer liefert dafür ein Argument: In 34 Fällen in 2016, in denen Kinder im schulpflichtigen Alter Opfer von Unfällen wurden, saß der Großteil – nämlich 16 – als Beifahrer in einem Auto. „Der sicherste Weg ist nicht zwingend das Auto. Lasst die Kinder ruhig zu Fuß zur Schule gehen“, sagte Meyer.

30 000 Verkehrsteilnehmer gerieten 2016 in einer Kontrolle der Polizei. 143 (Vorjahr 157) Fahrer waren alkoholisiert am Steuer, 94 (95) hatten Drogen konsumiert. Feststellungen zu sonstigen Verkehrsstraftaten wie Nötigung oder Straßenverkehrsgefährdung: 92 (122).

Als sein „Steckenpferd“ bezeichnet Meyer das Thema „Handytelefonate beim Autofahren“. 344 Fahrer wurde vergangenes Jahr erwischt – wohl nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle. „Ganz oft passiert nichts. Aber jeder hat schon einmal ein Auto vor sich gesehen, das einen kurzen Schlenker macht.“ Meyer setzt auf die Autoindustrie, dass sie Lösungen präsentiert, damit die Fahrer ihr Handy im Auto nicht beachten. Gösmann schränkt allerdings ein: „Die Digitalisierung der Autos schreitet voran, der Ablenkungsfaktor wird immer größer. Ich frage mich schon, ob das die richtige Philosophie bei den Herstellern sein kann.“

Unfallschwerpunkte waren 2016 unter anderem Berliner Brücke (30 Unfälle, zwei Schwerverletzten), St.-Annenknoten (21 Unfälle, ein Schwerverletzter), Helmstedter Straße/Einmündung zur Bäckerei (18 Unfälle), Heinrich-Nordhoff-Straße zwischen Schachtwerg und Siegfried-Ehlers-Straße (17 Unfälle), B188, Auf- und Abfahrt Kreuzheide (17 Unfälle), Heinrich-Nordhoff-Straße/Ecke Saarstraße (15 Unfälle).

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder