Klinikum Wolfsburg setzt auf Pflegekräfte aus dem Ausland

Wolfsburg.  Für die langfristige Integration wird im April extra ein Coach eingestellt. Geplant ist außerdem ein Ausbildungsverbund für die Region Wolfsburg.

Mit verschiedenen Maßnahmen will das Klinikum den Pflegenotstand bekämpfen. Seit 2019 sind 23 Pflegefachkräfte aus mehr als zehn verschiedenen Ländern in Wolfsburg tätig. Und es sollen noch deutlich mehr werden.

Mit verschiedenen Maßnahmen will das Klinikum den Pflegenotstand bekämpfen. Seit 2019 sind 23 Pflegefachkräfte aus mehr als zehn verschiedenen Ländern in Wolfsburg tätig. Und es sollen noch deutlich mehr werden.

Foto: Marius Becker / dpa (Symbolfoto)

Monat für Monat verliert das Wolfsburger Klinikum 6 von 400 Vollzeit arbeitenden Pflegekräften. Die natürliche Fluktuation (Mutterschutz, Rente, Kündigung) kann durch die Übernahme sämtlicher Auszubildenden oder die eingehenden Bewerbungen nicht kompensiert werden. Welche neue Wege das Klinikum und die Stadt Wolfsburg als kommunaler Träger gehen wollen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, erläuterten Gesundheitsdezernentin Monika Müller und Pflegedirektorin Christiane Bitter am Mittwoch im Klinikumsausschuss.

Pflegekräfte aus Indien und Syrien

Ein Ziel ist es, mehr Mitarbeiter aus dem Ausland zu rekrutieren. Seit 2019 seien 23 Pflegekräfte aus mehr als zehn verschiedenen Ländern am Klinikum tätig, berichtete Bitter, dazu zählen Tunesien, Albanien, Syrien, Italien oder Indien. Gefunden werden diese Menschen mit Hilfe von Vermittlungsagenturen, sagte Klinikumsdirektor Wilken Köster. Die Interessenten seien in der Regel hoch qualifiziert, betonte Bitter. Aber: „Das Problem sind die immensen Unterschiede beim Sprachniveau.“ Die Sprache sei entscheidend für die medizinische Dokumentation, die Kommunikation mit den Patienten und letztlich auch für die Anerkennung als Pflegefachkraft in Deutschland. Menschen aus der EU oder aus Drittstaaten müssen die Sprachprüfung B2 bestehen. Das bedeute einen enormen bürokratischen Aufwand. Bitter: „Es dauert teilweise bis zu einem Jahr, bis der jeweilige Mitarbeiter die Anerkennung erhält und eigenverantwortlich eingesetzt werden kann.“

Um den ausländischen Pflegekräften die Eingewöhnung zu erleichtern und sie langfristig an das Klinikum zu binden, stellt die Stadt zum 1. April einen Integrationscoach ein, kündigte Klinikumsdezernentin Müller an. Dieser Coach soll unter anderem bei der Vorbereitung auf die Anerkennungsprüfung helfen, das deutsche Pflegeverständnis vermitteln und als Bindeglied zwischen Stammteam und neuem Mitarbeiter fungieren. Die Stadt hilft außerdem bei der Wohnungssuche. „Wir haben erst kürzlich neun Wohnungen mit 27 möblierten Zimmern angemietet“, sagte Köster. Müller sprach von einem Vorzeigeprojekt, das Schule machen werde. „Anders wird es nicht funktionieren.“

Unbefristeter Übernahmevertrag

Der Gesetzgeber hat die Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zum 1. Januar 2020 zusammengelegt. Künftige Auszubildende machen den Abschluss als Pflegefachfrau oder -mann. Um die Versorgung in der Akut- und Langzeitpflege für Wolfsburg zu gewährleisten, soll es einen Ausbildungsverbund für die Region geben. Diesem angeschlossen haben sich neben Klinikum und Diakonie bereits die AWO, das DRK, die Caritas, der Paritätische, die Sozialstation Vorsfelde und der Pflegedienst Bettina Harms. „Wir wollen gemeinsame Standards entwickeln, die bestmögliche Ausbildung anbieten und die Pflegestellen in Wolfsburg besetzen“, sagte Müller.

Es sei nicht einfach, die ausgebildeten Pflegefachkräfte ans Klinikum zu binden oder neue zu finden. „Wir würden gerne Bonbons geben, aber als kommunale Einrichtung sind wir an den Tarifvertrag gebunden“, sagte Köster. Pflegedirektorin Bitter ergänzte: „Wir bewerben uns bei den Absolventen, nicht umgekehrt. Jedem Auszubildenden bieten wir einen unbefristeten Übernahmevertrag an.“ Statt Prämien zu zahlen sei es sinnvoller, so Dezernentin Müller, das Arbeitsumfeld und die Arbeitszeiten attraktiv zu gestalten.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder