Ein Toter und zwei Schwerverletzte nach Bluttat in Wolfsburg

Wolfsburg.  Das Opfer starb an Stichverletzungen. Ein Haftrichter erlässt Haftbefehle gegen drei Brüder und ihren Vater.

Im Stralsunder Ring passierte am Donnerstagabend die tödliche Auseinandersetzung.

Im Stralsunder Ring passierte am Donnerstagabend die tödliche Auseinandersetzung.

Foto: Claudia Caris

Eine weitere Gewalttat erschüttert Wolfsburg. Am Donnerstagabend kam es in Westhagen im Stralsunder Ring zu einem Streit zwischen mehreren Personen. Ein Mann starb noch am Tatort, er starb an Stichverletzungen. Neben dem Toten gab es zwei Schwerverletzte und auch zwei Festnahmen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig und das 1. Fachkommissariat der Wolfsburger Polizei haben die Ermittlungen übernommen und gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Alarmiert worden war die Polizei am Donnerstag gegen 19.50 Uhr per Notruf wegen einer Schlägerei. Als die Einsatzkräfte eintrafen, fanden sie laut gemeinsamer Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Braunschweig und der Polizei Wolfsburg vom späten Freitagmittag zunächst zwei 24-jährige Verletzte an einem Wohnhaus. Kurz darauf wurde der Schwerstverletzte (25) aufgefunden, der noch vor Ort starb.

Staatsanwaltschaft beantragt Haftbefehle gegen vier Personen

Wenig später erfolgte die Festnahme von zwei Tatverdächtigen im Alter von 25 und 46 Jahren. Die beiden Verletzten werden in nahen Kliniken medizinisch versorgt. Wie Pressesprecher Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig unserer Zeitung sagte, handelt es sich bei den vier Beschuldigten um einen Vater und seine drei Söhne, der Tote sei ein Verwandter gewesen. Dass es zum Streit innerhalb einer kurdisch-stämmigen Großfamilie kam, wollte er unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht bestätigen.

Noch in der Nacht nahmen die Ermittler ihre Arbeit auf, wurden erste Zeugen befragt und Spuren am Tatort gesichert. Das zum Teil noch unklare Geschehen und die Hintergründe stehen im Fokus von Staatsanwaltschaft und Polizei. Ein Haftrichter am Amtsgericht hat am Freitag Haftbefehle wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Totschlags gegen die vier Männer erlassen: gegen die beiden Verletzten im Krankenhaus sowie die beiden übrigen Tatverdächtigen, die laut Wolters nun in Untersuchungshaft kommen.

Nachbarn berichten von eskaliertem Streit in Großfamilie

Unsere Zeitung hörte sich am Freitagvormittag in der Nachbarschaft um. Mehrere Anwohner berichteten unabhängig voneinander, dass ein eskalierter Streit in einer kurdischen Großfamilie zu der tödlichen Auseinandersetzung geführt haben soll. Es soll nicht die erste Auseinandersetzung gewesen sein.

Nachbarn waren teils Augenzeugen des Gewaltexzesses. Zwei von ihnen berichteten von dramatischen Szenen auf offener Straße. „Es gab eine Schlägerei mitten auf der Straße, an der Bushaltestelle“, erzählte ein jüngerer Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Ich habe lautes Geschrei gehört und bin auf den Balkon gegangen“, schilderte eine Nachbarin, die ihren Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen möchte. „Da lag ein Mann vor dem Hauseingang. Eine junge Frau hat wie verrückt geschrien, sie wollte zu ihm.“ Wenig später seien die ersten Polizei- und Rettungskräfte eingetroffen.

Messerstecherei in Wolfsburg? Es kursieren Videos in den sozialen Netzwerken

Von mutmaßlichen Augenzeugen wurden mehrere Videos in den sozialen Netzwerken geteilt. Auf einem

Video sind Polizeibeamte zu sehen, die mit gezogener Waffe einem Mann befehlen, sich auf den Boden zu legen. Auf einem weiteren Video ist ein Mann zu erkennen, der auf dem Boden kauert und mehrere Schnittverletzungen auf dem Rücken hat. Er wird von zwei Rettungssanitätern versorgt. In einem dritten Video ist zu erkennen, wie Sanitäter bei einer Person eine Herzdruckmassage durchführen.

Ob diese Videos tatsächlich im Zusammenhang zu den Ereignissen am Donnerstagabend in Westhagen stehen, war für die Redaktion am Freitagmorgen nicht zu verifizieren.

Polizei startet Zeugenaufruf nach Tötungsdelikt

Seit dem Morgen läuft ein Zeugenaufruf der Wolfsburger Polizei auf Facebook und Twitter. Auf Facebook

heißt es dazu: „Am gestrigen Abend kam es in Westhagen zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen, bei der mehrere Personen schwer verletzt wurden. Eine Person erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. In diesem Zusammenhang gab es auch mehrere Festnahmen.“

Die Polizei appelliert: „Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir uns erst jetzt an euch wenden, bitten aber darum, Fotos oder Filme von dem Ereignis nicht zu teilen sondern sie an pressestelle@pi-wob.polizei.niedersachsen.de zu senden. Wir ermitteln auf Hochtouren und werden euch in Kürze weitere Infos zukommen lassen.“

Polizei sucht Fotos und Videos vom Tatort

Die Ermittlungsbehörden, die zur Stunde in alle Richtungen ermitteln, setzen auf weitere Zeugen, die zum Ablauf im Bereich des Tatortes zwischen 19.30 Uhr und 22 Uhr Beobachtungen gemacht haben. Die Beamten bitten um Mithilfe von Anwohnern und Passanten. Gesucht werden Video- und Fotoaufnahmen, die am Tatort im Stralsunder Ring gemacht wurden.

Dateien können per Mail an pressestelle@pi-wob.polizei.niedersachsen.de gesendet werden. Zeugenhinweise nimmt die Polizei Wolfsburg unter (05361) 46460 entgegen.

Erst am Mittwochabend hat es in Wolfsburg eine Messer-Tat gegeben

Erst am Mittwochabend kam es in Wolfsburg zu einer Bluttat im Zusammenhang mit einem Trinkgelage im Stadtteil Eichelkamp im Hochring. Ein 44-Jähriger soll bei einem Streit von einem Bekannten niedergestochen worden sein. Ein 41-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft, ermittelt wird außerdem gegen drei weitere Männer (71, 50 und 38). Diese Tat soll aber nicht in Zusammenhang mit der Tat von Westhagen stehen. Mehr dazu: Versuchter Totschlag in Wolfsburg – Ex-Polizist wählt Notruf

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