14 Monate Haftstrafe für Wolfsburger Badeland-Spanner

Wolfsburg.  Ein 37-Jähriger fotografierte heimlich Badegäste in den Umkleiden. Wegen eines schweren Sexualdelikts stand er noch unter Bewährung.

Ein 37-Jähriger fotografierte ahnungslose Badeland-Besucher in den Umkleidekabinen.

Ein 37-Jähriger fotografierte ahnungslose Badeland-Besucher in den Umkleidekabinen.

Foto: Stadt Wolfsburg (Archiv)

Einem aufmerksamen Jugendlichen ist es zu verdanken, dass einem Spanner das Handwerk gelegt werden konnte. Der 37-Jährige hatte im Wolfsburger Badeland heimlich Gäste in den Umkleidekabinen fotografiert. Für die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs wandert der Mann nun ins Gefängnis. Dort hat er bereits knapp fünf Jahre wegen eines schweren Sexualdelikts gesessen.

Die Ermittlung

Im Oktober 2019 beobachtete ein Jugendlicher ein Blitzlicht in der Umkleidekabine und informierte die Badeland-Leitung und diese die Polizei. Der Spanner konnte zwar nicht auf frischer Tat ertappt werden, Ermittler kamen ihm aber durch die akribische Auswertung der Überwachungskameras im Badeland auf die Spur. Bei der Vernehmung des Mannes fanden die Beamten die Beweisfotos auf dem Handy und konnten anhand der Zeitstempel Datum und Uhrzeit den einzelnen Taten exakt zuordnen.

Die Anklage

Insgesamt 15 Straftaten warf der Staatsanwalt dem 37-Jährigen vor, von denen vier während der Verhandlung am Wolfsburger Amtsgericht eingestellt wurden. Die Fälle ereigneten sich 2019 innerhalb von einem Monat: am 8., 25. und 27. September sowie am 6., 11. und 15. Oktober in der Zeit zwischen 16 und 21.45 Uhr. Der Angeklagte hatte mit seinem Smartphone von unten in die Nachbarkabinen fotografiert. Auf den Bilder zu sehen sind ahnungslose Frauen und Männer in Badekleidung, aber auch nackt. In einem Fall ist eine Familie betroffen: Vater, Mutter und die zwölfjährige, nur mit einer Schwimmhose bekleidete Tochter. Auf manchen Bilder sind nur Beine erkennbar, auf anderen Po, Brust, Genitalien und die Gesichter der Badegäste.

Der Täter

Der gelernte Schlosser ist Deutscher, derzeit arbeitslos und lebte bis vor zwei Monaten mit seiner Freundin in Wolfsburg. Dann zog das Paar nach Magdeburg. Sie hätten sich in Wolfsburg nicht mehr wohl gefühlt und keine berufliche Zukunft gesehen, erzählte der 37-Jährige. Die Taten räumte er vor Gericht ein. Auf die Frage zu seinem Motiv sagte er: „Ich hatte schon immer eine voyeuristische Ader. Die Bilder waren nur für mich zum Angucken. Ich hätte die nie ins Internet gestellt.“ Er habe sich eingeredet, er schade mit seinen Fotos ja niemandem. Dass ein Kind betroffen sei, tue ihm furchtbar leid. „Ich stehe auf frauliche Körper.“

Die Vorstrafen

Wegen zweier Trunkenheitsfahrten vor einigen Jahren musste der 37-Jährige Geldstrafen in Höhe von 1750 und 550 Euro zahlen. Im Juni wurde er erwischt, wie er im Rucksack eine kleine Menge Betäubungsmittel von Holland nach Deutschland einführen wollte. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihm im Februar 2011 wegen besonders schwerer Vergewaltigung seiner Ex-Freundin zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe. Davon saß er 4 Jahre und 8 Monate in der JVA Wolfenbüttel ab. 2015 wurde er entlassen. Zum Zeitpunkt der Badeland-Taten stand er noch unter Bewährung. Diese endete erst am 27. Februar diesen Jahres.

Die Plädoyers

Der Staatsanwalt bezeichnete den Angeklagten als Bewährungsversager, der wusste, dass er noch mit einem Bein im Gefängnis steht. „Sie haben sexuelle Befriedigung auf Kosten anderer gesucht.“ Eine positive Sozialprognose, die den Angeklagten von weiteren Taten abhalte, könne er nicht erkennen, sagte der Staatsanwalt und forderte ein Jahr Haft ohne Bewährung. Der Pflichtverteidiger bezeichnete die Tat als „Ausrutscher“ und plädierte dafür, die beantragte einjährige Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen.

Das Urteil

Die Richterin verurteilte den Angeklagten „zum Schutz der Allgemeinheit“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. „Sie haben ihr merkwürdiges, abartiges, andersartiges Sexualverhalten nicht im Griff“, sagte die Richterin. „Eine Therapie ist Ihre einzige Chance.“ Gegen das Urteil kann Einspruch eingelegt werden.

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