Bernd Loibl sah eine Verpflichtung im Wolfsburger Planetarium

Wolfsburg.  Er überraschte mit einem Programm, das über die Astrophysik hinaus ging. Er setzte von Anfang an auf Poesie und Musik.

Diese Aufnahme zeigt den verstorbenen Planetariums-Leiter Bernd Loibl im Jahr 2004.

Diese Aufnahme zeigt den verstorbenen Planetariums-Leiter Bernd Loibl im Jahr 2004.

Foto: Bernward Comes

In unserer Stadt verbindet sich sein Wirken mit dem programmatischen Aufbau des Planetariums: Dr. Bernd Loibl, der kürzlich starb, kam aus Hamburg, um die Leitung des Dreiviertelkugelbaus zu übernehmen, die „Morgengabe“ von Volkswagen zum
40. Stadtjubiläum zu einer weit über Wolfsburg hinaus bekannten und gefragten Einrichtung zu entwickeln.

Die Presse nahm von der Eröffnung am 1. Dezember 1983 in der Bundesrepublik wie in der DDR Notiz. Vom „Achimer Kreisblatt“ über den „Bayerwald-Boten“ und die „Meppener Tagespost“ bis hin zu „Wetterauer Zeitung“ gab es Meldungen, Fotos, Artikel und Sonderseiten. Loibl sah darin eine Verpflichtung.

Eine Reise zum Nordpolarkreis im Planetarium

Er überraschte mit einem Programm, das über die Astrophysik hinaus ging. Keine Frage, das Programm 12/83 begann mit einer wissenschaftlichen Betrachtung: „Wolfsburgs winterlicher Sternenhimmel“. Da gab es Einblicke in Gasnebel wie den bekannten Orionnebel, Informationen über Rote Riesen und Weiße Zwerge, „über die Astronomen Erstaunliches herausgefunden haben“, warb Loibl zum Besuch.

Am 22. Dezember 1983 schon bot das Planetarium eine Reise zum Nordpolarkreis an: der Wintersonnenwende. Mit Exkurs auf die südliche Erdhalbkugel, zurück ins winterliche Wolfsburg. Der Astrophysiker schuf so die Grundlagen für diese Aufgabe: verständliche Vermittlung astronomischer Erkenntnisse. Zum Höhepunkt wurde 1985 die Weltraum-Ausstellung in der Bürgerhalle mit echtem Mondgestein sowie der US-Botschaft, dem Amerikahaus Hannover und der Stadt Wolfsburg als Partner.

Jean-Michel Jarre trifft auf Goethe

Loibl setzte von Anfang an auf Poesie und Musik. „Mir ist zu licht zum Schlafen“ bekannte der Hamburger Schauspieler Rudolf H. Herget schon am 1. Mai 1984 und rezitierte Gedichte von Goethe, Tagore, Keller, Pagel und Hesse, während Kompositionen von Jean-Michel Jarre, Ennio Morricone, Grieg und Albinoni erklangen. Das war neu, so ungewöhnlich, dass noch im Oktober 1984 ein Defa-
Team dieses Kulturangebot im Planetarium für die DDR filmte, dass die Planetarien in Jena und Suhl es übernahmen, aber auch in Mannheim. Loibl wusste, wie wichtig gute Beziehungen zur DDR waren, die den liebevoll „Knochen“ genannten Projektor Spacemaster lieferte.

Er brachte damit das Planetarium immer wieder ins Gespräch, wichtig auch für die Bildungsprogramme, damit Kinder und Erwachsene aus der Region kamen. Leitlinien, die bis heute gelten.

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