Nachbarin sieht Messerstecher-Opfer in Westhagen am Boden liegen

Westhagen.  Anwohner berichten von den dramatischen Szenen rund um die tödliche Familien-Auseinandersetzung auf offener Straße in Wolfsburg.

Dramatische Szenen spielten sich Donnerstagabend in Westhagen ab.

Dramatische Szenen spielten sich Donnerstagabend in Westhagen ab.

Foto: Screenshot: Hendrik Rasehorn

„Ich hatte gerade den Fernseher angemacht, da habe ich draußen das Geschrei gehört und bin auf den Balkon gegangen.“ Die Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wohnt rechts neben dem Mehrfamilienhaus, wo das Opfer (25) der Messerstecherei im Stralsunder Ring am Donnerstagabend starb. Sie sah den jungen Mann vor dem Hauseingang liegen, vom Balkon zeigt sie die Stelle. „Gleichzeitig haben sie sich oben an der Straße geprügelt.“

Sie habe sofort die Polizei gerufen, die sei aber schon informiert gewesen, erzählt die Anwohnerin unserer Zeitung in ihrer Wohnung. „Dann kamen auch schon zig Polizeiwagen und Rettungswagen. Polizisten haben den Mann abgeschirmt, die Rettungskräfte haben bestimmt eine halbe Stunde versucht, ihn wiederzubeleben.“ Erst nach 1 Uhr sei Ruhe eingekehrt.

Nachbar erzählt von wiederholten Streitigkeiten in kurdischer Großfamilie

Die Nachbarin erzählt, dass sie seit etwa 18 Jahren im Stralsunder Ring lebt, wie die Familie aus dem Nebenhaus, deren Tochter nach ihrer Aussage mit dem Todesopfer verheiratet war und mit ihm zwei kleine Töchter hat. Die junge Familie lebe in der Eisenacher Straße.

„Es gab seit Jahren immer mal Streitigkeiten. Es ist eine kurdische Großfamilie“, erzählt ein junger Mann, der die tumultartigen Szenen von seiner Wohnung auf der anderen Straßenseite sah. Wegen der Dunkelheit habe er nicht alles miterlebt, „aber die sind an der Bushaltestelle herumgelaufen“. Dann seien ganz viel Polizei und Rettungswagen eingetroffen. Worum es bei den Streits ging? Traditionen, Ehre und Stolz seien im Spiel gewesen, sagt der Nachbar. Ein Kumpel vermute, dass es um Geld ging.

Haftbefehle gegen Vater und drei Söhne wegen dringenden Tatverdachts

Am Donnerstag gegen 19.50 Uhr waren die Einsatzkräfte wegen einer Prügelei in Westhagen alarmiert worden. Wie sich bei deren Eintreffen herausstellte, gab es dramatische Szenen auf offener Straße. Die Auseinandersetzung einer Großfamilie endete für einen 25-Jährigen tödlich. Als dringend tatverdächtig gelten ein 46-Jähriger und drei Söhne (25, 24, 24); gegen die vier Festgenommenen wurde am Freitagnachmittag Haftbefehl wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Totschlags erlassen. Die zwei jüngeren Männer wurden am Freitag noch wegen schwerer Verletzungen im Klinikum behandelt.

Erst am Mittwochabend war es im Stadtteil Eichelkamp zu einer Messerstecherei mit dramatischem Ausgang gekommen. Hintergrund war da nach bisherigen Ermittlungen allerdings ein Zechgelage.

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