Schmidt-Ensemble bringt Travestie und Artistik nach Wolfsburg

Wolfsburg.  Gleich dreimal treten die Künstler am Dienstag und Mittwoch in Wolfsburg auf. Es gibt viel Anzügliches zu sehen und zahlreiche Gags zu hören.

Travestiekünstlerin Elke Winter führte durch die insgesamt drei Vorstellungen des Schmidt-Ensembles.

Travestiekünstlerin Elke Winter führte durch die insgesamt drei Vorstellungen des Schmidt-Ensembles.

Foto: LARS LANDMANN / regios24

Am Schluss schunkelten einige der Besucher von „Schmidt unterwegs“ im Scharoun-Theater. Schuld an diesem Bewegungsdrang war die Sängerin, die platinblonde Elke Winter, quirlige Travestiefigur von der Reeperbahn. Vor allem aber animierte der von ihr präsentierte Evergreen des blonden Hans (Albers), das Lied von der „Reeperbahn nachts um halb 1“.

Aber die Truppe aus St. Georg wäre nicht ein Schmidt-Ensemble, wenn sie es bei dem üblichen, traditionellen Arrangement belassen hätte. Zum größten Teil nämlich regierten bei dem melodischen, hanseatischen Dauerbrenner die kurzen Beats und die Bässe des Techno. Bis zu diesen finalen Momenten waren Massen von Kalauern auf die rund 300 Gäste eingeprasselt. Mit Pointen, die ein Spektrum von erwartet, erahnt, erheiternd und erstaunlich bedienten. Fröhlich, frech, frivol. Bei den Schmidt-Shows geht’s nicht nur hin du wieder, sondern fast permanent, anzüglich zu. Das war bei den drei Auftritten, einer am Dienstag, zwei am Mittwoch, nicht anders.

Sexuelle Anspielungen dienen als Stimmungskatalysator

Sexuelle Anspielungen wirken, sofern sie nicht in allzu krasser Form oder sehr flach serviert werden, stets als Stimmungskatalysator. So viel zur verbalen Seite der Inszenierung, die von Elke Winter, Beiname „Queen of Comedy“, schräg, spontan, schlagfertig und temporär spannend präsentiert wurde. Guter Gesang, Gags ohne Tiefgang mit Lachgarantie, zeitweilig Pointen in Stand-up-Comedy-Manier, das waren die Moderationsgrundlagen. Grimms Märchen in Interaktion mit dem Publikum erzählt und dabei verballhornt waren ein weiterer Aspekt der Dramaturgie. Auf diese Weise hatte Queen Elke die Besucher rasch im Griff. Den richtigen, weil festen Griff hatte Danilo Marder. Der Handstand-Akrobat faszinierte die Zuschauer mit einer Equilibristik-Vorführung, eingebunden in eine spektakuläre Choreographie am Boden und in der Höhe.

Nicht weniger fesselnd war die Darbietung von Pranay Werner. Der Jongleur wirbelte seine Spielgeräte temporeich durch die Luft und erstaunte mit kreativen Diabolo-Bewegungsbahnen. Mit Worten warb Benni Stark, der Comedian, um die Zuschauergunst. Das wirkte recht amüsant, reizte zum Lachen, aber komische Knalleffekte, die setzte er nicht.

Sinatra-Potpourri kam gut an

Und nun der Schwenk zu einem beeindruckenden Duo. Das waren Tante Daphne Woo im Fummel und Roman Who? im Frack. Andreas Schmidt und Roman Grübner zeigten sich als herausragende Sänger, die ihr Publikum in den Bann zogen. Das Frank-Sinatra-Potpourri beispielsweise war, lax ausgedrückt, erste Sahne. Der kleine Wermutstropfen sei gleich hinterher geschoben. Die Zwischenmoderations-Gags hatten meist faden Charakter, zündend waren diese Anspielungen und Anzüglichkeiten nicht.

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