Rat beschließt Wolfsburger Mobilitätswende

Wolfsburg.  Öfter mal das Auto stehen lassen: Das sollen Wolfsburger wie Einpendler, wenn es nach der Mehrheit der Ratsmitglieder geht.

Volle Straßen sind in Wolfsburg vor allem im Schichtverkehr die Norm.

Volle Straßen sind in Wolfsburg vor allem im Schichtverkehr die Norm.

Foto: Helge Landmann / regios24 (Archiv)

SPD, CDU, Grüne, Linke/Piraten und die FDP wollen Wolfsburgs Autofahrern und Einpendlern den Umstieg auf Elektrofahrzeuge, öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad und die eigenen Füße so schmackhaft wie möglich machen. Sie bildeten am Mittwoch die politische Mehrheit, die hinter der neuen Mobilitätsstrategie für die Stadt steht und diese im Rat beschloss.

„Wer sein Ziel nicht kennt, kommt, wenn überhaupt, nur zufällig an“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Bachmann. Und das Ziel sei eine stadt-, umwelt- und sozialgerechte Mobilität. Bachmann sprach sich dafür aus, die von Volkswagen-Mitarbeitern genutzten Parkplätze an der Heinrich-Nordhoff-Straße durch Parkhäuser zu ersetzen und die freiwerdenden Flächen zu bebauen. „Wenn wir es schaffen, von den 78.000 Pendlern nur zehn Prozent nach Wolfsburg zu holen, brauchen wir 7800 Wohnungen“, rechnete der Sozialdemokrat vor.

Joachim Sievers pocht auf Umgehungsstraße für Almke, Neindorf, Heiligendorf

Joachim Sievers von der CDU bezeichnete die Mobilitätsstrategie als schlüssiges Konzept. Er wünscht sich jedoch auch Aufmerksamkeit für die Verkehrsprobleme außerhalb der Innenstadt: Almke, Neindorf und Heiligendorf hätten völlig überlastete Ortsdurchfahrten, die Planung einer Umgehungsstraße dauere schon eine Ewigkeit.

Die PUG scheiterte mit einem Antrag, zusammen mit der Mobilitätsstrategie auch den Schutz von Biotopen vor einer Überbauung zu beschließen. Seine Fraktion wolle die Nachhaltigkeit an erste Stelle setzen, hatte der Vorsitzende Andreas Klaffehn erklärt. „Ich glaube, das ist Populismus“, entgegnete der Grünen-Vorsitzende Frank Richter. Er erläuterte, dass die Kommune von Gesetzes wegen gehalten sei, jeden Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten, und plädierte dafür, dass der Rat sich auf noch ausstehende Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen konzentrieren möge, anstatt möglicherweise sinnvolle Routen für den Radverkehr zu blockieren.

AfD lehnt Wolfsburgs Mobilitätsstrategie als zu autofeindlich ab

Wie bereits in einer vorangegangenen Ausschusssitzung sprach sich der AfD-Fraktionsvorsitzende Thomas Schlick wortreich gegen die Mobilitätsstrategie aus. Er warf den Befürwortern vor, Autos aus der Stadt verbannen und das Autofahren unattraktiv machen zu wollen, erzielte damit aber keine Resonanz.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (4)